Wien (OTS) – Seit nun 32 Monaten steigen die Arbeitslosenzahlen in
Österreich
ununterbrochen – zuletzt waren im November 2025 bereits 399.199
Personen arbeitslos oder in Schulung, ein Plus von 4 % gegenüber dem
Vorjahr. Besonders dramatisch ist der Anstieg bei
langzeitbeschäftigungslosen Menschen: 95.472 Personen sind bereits in
verfestigter Arbeitslosigkeit, um 13,2 % mehr als im Jahr zuvor.
Gleichzeitig werden arbeitsmarktintegrative Programme im ganzen
Land gekürzt oder nicht inflationsangepasst – Strukturen brechen weg,
Jobs gehen verloren. Unsere Mitgliedsorganisationen und damit auch
wir als Dachverbände, SWÖ gemeinsam mit arbeit plus, schlagen daher
berechtigt Alarm: „Die Lage ist ernst“ , warnt Sabine Rehbichler,
Geschäftsführerin von arbeit plus Österreich . „Die wirtschaftliche
Situation mit laufenden Betriebsschließungen führt dazu, dass
Menschen länger arbeitslos bleiben und in verfestigte
Arbeitslosigkeit abzurutschen drohen.“
Kahlschlag quer durch alle Bundesländer
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch der Blick auf die bundesweiten
Kürzungswellen quer durch alle Bundesländer: Produktionsschulen
werden geschlossen, Streetwork-Stellen um bis zu 25 % gekürzt,
Qualifizierungsprojekte eingestellt, Jugendzentren zugesperrt,
Restkostenpauschalen massiv reduziert, Tagsätze eingefroren oder
nicht valorisiert.
Allein in der Steiermark fallen mehrere Produktionsschulen,
Streetwork und Housing-First – Projekte weg; in Niederösterreich
schließen Arbeitstrainings und Qualifizierungsprojekte; in Salzburg
und Oberösterreich werden NEBA-Projekte gekürzt; auch Tirol meldet
Einschnitte in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen; bundesweit werden
ESF-Programme beendet und AMS-Projekte de facto durch Null-
Valorisierungen ausgehöhlt.
Dramatische Langzeitfolgen
Diese Liste wächst täglich – und sie zeigt, dass besonders
Projekte für Jugendliche und junge Menschen mit Behinderungen oder
Unterstützungsbedarf vermehrt wegbrechen. „Statt junge Menschen zu
stärken und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um
überhaupt in den Arbeitsmarkt zu kommen, werden durch die öffentliche
Hand derzeit die Brücken dorthin abgebrochen“, warnt SWÖ-
Fachgruppenvorsitzender Walerich Berger. Damit werden künftig rasant
steigende Langzeitarbeitslosenzahlen bewusst in Kauf genommen. „Auf
unserer SWÖ-Bundesländertour – unter anderem in der Steiermark oder
Oberösterreich – konnten wir hautnah erleben, wie engagiert soziale
Trägerorganisationen jungen Menschen Perspektiven eröffnen. Das sind
genau jene Strukturen, die jetzt durch den Kahlschlag der
öffentlichen Hand bedroht sind.“ Die Politik muss hier Verantwortung
übernehmen und die Versorgungssicherheit gewährleisten. „Wer erklärt
den jungen Menschen, dass für ihre Zukunft kein Platz mehr im Budget
ist?“ , fragt Hochsteiner.
Arbeitslosigkeit grassiert im Gesundheitsbereich
Die Kürzungen wirken sich auch für Beschäftigte im Gesundheits-
und Sozialbereich bereits nachhaltig aus: Während die allgemeine
Arbeitslosigkeit um rund 4 % steigt, liegt der Zuwachs in der Branche
mit 16,5 % mehr als viermal so hoch. Und die Mitgliederorganisationen
stehen dadurch vor einem weiteren Problem, wie arbeit plus-
Vorsitzende Manuela Vollmann als Beispiel anführt: „Die angespannte
Budgetsituation in den rund 200 Betrieben im Netzwerk von arbeit plus
führt bereits jetzt zu einem beginnenden Brain-Drain. Sie warnt:
„Jahrelang aufgebautes Know-how geht also genau in jenem Moment
verloren, in dem wir es besonders dringend brauchen.“
Mehr Augenmaß bei den aktuellen KV-Verhandlungen
Vor diesem Hintergrund betont SWÖ-Geschäftsführerin Yvonne
Hochsteiner: „In der Sozial- und Gesundheitsbranche, die derzeit die
umfangreichsten Kürzungen seit Jahrzehnten schultern muss, mit 4 %
auf die im Vergleich höchste Lohnerhöhung in den diesjährigen
Verhandlungen zu pochen, ist schlicht unrealistisch und trägt nicht
zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei.“