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Wenn Väter Hilfe suchen, dürfen sie nicht selbst zum Problem erklärt werden

Wien (OTO) – Wenn Väter Hilfe suchen, dürfen sie nicht selbst zum
Problem erklärt
werden

Der Krone-Bericht über die mangelnden Folgen vereitelter Vater-
Kind-Kontakte vom 3.9.2026 hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst. „Wir
Väter“ fordert wirksame Verfahren im Sinne des Kindeswohl sowie einen
grundlegenden Wandel im Umgang mit betroffenen Vätern.

Der Bericht „Kaum Folgen für Mama, die Papa nicht zu Sohn lässt“
in der Kronen Zeitung Oberösterreich vom 3. September 2026 hat beim
Verein „Wir Väter“ eine außergewöhnlich hohe Zahl an Reaktionen
ausgelöst. Zahlreiche verzweifelte Väter schilderten, wie sie seit
Monaten oder Jahren um den Kontakt zu ihren Kindern kämpfen. Viele
berichten von struktureller Benachteiligung und Schikanen durch
Behörden und Gerichte – auf Kosten der Kinder.

„Die Rückmeldungen zeigen, dass es hier nicht um bedauerliche
Einzelfälle geht. Immer wieder erleben Väter, dass der Kontakt zu
ihren Kindern verhindert wird, gerichtliche Verfahren Monate oder
Jahre dauern und ihr verzweifeltes Bemühen um Hilfe schließlich gegen
sie ausgelegt wird“, erklärt Anton Pototschnig, Obmann des Vereins
„Wir Väter“.

Ein dem Verein geschilderter Fall steht exemplarisch für diese
Erfahrungen: Der betroffene Vater hatte sich über Jahre liebevoll und
umfassend um sein Kind und seine Familie gekümmert. Nachdem die
Mutter aufgrund eines Affaire mit einem Spitalskollegen (die Frau
arbeitet als Ärztin in einem Spital in Burgenland) die Trennung
wollte, holte sie eines Tages das Kind vor eineinhalb Jahren aus dem
Kindergarten ab und verbrachte es in eine andere, neue Wohnung.

Erst nach rund zwei Monaten konnte der verzweifelte Vater ein
vorläufiges Kontaktrecht bei Gericht erwirken. Seitdem kämpft er um
eine verlässliche, annähernd gleichteilige Betreuung und um die
gemeinsame Obsorge. Eine endgültige Regelung gibt es bis heute nicht.
Alleine die Wartezeit bei der Kinder- und Jugendgerichtshilfe in Wien
dauerte fast ein dreiviertel Jahr. Die Kosten des Verfahrens belaufen
sich für den Vater mittlerweile auf rund 230.000 Euro. Nicht
eingerechnet sind die monatlichen Alimente, die er der Kindesmutter
dafür bezahlen muss, dass sie ihm bis heute eine gleichteilige
Betreuung vorenthält.

Bereits am Tag der Trennung und des plötzlichen Kontaktabbruchs
wandte sich der Vater mehrfach telefonisch und verzweifelt an die MA
11 und bat um Unterstützung. Hilfe erhielt er nach eigener
Darstellung nicht. Stattdessen hielt die Behörde später in einer
Stellungnahme an das Gericht fest, sein Auftreten sei „druckvoll“
gewesen und somit solle das Kind derweil bei der Mutter bleiben. Dass
er gar keinen direkten Kontakt mit der Behörde hatte, sondern eine
Vertrauensperson von ihm, sei nur am Rande erwähnt.

Auch die Kinder- und Jugendgerichtshilfe richtete ihren Blick
nach seinen Angaben weniger auf das Kind und dessen abrupten Verlust
des bisherigen Familienlebens als auf sein bis dahin tadelloses
Verhalten. Sie empfahl ihm, eine Psychotherapie zu beginnen, und
unterstellte ihm ein „symbiotisches Verhältnis“ zu seinem Kind. Als
Begründung wurde unter anderem eine rund eine Minute dauernde
Verabschiedungsszene von seinem Kind angeführt. Das Kind musste sich
dabei erneut für eine Woche von seinem Vater und seinem bisherigen
Zuhause trennen.

„Ein Vater, der nach einem plötzlichen Kontaktabbruch verzweifelt
Hilfe sucht, darf nicht allein wegen seiner Bemühungen für das Kind
zum Problem erklärt werden. Behörden müssen zuerst prüfen, was mit
dem Kind geschehen ist, wie seine bisherigen Bindungen geschützt
werden können, wo bislang sein Zuhause war und warum ein Elternteil
aus seinem Alltag gedrängt wurde“, so Pototschnig.

Die von der Kinder- und Jugendgerichtshilfe empfohlene
Elternberatung verweigerte die Mutter über Monate. Erst das Gericht
verpflichtete sie zur Teilnahme. Auch bei einem früheren gemeinsamen
Termin bei der MA 11, der nach einer Gefährdungsmeldung des
Kindergartens aufgrund des Kindesentzugs der Mutter stattfand, hoffte
der Vater auf konkrete Unterstützung für sein Kind. Statt des
abrupten Kontaktabbruchs und der Situation des Kindes thematisierte
die Behörde jedoch vor allem ein Telefonat, bei dem sich der Vater
aus ihrer Sicht falsch verhalten habe. Das Verhalten der Mutter blieb
unangetastet.

Dieser Fall zeigt ein wiederkehrendes Muster: Der mögliche Entzug
einer gewachsenen Eltern-Kind-Beziehung tritt in den Hintergrund. Im
Mittelpunkt stehen stattdessen die Reaktionen jenes Elternteils, der
um den Kontakt zu seinem Kind kämpft und die unprofessionelle Bias,
in der Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen stecken. Aus Hilfesuche
wird „Druck“, aus Verzweiflung wird ein psychologisches Problem und
aus einer engen Bindung wird ein angeblich „symbiotisches
Verhältnis“. Von der finanziellen Vernichtung engagierter Elternteile
ganz zu schweigen.

Das Recht auf Kontakt ist jedoch kein Privileg von Müttern. Es
ist ein Recht des Kindes beide Elternteile zu haben. Das
Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern garantiert
regelmäßige persönliche Beziehungen und direkte Kontakte zu BEIDEN
Elternteilen, sofern diese dem Kindeswohl nicht entgegenstehen.
Gerichtliche Entscheidungen müssen deshalb nicht nur gefällt, sondern
rasch und wirksam umgesetzt werden.

„Wir Väter“ fordert:

– Beschleunigungsgebot: verbindliche kurze Fristen für Kontaktrechts-
und Obsorgeverfahren. Beziehungen müssen geschützt werden.

– Etablierung von Trennungskompetenzzentren zur Hebung des fachlichen
Standards

– Konsequentes Durchsetzen von Beschlüssen, incl. entsprechender
therapeutischer Begleitmaßnahmen (wenn nötig)

– Effektive Sanktionierung bei unbegründeter Kontaktvereitelung

– leistbare Verfahren, damit Elternrechte nicht von den finanziellen
Möglichkeiten der Betroffenen abhängen,

– die gleichteilige Betreuung als familienrechtliches Leitbild,
sofern keine konkreten Gründe des Kindeswohls dagegensprechen.

„Ein Rechtsstaat darf nicht hinnehmen, dass eine Beziehung
zwischen Eltern und Kind grundlos unterbrochen wird. Willkürliche
Kontaktunterbrechung ist kein Kavaliersdelikt, sondern zerstört
Kinderseelen. Jeder verlorene Monat verändert die Beziehung. Kinder
brauchen deshalb rasche Entscheidungen“, erklärt Pototschnig
abschließend.

Über „Wir Väter“

„Wir Väter“ ist eine überparteiliche Initiative für
verantwortungsvolle Vaterschaft. Der Verein tritt für
gleichberechtigte Elternschaft, den Schutz der Beziehungen von
Kindern zu beiden Elternteilen und gegen die Benachteiligung eines
Elternteils aufgrund überholter gesellschaftlicher Rollenbilder ein.