Wien (OTS) – Die Türkei beherbergt derzeit rund 2,3 Millionen
syrische
Geflüchtete. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni mahnt die
Hilfsorganisation CARE: Viele vertriebene Familien leben seit Jahren
unter schwierigen Bedingungen. Hohe Inflation, steigende
Lebenshaltungskosten, eingeschränkter Zugang zu Arbeit und fehlendes
Wissen über ihre Rechte und Hilfsangebote prägen ihren Alltag.
Besonders Frauen und Kinder sind von Armut, Bildungsabbrüchen und
psychischer Belastung betroffen. Gleichzeitig wächst der politische
und gesellschaftliche Druck auf Syrer:innen in der Türkei, während
eine sichere Rückkehr nach Syrien für viele weiterhin keine
realistische Perspektive darstellt. Gemeinsam mit lokalen
Partnerorganisationen und finanzieller Unterstützung der Europäischen
Union hilft CARE betroffenen Familien dabei, ihre Rechte wahrzunehmen
und an wichtigen Dienstleistungen teilzuhaben.
Rechtliche Unsicherheit als zentrale Hürde
„Wer fliehen muss, braucht nicht nur ein Dach über dem Kopf,
sondern auch die Chance, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch viele
syrische Familien in der Türkei wissen nicht, welche Rechte sie haben
oder an wen sie sich wenden können. Ohne die richtigen Dokumente
bleiben oft selbst grundlegende Leistungen wie medizinische
Versorgung, Schulbildung oder legale Arbeit unerreichbar“, sagt
Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich .
„Wenn Menschen über Jahre in Unsicherheit leben, steigt das Risiko
von Ausbeutung und Ausgrenzung. Besonders Frauen und Kinder zahlen
dafür häufig den höchsten Preis.“
CARE unterstützt mehr als 3.700 Syrer:innen in der Provinz Adana.
Ziel ist es, Geflüchteten den Zugang zu Bildung,
Gesundheitsversorgung und Beschäftigung zu erleichtern, damit sie ein
selbstbestimmtes Leben in Würde führen können. In eigens
eingerichteten Anlaufstellen erhalten sie umfassende Beratung und
praktische Informationen zu diesen Bereichen. Eine Telefonhotline
bietet schnelle Hilfe in Notfällen. Menschen, die rechtliche
Unterstützung benötigen, vermittelt CARE zudem gezielt an lokale
Anwaltskammern, die die weitere Rechtsberatung übernehmen.
„Jeder Mensch verdient die Chance, in Würde zu leben, seine
Rechte wahrzunehmen und sich eine Zukunft ohne Unsicherheit
aufzubauen. Doch für viele Geflüchtete stehen rechtliche, soziale und
wirtschaftliche Herausforderungen dem Neuanfang weiterhin im Weg.
Durch die Partnerschaft mit CARE in der Türkei unterstützt die
Europäische Union Geflüchtete dabei, diese Hürden zu überwinden. Wir
setzen uns weiterhin dafür ein, ihnen den Zugang zu grundlegenden
Dienstleistungen zu sichern und ihre Selbstständigkeit zu fördern“,
sagt Bart Witteveen, Leiter des Büros für humanitäre Hilfe der EU in
der Türkei .
Aus der Gemeinschaft, für die Gemeinschaft
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts in Adana sind die
sogenannten Community Activators. Syrer:innen, die selbst Erfahrungen
mit Flucht und Integration gemacht haben, werden geschult, um als
Multiplikator:innen in ihren Gemeinden tätig zu werden. Sie klären
über Rechte auf, vermitteln Wissen und schaffen Vertrauen dort, wo
staatliche oder institutionelle Angebote Betroffene oft nur schwer
erreichen.
Einer davon ist Pharmaziestudent Beshar Ali (24). Mit 14 Jahren
floh er aus Aleppo nach Adana. Um seine Familie zu unterstützen,
arbeitete er zunächst als Straßenverkäufer und in Textilfabriken.
Obwohl das Geld knapp war, meldete ihn seine Mutter an einer Schule
an. Heute steht Beshar kurz vor dem Studienabschluss. Über seine
Studentengruppe kam er zu CARE und lernte dort über gesunde Ernährung
und nachhaltige Landwirtschaft. Dieses Wissen gibt er nun an Familien
weiter. „Anderen zu helfen, gibt allem, was ich bisher erlebt habe,
einen Sinn. Ich kann etwas verändern. Das macht mich glücklich.“
Auch Rima (29) stammt aus Aleppo und lebt seit mehr als zehn
Jahren in der Türkei. Sie hat ihr Architekturstudium abgeschlossen
und engagiert sich heute als Community Activator bei CARE. Bereits
während ihres Studiums arbeitete sie ehrenamtlich als Übersetzerin in
Krankenhäusern. Rima möchte Menschen sensibilisieren und
unterstützen. Im CARE-Projekt setzt sie sich deshalb besonders gegen
Kinderarbeit und Kinderheirat ein. „Viele Syrer:innen in der Türkei
brauchen Informationen zu sensiblen Themen wie Kinderarbeit oder
Frühehen. Wenn ich dazu beitragen kann, Kinder davor zu schützen,
würde mich das sehr glücklich machen.“
Dieses Projekt wird von der Europäischen Union gefördert und von
CARE sowie lokalen Partnern umgesetzt. Aufgrund des bisherigen
Erfolgs wird das Projekt verlängert und läuft bis Juni 2027.
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