Wien (OTS) – Die Rechnung ist fertig: Die „Pensionsschere“ zwischen
Männern und
Frauen beträgt fast 40%, obwohl Frauen arbeitsbereit wären,
zusätzlich zu Kindererziehungs- und Sorgearbeit vielfach
Teilzeitbeschäftigungen nachgehen und unter Berücksichtigung der
gesamten unbezahlten Care-Arbeitsleistung einer besonderen Belastung
ausgesetzt sind. Das zeitliche Ausmaß dieser unbezahlten Arbeit ist
etwa gleich hoch wie jenes von bezahlter Arbeit. Das bedeutet, dass
Frauen gut doppelte Leistung erbringen, im Erwerbsleben wegen
Teilzeit und grundsätzlicher Diskriminierung schlechter als Männer
entlohnt werden und in der Pension die volle Benachteiligungslast bis
zum Lebensende tragen müssen. In Österreich gelten 20% der Frauen ab
65 als armutsgefährdet.
Um das zu ändern, müssen einige, relativ wenige Kernforderungen
erfüllt werden:
– Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung
– Rechtsanspruch auf Vollzeitbeschäftigung
– Rechtsanspruch auf variable Arbeitszeitgestaltung
– Rechtsanspruch auf Beschäftigung über das Pensionsalter hinaus
– Offenlegung aller Jahresgehälter inklusive Prämien und
Sonderzahlungen in Betrieben
Was wir nicht brauchen:
– Eine generelle Dämonisierung der Teilzeitbeschäftigten.
– Eingriffe in die individuelle Disposition von Arbeitnehmer:innen,
was etwa die Agenda Austria mala fide tut, wenn sie jene unter
Generalverdacht stellen möchte, die trotz Betreuungspflichten
grundsätzlich auch Vollzeit arbeiten könnten, es aber „bewusst nicht
tun“.
– Eine Hetzjagd gegen jene, welche unbezahlt (!) Arbeit leisten, die
monetär mit über 100 Milliarden Euro zu bewerten ist. Das sind ca. 30
% des BIP. Die Care-Arbeiter:innen leisten somit den mit Abstand
größten Beitrag zur Budgetkonsolidierung, weil sie ihre
Arbeitsleistung im Wert von über 100 Milliarden Euro ohne Entlohnung
zur Verfügung stellen.
Wo bleibt demgegenüber in den Köpfen der politisch und
wirtschaftlich Verantwortlichen die korrekte Einsicht und die
Bereitschaft unter Beseitigung extremer sozialer Schieflagen ihre
wenigstens angemessenen Beiträge zu leisten?
Unabhängige GewerkschafterInnen im Öffentlichen Dienst und in
ausgegliederten Betrieben
Stefan Schön, Pressesprecher