Vorschläge der EU-Kommission zur EUDR noch unzureichend

Wien (OTS) – Die Europäische Kommission stellte heute weitere
Schritte zur
Anwendung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) vor. Die EUDR soll für
die meisten Unternehmen – entgegen einer ursprünglichen Ankündigung
von Umweltkommissarin Roswall – doch nicht mehr verschoben werden.
Dafür sind einige Erleichterungen vorgesehen. Österreichs
Holzindustrie sieht die Absichten der Kommission dennoch kritisch.

Dr. Erlfried Taurer, Obmann des Fachverbands der Holzindustrie
Österreichs, erklärt: „Die Pläne der Kommission greifen zwar einige
unserer Vorschläge zur Vereinfachung der EUDR auf. Dennoch benötigen
wir eine längere Frist für die Anwendung der Verordnung. Die meisten
Mitgliedstaaten haben weder Umsetzungsgesetze verabschiedet noch
Vollzugsbehörden benannt. Zudem hat die Kommission selbst Probleme im
IT-System eingeräumt. Unter diesen Bedingungen ist eine erneute
Verschiebung um mindestens zwölf Monate für alle Unternehmen
unverzichtbar. Außerdem müssen die von der Kommission heute
vorgestellten Vorschläge auch in den Unternehmen und Mitgliedstaaten
vorbereitet werden.“

Die Kommission schlägt unter anderem vor, dass Holzverarbeiter
als nachgelagerte Marktteilnehmer keine eigenen Sorgfaltserklärungen
mehr abgeben müssen. Taurer betont: „Die Branche unterstützt das Ziel
der EUDR, die weltweite Entwaldung zu bremsen und zu beenden. Aber es
ist unnötig, die gesamte Wirtschaft mit der EUDR zu drangsalieren.
Wichtig ist, dass die gesamte Wertschöpfungskette Holz
wettbewerbsfähig bleibt und nicht durch unterschiedliche
Anforderungen geschwächt wird. Daher appelliere ich an den
Europäischen Rat und das Europäische Parlament, in Sachen EUDR
hartnäckig zu bleiben und weitere Erleichterungen für die
Holzwirtschaft sicherzustellen. Unsere Unternehmen brauchen
Entlastungen, sinnvolle Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit.“

Die Vorschläge der Kommission müssen noch vom Europäischen Rat
und vom Europäischen Parlament bestätigt werden.

Zwtl.: Hintergrund: EUDR – Bürokratie ohne Nutzen

Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verpflichtet Unternehmen, bei
jedem Verarbeitungsschritt von Holz und Holzprodukten nachzuweisen,
dass kein Entwaldungsrisiko besteht – vom Rohstoff bis zum fertigen
Produkt. Die EUDR betrifft nicht nur den Import, sondern auch
Herstellung, Handel und Export innerhalb der EU. Unternehmen müssen
sich laufend freibeweisen. In der Praxis führt das zu einem nicht
umsetzbaren Bürokratieaufwand. Durch Vermischungen auf Lagerplätzen
und in der Weiterverarbeitung müssten tausende Referenznummern
verwaltet und weitergegeben werden – bei jedem Bearbeitungsschritt,
jeder Lieferung, jedem Produkt. Die so entstehende Datenflut ist
weder überprüfbar noch zielführend.

Eine Studie aus Finnland beziffert die Kosten für die Einführung
allein dort auf über 200 Millionen Euro sowie auf jährlich 65
Millionen Euro an laufenden Kosten. Eine Umfrage des Hauptverbandes
der Deutschen Holzindustrie (HDH) geht von Kosten in Höhe von 1,8
Milliarden Euro aus, um die EUDR einzuführen, und von weiteren 1,2
Milliarden Euro für den jährlichen Betrieb. Europaweit droht ein
Milliardengrab – ohne erkennbaren Mehrwert.

Zwtl.: ÜBER UNS

Der Fachverband der Holzindustrie Österreichs vertritt die
Interessen von mehr als 1.300 holzverarbeitenden Unternehmen in der
Bauprodukt-, Möbel-, Platten-, Säge- und Skiindustrie sowie in
weiteren holzverarbeitenden Betrieben wie der Palettenherstellung.
Die Unternehmen der Holzindustrie stellen mit rund 25.600
Beschäftigten Produkte im Wert von 9,28 Milliarden Euro her und
erwirtschaften einen Außenhandelsüberschuss von 1,39 Milliarden Euro.
Innerhalb der Wertschöpfungskette Holz ist die Holzindustrie ein
Schlüsselsektor und Ausgangspunkt für viele weitere
Verwendungsmöglichkeiten für Holz. Entlang der Wertschöpfungskette
Forst- und Holzwirtschaft sind mehr als 320.000 Menschen beschäftigt,
besonders in den ländlichen Regionen. Die Holzindustrie ist ein
unverzichtbarer Bestandteil der österreichischen Wirtschaft.

Weitere Informationen zur Holzindustrie Österreichs finden Sie im
aktuellen Branchenbericht .