Wien (OTS) – Frauen erhalten dieses Jahr im Durchschnitt 39,7 Prozent
weniger
Pension, das heißt, Männer haben bereits so viel Pension am Konto wie
Frauen erst bis Jahresende bekommen. Ihnen stehen nur rund 1.527 Euro
brutto pro Monat zur Verfügung. „Dabei sind auch die Beamtinnen-
Pensionen eingerechnet, die den Durchschnitt stark anheben. Nimmt man
den Median, also den Punkt, an dem die Hälfte der Pensionistinnen
mehr und die andere Hälfte weniger bekommt, liegt die Pension für
Frauen in Österreich in der Regel sogar unter der
Armutsgefährdungsschwelle”, hebt die Leiterin der Sozialforschung der
Volkshilfe Österreich Hanna Lichtenberger dieses erschreckende Detail
hervor. „Im EU-Vergleich hat Österreich laut Eurostat bei den Über-65
-Jährigen mit 35,6 Prozent sogar die drittgrößte Pensionslücke“, so
Lichtenberger.
Niedrige Pension, hohe Armut, belastete Gesundheit
„ Wir wissen aus unserer sozialen Arbeit, dass Altersarmut für
die Betroffenen mit einer Reihe von Herausforderungen, Belastungen
und negativen gesundheitlichen Effekten einhergeht. Das führt zu
einem drastischen Verlust an Lebensqualität ”, so Lichtenberger
weiter.
Die Ursachen für die hohe Armutsgefährdung älterer Frauen sind
zwar vielfältig, aber neben Lohndiskriminierung sind dafür in erster
Linie die Rahmenbedingungen des österreichischen, konservativen
Wohlfahrtsregimes verantwortlich. „In Österreich knüpfen wir soziale
Sicherheit an geleistete Erwerbsjahre. Menschen, die im Laufe ihres
Lebens viel unbezahlte Arbeit verrichten – und das sind überwiegend
Frauen -, oder jene, die aus gesundheitlichen Gründen nicht
erwerbstätig sein können, erhalten somit automatisch weniger Pension.
Sie haben daher ein weitaus höheres Risiko, von Altersarmut betroffen
zu sein ”, hält der Präsident der Volkshilfe Österreich, Ewald
Sacher, fest.
Moderne Familienpolitik als Schutz vor Altersarmut
Um Altersarmut – besonders bei Frauen – wirksam zu bekämpfen,
braucht es einen familiengerechten Sozialstaat, der Care-Arbeit
gerecht verteilt und Familien konsequent entlastet. „Nur wenn Erwerbs
– und Sorgearbeit gerecht zwischen den Partner*innen aufgeteilt wird,
beispielsweise mittels verpflichtender Väterkarenz, können
langfristig die Pensionslücken geschlossen werden. Dazu gehört auch
der Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung. Eine generelle
Arbeitszeitverkürzung für alle ist dabei ein zentraler Hebel. Sie ist
nicht nur gesundheitsfördernd, sondern auch geschlechtergerecht und
familienfreundlich”, so Sacher abschließend.