Wien (OTS) – „Wir müssen das Pflegegeld neu denken“, fordert Erich
Fenninger,
Direktor der Volkshilfe Österreich, anlässlich der
besorgniserregenden Ergebnisse einer aktuellen Studie des Foresight-
Instituts, die auf große Probleme im Begutachtungsverfahren hinweist.
„Wir fordern seit Jahren eine grundlegende Reform des Pflegegelds und
des Einstufungsverfahrens. Das System orientiert sich viel zu stark
an Defiziten, statt an den Ressourcen der Menschen“, betont Erich
Fenninger.
Zwtl.: Reformbedarf
Auch der Volkshilfe-Sozialbarometer 2025 zeigt deutlich: Die
Bevölkerung sieht Handlungsbedarf. Fast neun von zehn Befragten (88
Prozent) sprechen sich für eine Reform des Pflegegeldes aus. Bereits
2024 lag dieser Wert bei 87 Prozent.
„Wir brauchen ein neues Verständnis von Pflege und Betreuung, das
die Selbstständigkeit und die soziale Teilhabe pflegebedürftiger
Menschen möglichst lange erhält und fördert. Vielen Menschen ist
nicht bewusst, welche zentrale Rolle das Pflegegeld im gesamten
Betreuungssetting spielt“, betont Fenninger.
Die jeweilige Pflegestufe entscheidet etwa darüber, ob eine 24-
Stunden-Betreuung gefördert wird, in welcher Höhe mobile
Pflegeleistungen abgerechnet werden können oder ob eine Aufnahme in
ein Pflegeheim möglich ist. In der Regel ist das ab Pflegestufe 4.
Wichtige Unterstützungsleistungen hängen ebenfalls von der Einstufung
ab, etwa der Angehörigenbonus, die Zuwendung für Ersatzpflege oder
die Möglichkeit der Selbst- und Weiterversicherung für pflegende
Angehörige.
Zwtl.: Erfahrungen aus der Praxis
Wie belastend die aktuelle Situation für pflegende Angehörige
ist, zeigt ein exemplarischer Erfahrungsbericht: „Der Staat weiß
nicht, was es heißt, pflegende Angehörige zu sein. Das Pflegegeld
reicht bei den meisten nicht aus. Wie sollte ich eine qualifizierte
Pflegeperson holen, wenn ich das Geld nicht habe? So wie es jetzt
ist, kann es nicht bleiben. Das Einstufungsverfahren war sehr
deprimierend. Der Arzt hat meine Sichtweise kaum berücksichtigt und
mein Mann konnte auf einmal alles selbstständig machen.“
Zwtl.: Konkrete Reformvorschläge
„Wir wissen aus der täglichen Arbeit mit betroffenen Menschen,
dass es dringend ein neues Begutachtungsverfahren und die
Weiterentwicklung des Pflegesystems braucht. Ein System, das soziale
Teilhabe ermöglicht und die Fähigkeiten zu einem selbstbestimmten
Leben so lange wie möglich erhält“, betont Teresa Millner-Kurzbauer,
Bereichsleiterin Pflege und Demenzhilfe Volkshilfe Österreich.
„Wichtig dafür ist der Einbau präventiver Elemente, um
Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuzögern, eine verbesserte
Ausbildung und Qualitätssicherung für Gutachter*innen, eine klare
Definition des Begriffs ,Pflegebedürftigkeit‘ im
Bundespflegegeldgesetz und die Einführung einer*s ,Chief Nurse‘ als
zentrale fachliche Ansprech- und Kontrollinstanz in der
Pensionsversicherungsanstalt“ , fordert Millner-Kurzbauer.
„Das Pflegegeldsystem muss endlich an die Realität von
Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen angepasst werden. Nur so kann
eine würdevolle und qualitativ hochwertige Betreuung langfristig
gesichert werden“, so Fenninger abschließend.