VÖZ zu Medienförderung: „Es ist bereits fünf nach zwölf: Heimische Medienbranche benötigt rasch sinnvolle Maßnahmen“

Wien (OTS) – Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) plädiert
anlässlich der
heute im Medienministerium präsentierten Studie
„Journalismusförderung in Österreich“ für eine rasche Umsetzung der
bereits zugesicherten Fördermaßnahmen anstatt eines radikalen Umbaus.

„Dem Befund, dass sich der Medienstandort Österreich in einer
strukturellen Krise befindet, ist absolut zuzustimmen. Sinkende
Werbeerlöse und die zunehmende Konkurrenz durch die Big Tech-
Plattformen stellen eine große Herausforderung für unsere Branche
dar. Ob allerdings die heute vorgeschlagenen Lösungsansätze
zielführend sind, ist fraglich“, sagt VÖZ-Präsident Maximilian Dasch
(„Salzburger Nachrichten“).

„Zwar sind jegliche Vorschläge zur nachhaltigen Stärkung des
österreichischen Medienstandorts, die rechtlich machbar und auch
tatsächlich umsetzbar sind, selbstverständlich zu begrüßen“, betont
auch VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. „Das bestehende,
funktionierende Fördersystem jetzt allerdings gänzlich und radikal
neu zu denken, ist nicht praktikabel. Denn der österreichischen
Medienbranche läuft, auch vor dem Hintergrund der übermächtigen
Konkurrenz durch die Big Tech-Plattformen auf dem Werbemarkt, die
Zeit davon. Es ist bereits fünf nach zwölf.“

Die im Regierungsprogramm in Aussicht gestellte Zustellförderung
sei etwa bis heute noch nicht beschlossen worden, ruft Maximilian
Dasch in Erinnerung. Diese sei jedoch essenziell: „Die
Zustellungswege in entlegeneren Regionen, aus denen immer mehr
Menschen abwandern, werden auch aus Kostengründen schwerer zu
bedienen. Die Vertriebsförderung ist in diesem Zusammenhang ein
wichtiges Werkzeug, um die Versorgung aller Bevölkerungsgruppen mit
relevanten und qualitätsvollen Informationen sicherzustellen. Dies
ist schließlich ein wesentlicher Baustein unserer Demokratie.“

Der Staat nimmt über die Digitalsteuer rund 140 Millionen Euro
ein. Demgegenüber stehen rund 128 Millionen Euro an bestehenden und
geplanten privaten Medienförderungen. „Die Diskrepanz ist
offensichtlich“, so Dasch. „Zumindest die Mittel aus der
Digitalsteuer sollten auch in die private österreichische
Medienlandschaft investiert werden. Hier geht es nicht nur um die
Medien als die vielzitierte vierte Macht. Die privaten
Medienunternehmen verlegerischer Herkunft, wie sie im Verband
Österreichischer Zeitungen vertreten sind, schaffen zudem
Arbeitsplätze und tragen wesentlich zur Wertschöpfung in den Regionen
bei.“

Auf Unverständnis stößt beim Verlegerverband insbesondere der
Vorschlag zur Einführung einer neuen Kommission für die
Fördervergabe. „Das bestehende System aus KommAustria und RTR, die
die Mittelvergabe höchst professionell abwickeln, hat sich bewährt.
Warum hier eine Doppelstruktur etabliert werden soll, ist nicht
nachvollziehbar“, gibt Geschäftsführer Grünberger abschließend zu
bedenken.