Wien (OTS) – Ob für Kinder oder Erwachsene, ob mit oder ohne Kabel:
Der Verein für
Konsumenteninformation (VKI) hat im Rahmen des EU-geförderten
Projektes „ToxFree LIFE for all“ gemeinsam mit
Verbraucherorganisationen aus Slowenien, Tschechien und Ungarn 81
Kopfhörer getestet. Davon waren 64 Produkte zum Einkaufszeitpunkt in
Österreich erhältlich. Das Ergebnis: Kein einziges Produkt ist frei
von Schadstoffen. Kopfhörer aus drei Kategorien (Kinder-, Gaming- und
Erwachsenenmodelle) wurden untersucht und nach dem Ampelsystem
bewertet. Von 64 Produkten wurden 28 Modelle mit „rot“ abgestraft –
deren Verwendung ist nicht zu empfehlen. Weitere 7 Produkte wurden
mit „gelb“ bewertet und 29 Kopfhörer erhielten eine „grüne“
Beurteilung – letztere aufgrund ihrer im Vergleich geringeren
Schadstoffbelastung. Positiv: Viele Kinderkopfhörer waren – mit
einigen sehr negativen Ausnahmen – tendenziell weniger belastet. Alle
getesteten Produkte im Überblick gibt es ab sofort auf
www.vki.at/kopfhoerer-2025 und ab 23.10.2025 in der November-Ausgabe
des Testmagazins KONSUMENT.
Kein Modell völlig schadstofffrei
„Das Ergebnis hallt unangenehm in den Ohren nach“, so VKI-
Projektleiterin und Chemikalienexpertin Birgit Schiller. „Jeder
Kopfhörer enthielt bedenkliche Stoffe. Das bedeutet aber nicht, dass
man sämtliche Kopfhörer sofort verbannen muss. Produkte mit grüner
oder gelber Bewertung können weiterhin verwendet werden, da sie
geringere Mengen an Schadstoffen enthalten. Kopfhörer mit einer roten
Beurteilung können wir nicht mit gutem Gewissen empfehlen.“ Es gibt
zudem mehrere Produkte, die geringer belastet sind – vor allem bei
den Kinderkopfhörern. Hier erhielten zwar 7 Produkte eine rote
Bewertung, aber immerhin 14 Produkte eine grüne Beurteilung.
Insgesamt wurden 84 verschiedene Schadstoffe analysiert, darunter
Chlorparaffine, Phthalate, Flammschutzmittel und Bisphenole. Zu den
möglichen Folgen dieser Stoffe zählen krebserregende Wirkungen,
Schädigungen von Organen und Nervensystem, hormonelle Störungen,
Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit, Entwicklungsstörungen
von Gehirn und Immunsystem, allergische Reaktionen sowie
Umweltbelastungen.
–
Chlorparaffine: Diese wurden nur in sehr geringen Mengen
gefunden. Durch diese ist im Test kein unmittelbares Risiko gegeben.
–
Flammschutzmittel: Die durchschnittlich gefundene Menge ist zwar
niedrig, aber 72 Prozent der Proben enthielten mehrfach
unterschiedliche Flammschutzmittel. Besonders auffällig waren hier
der „Skullcandy Grom Kids“ sowie der In-Ear-Kopfhörer für Erwachsene
von „Marshall Motif II A.N.C.“ (Bewertung Rot).
–
Phthalate: Diese Weichmacher enthielten zwar alle getesteten
Produkte, doch der „Enjoy Music“-Kinderkopfhörer von Temu fiel
besonders negativ auf.
–
Bisphenole: Hier sind die Ergebnisse am bedenklichsten – und die
gesetzliche Lage am wenigstens restriktiv: 20 Prozentder Modelle
wurden „rot“ eingestuft. Besonders besorgniserregende Bisphenole
enthielt das Kinderprodukt „Carebuds blue“ von „My first“ – und zwar
in herausstechend hoher Menge. Weiters wurden Bisphenole besonders
häufig in Hartplastik-Teilen gefunden, mit denen während des
Gebrauchs kein direkter Hautkontakt besteht (z.B. Außenseite Bügel).
Um den Kontakt möglichst gering zu halten, empfiehlt Birgit Schiller,
Kopfhörer nicht unnötig in der Hand zu halten oder längere Zeit um
den Hals zu tragen.
Kein Grund zur Panik – aber zum Nachdenken
„Ein erfreuliches Ergebnis ist das nicht“, resümiert Birgit
Schiller. „Aber man muss sich nicht zu Tode fürchten. In einzelnen
Produkten ist die Menge schädlicher Stoffe oft nicht sofort
bedenklich. Entscheidend ist die Summe aller Belastungen. Allerdings
kommen wir im Alltag oft mit vielen belasteten Gegenständen in
Kontakt, wie zum Beispiel Spielzeug, Trinkflaschen oder Kleidung. Je
häufiger das passiert, desto größer wird die Gesamtbelastung – und
damit auch das Risiko für unsere Gesundheit. Deshalb ist es sinnvoll,
darauf zu achten, dass wir – und besonders Kinder – möglichst wenig
mit gefährlichen Stoffen in Berührung kommen.“
Tipps der Expertin:
–
Notwendigkeit. Überlegen, in welchen Situationen Lautsprecher
statt Kopfhörer möglich sind.
–
Verantwortung. Besser Kinderkopfhörer für den Nachwuchs. Diese
schneiden meist besser ab.
–
Hautkontakt reduzieren: Kopfhörer abseits des Gebrauchs nicht
unnötig lange in der Hand halten oder um den Hals tragen.
–
Bauweise. Die getesteten Schadstoffe kommen nur in Kunststoff
vor. Modelle mit höherem Metall- und geringerem Kunststoff-Anteil
sind daher tendenziell im Vorteil.
SERVICE: Die ausführlichen Testergebnisse gibt es ab 23.10.2025
in der November-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf
www.vki.at/kopfhoerer-2025 .