vida-Hebenstreit fordert „Verankerung von knallharten gesetzlichen Maßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz“

Wien (OTS) – Wenn so viele Menschen zu einer Fachtagung wie der
heutigen
zusammenkommen – Expert:innen, Betriebsrät:innen und Interessierte,
um sich mit dem Thema Gewalt am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen,
dann gebe es auch eine höhere Betroffenheit, die aus der Realität
kommen müsse: Offensichtlich gebe es in allen Bereichen mehr Gewalt
am Arbeitsplatz. Auch die Statistik würde dies in vielerlei Hinsicht
bestätigen. „Man sagt, Statistiken lügen nicht. Statistiken weinen
aber nicht und tragen auch keine seelischen Verletzungen mit sich“,
hielt Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, im
Rahmen der Eröffnung der Gewaltpräventionstagung der Initiative
„Tatort Arbeitsplatz“ am Mittwoch in Wien fest.

Alle, die sich mit dem Thema der steigenden Gewalt am
Arbeitsplatz beschäftigen, seien offensichtlich an einem Punkt
angekommen, an dem sie sich nicht mehr mit Informationskampagnen und
Plakaten zufriedengeben wollen, auf denen steht, seid alle nett
zueinander: „Solche haben wir schon zur Genüge erleben müsse. Was wir
brauchen, und das ist unser politischer Auftrag, sind knallharte und
gesetzlich verankerte Gewaltschutzmaßnahmen“, fordert Hebenstreit.

Damit meint Hebenstreit nicht nur die Umsetzung einer ILO-
Richtlinie, die beim Thema Gewalt zu einem kulturellen Wandel führen
soll. „Es müsste einen Schritt weiter gehen, indem etwa öffentliche
Aufträge prinzipiell nur mehr an Unternehmen vergeben werden, die
Gewaltschutz- und Präventionskonzepte vorweisen können“, so der vida-
Vorsitzende weiter. Es könnten einfache gesetzliche Materien sein,
die zu mehr Gewaltschutz führen würden. Beispielsweise könnte bei der
Vergabe von öffentlichen Verkehrsleistungen durch Regelwerke
vorgeschrieben werden, dass niemand mehr allein Dienst machen muss,
weil schaffnerloser Betrieb oder die Ein- Mann- bzw. Eine-Frau-
Besetzung damit untersagt wäre.

Das Vergaberecht könnte auch im Bewachungsgewerbe relativ einfach
regeln, dass es vernünftige Ausschreibungen mit Qualitätskriterien
gebe anstelle des derzeit dominierenden „elendigen
Billigstbieterprinzips“, sagt der vida-Vorsitzenden. In der
Gewerkschaft vida erlebe man, was Letzteres am Ende bedeutet: Bei
Fußballspielen seien schon Minderjährige für die Sicherheit der
Teilnehmer:innen verantwortlich gewesen. Diese müssten nicht nur die
Verantwortung tragen, sondern seien unter Umständen auch selbst
gefährdet.

Es braucht auch mehr Gewaltschutz im Tourismus, ortet Hebenstreit
in dieser Branche einen Mangel an Bereitschaft, umfangreiche
Gewaltschutzkonzepte in der Praxis anzuwenden. Zudem bedürfe es eines
österreichweit einheitlichen Personalschlüssels im Pflegebereich.
Dieser würde dazu führen, dass mehr Personal da ist, welches sich
gegenseitig schützen, und andererseits die Kolleg:innen dort
entlasten könnte, wo es notwendig sei, nämlich unmittelbar in der
Arbeit, führte der vida-Chef an.

„Gewalt hat viele Gesichter. Insofern braucht es viele und
schärfere gesetzliche Maßnahmen, um gegen Gewalt am Arbeitsplatz
vorgehen zu können“, bekräftigte Hebenstreit abschließend.

Über die heutige Fachtagung:

Die Gewerkschaft vida veranstaltet gemeinsam mit AK Wien, ÖGB,
GPA, GÖD und dem Weissen Ring die Gewaltpräventionstagung „Tatort
Arbeitsplatz – NED mit uns!“. Hochkarätige Expert:innen und
Praktiker:innen diskutieren während der Tagung über Prävention,
Opferschutz und den Umgang mit Gewalt, während Best-Practice-
Beispiele Mut machen, aktiv zu werden.

Gewalt und Mobbing am Arbeitsplatz sind ernstzunehmende Probleme
mit weitreichenden Folgen für Betroffene, Organisationen und
Gesellschaft. Sie beeinträchtigen nicht nur die psychische und
physische Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch die
Zusammenarbeit, Leistungsfähigkeit und das Arbeitsklima. Bei der
heutigen Fachtagung werden aktuelle Erkenntnisse, praxisnahe Ansätze
und wirksame Präventions- und Interventionsstrategien vorgestellt und
diskutiert. Die Veranstalter wollen Mut machen, Wissen stärken und
Strategien vermitteln, um für Respekt, Würde und sichere
Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Mehr zur Initiative: www.tatortarbeitsplatz.at