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vida-Hebenstreit: Erzählung der Wirtschaft über flächendeckenden Fachkräftemangel als Farce entlarvt

Wien (OTS) – Angesichts der anhaltenden Debatte um den angeblichen
Mangel an
Fachkräften, übt Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft
vida, erneut scharfe Kritik an den Forderungen der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ) und der Industriellenvereinigung (WKÖ) nach einer
Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Karte und der Saisonkontingente.
Sinnbildlich für die verfahrene Situation verweist Hebenstreit auf
einen aktuellen Artikel im „Online-Standard“, wonach ein Jugendlicher
auf der Suche nach einer Lehrstelle über 150 Bewerbungen verschickt
und nur Absagen erhalten hatte.

„Das entlarvt das gängige Narrativ vom flächendeckenden
Fachkräftemangel als Farce. Wenn junge Menschen, die arbeiten und
lernen wollen, nach 150 Bewerbungen frustriert vor verschlossenen
Türen stehen, dann haben wir kein Problem mit mangelnder Ausbildungs-
und Arbeitswilligkeit in diesem Land. Wir haben vielmehr ein massives
Problem damit, dass sich Unternehmen aus der Verantwortung für die
Ausbildung stehlen“, ortet Hebenstreit einen „Ausbildungsstreik der
Wirtschaft“. Allein in Wien stünden aktuell 5.000
Lehrstellensuchenden nur 500 offene Lehrstellen gegenüber.

Während auf dem Rücken der Jugend beim Berufseinstieg gespart und
selektiert werde, würden die Wirtschaftslobbys reflexartig nach
Arbeitskräftezuzug aus Drittstaaten über billigere Kanäle wie die Rot
-Weiß-Rot-Karte und Saisonkontingente rufen.

„Statt im Land in die Jugend zu investieren, Lehrlinge
auszubilden und attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen zu
schaffen, wird nach dem Staat gerufen, um niedriger entlohnte
Arbeitskräfte zuzuführen, um Druck auf die heimischen Löhne
auszuüben. Das ist der falsche Weg und führt direkt in eine bildungs-
und arbeitsmarktpolitische Sackgasse“, warnt der vida-Vorsitzende.

Die Gewerkschaft vida fordert ein Umdenken der Wirtschaft:

– Ausbildungspflicht und -bonus für Betriebe: Wer über
Fachkräftemangel klagt, muss zuerst selbst ausbilden, statt nur
fertige Kräfte abwerben zu wollen.

– Schluss mit dem Jammern auf Kosten der Jugend: Es darf nicht sein,
dass Schulabgänger:innen durch ein mangelndes Angebot an echten,
fairen Lehrstellen in die Perspektivlosigkeit gedrängt werden.

Fokus auf inländische Potenziale: Bevor nach arbeitsmarktpolitischen Umgehungskonstruktionen wie der Rot-Weiß-Rot-Karte und den Saisonkontingenten gerufen wird, müssen die Ausbildungsnund Beschäftigungsperspektiven für die jungen Menschen im Land radikal gestärkt werden.n „Wer die Jugend derart im Stich lässt, verspielt die Zukunft des
Wirtschaftsstandorts. Es braucht endlich wieder unternehmerische
Handschlagqualität bei der Ausbildung und faire Chancen für die
nächste Generation“, bekräftigt Hebenstreit abschließend.