vida-Hebenstreit: Beschäftigte im Tourismus haben es satt, immer die Sündenböcke der WKÖ zu sein

Wien (OTS) – Die Gewerkschaft vida wehrt sich gegen die Darstellung
des
Fachverbands Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich, wonach
insbesondere die Kosten für das Personal im Tourismus die Betriebe
belasten würden. Anlass dafür sind die Ergebnisse des „Gastronomie-
Fitness-Checks“, einer neuen Studie der Österreichischen Hotel- und
Tourismusbank (OeHT).

Betriebsmodelle statt „Kostenschuld“

„Die Gastronomie hat kein Problem mit den Kosten für die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern mit den eigenen
Geschäftsmodellen“, hält vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit
entgegen. „In einer Branche, in der die Produktivität der
Beschäftigten laut Statistik Austria im Jahr 2025 um 5 Prozent
gestiegen ist, über Personalkosten und zu geringe Betriebsergebnisse
zu jammern, zeigt die Kurzsichtigkeit der Branche. Die Beschäftigten
im Tourismus haben es satt, immer die Sündenböcke der WKÖ zu sein. Da
verwundert es nicht, dass die Branche ständig über Personalmangel
klagen muss“, stellt Hebenstreit klar.

Krankgeredet statt wertgeschätzt

„Die Branche kann nicht immer von der WKÖ krankgeredet werden,
wenn gerade die Löhne für die Branche verhandelt werden. In den
Monaten zuvor überschlugen sich die Erfolgsmeldungen seitens WKÖ und
Politik für den heimischen Tourismus geradezu“, so Hebenstreit
weiter. Die Beschäftigten seien mit ihren außerordentlichen
Leistungen unter erschwerten Arbeitsbedingungen das Fundament der
Erfolge des heimischen Tourismus und haben sich daher faire
Lohnerhöhungen verdient, betont der vida-Vorsitzende.

Forderung nach politischer Verantwortung

Die Gewerkschaft vida fordert die Arbeitgeber im Tourismus auf,
endlich ihre politische Verantwortung wahrzunehmen und noch im April
an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das aktuelle Angebot der
Arbeitgeber von durchschnittlich 3 Prozent Lohnerhöhung sei
angesichts der belastenden Bedingungen für die Arbeitnehmer:innen und
der Rekordergebnisse in der Branche inakzeptabel, betont Hebenstreit.

„Wir fordern eine Reallohnerhöhung über der Inflation und
Verbesserungen im KV-Rahmenrecht. Der Tourismus boomt trotz allem
Schlechtreden und der ‚Auftragsstudie‘ der WKÖ“, so Hebenstreit.
„Auch im letzten Tourismusausschuss des Nationalrats ließen die
Staatssekretär:innen Zehetner und Schellhorn durchblicken, dass trotz
der aktuellen Weltlage für die heimische Tourismusbranche mit einer
guten Sommersaison zu rechnen sei.“

Faire Löhne statt Sündenböcke

Trotz der zentralen Rolle als Wirtschaftsmotor bleibt die
Bezahlung in der Branche deutlich hinter anderen Bereichen zurück.
Während Beschäftigte im öffentlichen Dienst ab 1.777,92 Euro netto
verdienen und in der Reinigung ab 1.747,96 Euro netto, liegt der
Einstieg in Hotellerie und Gastronomie bei lediglich 1.640,86 Euro
netto für Hilfskräfte. Zum Vergleich: Die Armutsschwelle beträgt
aktuell 1.661 Euro.

Die Kombination aus hoher Arbeitsbelastung, langen Arbeitszeiten,
unsicheren Dienstplänen und niedrigen Löhnen führe zu wachsender
Unzufriedenheit und Abwanderung aus der Branche, bekräftigt
Hebenstreit die zentralen Forderungen der Gewerkschaft für die
Lohnverhandlungen: Reallohnerhöhung über der Inflation, 12 garantiert
freie Sonntage pro Jahr und bezahlte Mittagspausen.