Versorgungsnotstand beenden: Eltern, GÖD und Kija fordern Anhebung des SPF-Deckels und 4.000 zusätzliche Stellen

Wien (OTS) – Anlässlich des Tags der Inklusion schlagen die
Gewerkschaft
Pflichtschullehrer:innen (GÖD), die Elterninitiative für Kinder mit
besonderem Bedarf (EIKIB) und die Kinder- und Jugendanwaltschaften
Österreich (Kija) Alarm: Österreichs Schulen erleben einen
sonderpädagogischen Versorgungsnotstand.

Laut Einschätzungen fehlen ca. 4.000 Stellen, um den Bedarf an
Pflichtschulen zu decken. Der seit Jahrzehnten bestehende
Quotendeckel für sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) mit 2,7%
bildet die Realität an Schulen (über 5%) längst nicht mehr ab.
Steigende Bedarfe, zunehmende Heterogenität in Klassen und fehlende
pädagogische Ressourcen führen dazu, dass nötige Förderung oft
ausbleibt. Leidtragende sind Kinder mit besonderem Bedarf, ihre
Familien sowie das gesamte Schulpersonal.

„Die Überlastung an den Schulen hat ein nicht mehr tragbares
Ausmaß erreicht“, betont Paul Kimberger, Vorsitzender der GÖD-
Pflichtschullehrer:innen. Die Kluft zwischen Finanzierung und Bedarf
müsse endlich geschlossen und die Mittel für SPF mit all seinen
Facetten an die realen schulischen Notwendigkeiten angepasst werden.

Eltern beklagen Unterfinanzierung: „Kinder werden systemisch
benachteiligt, da den Schulen jährlich dreistellige Millionenbeträge
vorenthalten werden. Fehlende Förderung führt zu verlorenen
Entwicklungschancen und enormen Belastungen der Familien“, so
Vertreterinnen der EIKIB. Immer häufiger führe die Mangelversorgung
zu reduziertem Schulbesuch, Suspendierungen und Schulabstinenz.

Diese Entwicklungen stünden im Widerspruch zu
verfassungsrechtlich verankerten Rechten auf bestmögliche Entwicklung
und Teilhabe. „Junge Menschen mit Behinderungen haben ein Recht
darauf, dass ihre Ansprüche auf Schutz und Fürsorge ihren Bedarfen
entsprechend eingehalten werden,“ gibt Kinder- und Jugendanwalt
Sebastian Öhner zu bedenken.

Dringende Forderung an Politik:

– sofortige Notfinanzierung bzw. Bereitstellung zusätzlicher
Ressourcen für Herbst 2026

– rasche Anhebung bzw. Abschaffung des SPF-Quotendeckels, um den
realen Bedarf abzubilden

– nachhaltige Personaloffensive zur Schließung der ca. 4.000
fehlenden Stellen

Weitere Verzögerungen führen zu wachsender Bildungsunsicherheit
sowie vermeidbaren Schullaufbahnverlusten.

„Es braucht jetzt klare Entscheidungen statt weiterer
Ankündigungen. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal und
realistische Ressourcensteuerung ist kein qualitätsvoller Unterricht
in der Sonderpädagogik möglich. Ein bedarfsgerechtes Bildungssystem
ist keine Frage des Budgets, sondern der politischen Verantwortung“,
halten GÖD, EIKIB und Kija gemeinsam fest.