Wien (OTS) – „Die von den Wirtschaftsforschern vergangene Woche
festgestellte
leichte Konjunkturerholung der österreichischen Wirtschaft, die sogar
etwas über den Erwartungen liegt, freut uns natürlich, doch in
unserer Branche ist sie noch nicht angekommen“, sagt Alexander
Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Er fasst damit sowohl die
Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Verkehrswirtschaft für das 2.
Quartal als auch sonstige Branchendaten zusammen, die mit einzelnen
Ausnahmen noch wenig Optimismus versprühen.
So bewerten die 173 Betriebe aus dem Bereich Transport und
Verkehr, die im Konjunkturtest fürs 2. Quartal befragt wurden, die
Nachfrage der vergangenen Monate mehrheitlich negativ. Aber auch für
die kommenden drei Monate bleiben die Erwartungen zur Nachfrage
getrübt. Befragt nach Behinderungen in der Geschäftstätigkeit gibt
nur jeder Dritte an, keine Behinderungen zu haben. Als stärkste
Einschränkung der Geschäftstätigkeit nennen 3 von 10 Befragte
unzureichende Nachfrage, knapp dahinter folgt nach wie vor
Arbeitskräftemangel – und dies, obwohl die Beschäftigung in den
letzten Monaten gesunken ist und die Befragten einen weiteren
Rückgang der Jobs in der Branche erwarten.
Den Auftragsbestand bezeichnen 6 von 10 Betriebe als „zumindest
ausreichend“. „Das heißt, dass umgekehrt 40 Prozent alles andere als
zufrieden mit ihrer Auslastung sind“, so Klacska. Zusätzlich setzen
ihnen die hohen Preise zu und vor allem aufgrund der immer wieder
geschlossenen Straße von Hormus wird weiterhin ein deutlicher
Preisanstieg erwartet. „Das spiegelt den Energiepreisschock wider“,
sagt Klacska und fügt den Wunsch an das Sozialpartner-Gegenüber
hinzu, bei den nächsten Lohnverhandlungen zurückhaltend zu agieren.
Lieferketten geraten zunehmend unter Druck
Die Probleme durch die Sperre der Straße von Hormus wirken sich
generell massiv auf die Transportbranche aus, nicht nur in
Österreich. Dies zeigt auch der RWI/ISL Containerumschlag-Index, der
die Entwicklung des globalen Containerumschlags abbildet und laut den
aktuellsten Daten nach (April) einen Rückgang verbucht. „Der Index
ist auch ein wichtiger Indikator für die Weltwirtschaft und zeigt,
dass Lieferketten zunehmend unter Druck geraten und die
Transportkosten steigen“, so Klacska. Besonders deutlich ist der
Rückgang des Containerumschlags in den chinesischen Häfen. Auch beim
Nordrange-Index, der die Häfen Le Havre, Zeebrugge, Antwerpen,
Rotterdam, Bremen/Bremerhaven und Hamburg abbildet und damit Hinweise
auf die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum gibt, machen sich die
Belastungen durch den Iran-Krieg bemerkbar.
Auf der Straße bezeichnet es Klacska als besorgniserregend, dass
viel Laderaum derzeit ungenutzt bleibt. „In der Exportnation
Österreich sind es bei Transporten von Österreich in die EU 53 %, die
unausgelastet sind. Das heißt, diese Lkw stehen in der Ecke“, so
Klacska.
Etwas eingetrübt ist das Bild auch in der Luftfracht: Nach dem
Rekordjahr 2025, in dem der Flughafen Wien das beste Frachtergebnis
in der Airport-Geschichte erreicht hatte und das Cargo-Volumen um 5,3
% auf insgesamt 313.763 Tonnen gestiegen war, verzeichnete man von
Jänner bis Mai 2026 einen leichten Rückgang um 0,8 %. Im
Passagierbereich stieg die Anzahl der Fluggäste am Flughafen Wien-
Schwechat im Jahr 2025 um 2,6 % auf 32,56 Millionen, auch das
bedeutete eine neue Bestmarke. Hier setzte sich in den ersten drei
Monaten heuer der Wachstumskurs fort, seit April gibt es allerdings
auch im Passagierbereich Rückgänge. „Dazu beigetragen hat vor allem
der Rückgang des Low-Cost-Carrier-Angebots, aber auch der Iran-Krieg
und die damit verbundene Steigerung der Kerosinpreise“, sagt Barbara
Adametz-Schneller, Geschäftsführerin der Bundessparte Transport und
Verkehr in der WKÖ.
Auf der Schiene ist das Güteraufkommen 2025 zwar leicht gestiegen
– um 1,8 % auf 96,2 Millionen Tonnen Güter. Dennoch liegt das
Transportaufkommen auf der Schiene weiterhin deutlich unter den
Mengen der Jahre 2021 und 2022.
Einen historischen Tiefstand hat der Transport von Gütern auf der
Donau erreicht: Im Vorjahr wurden 5,8 Millionen Tonnen Güter auf der
Donau befördert. Das bedeutet einen Rückgang um 11,6 % im Vergleich
zu 2024. „Wenn wir mehr Transport am Wasserweg wollen, brauchen wir
konkrete Ziele sowie Maßnahmen, um diese auch zu erreichen“, so
Adametz-Schneller.
Zusätzliche Belastungen für Verkehrsbranchen nicht tragbar
„Die Zahlen zeigen, dass die Situation quer über alle
Verkehrsbranchen angespannt ist. Zusätzliche Belastungen wären für
viele Betriebe daher kaum noch zu stemmen“, resümiert
Bundesspartenobmann Klacska. Aus diesem Grund gilt es der
Bundessparte zufolge, bei der Energiewende im Verkehr „auf Anreize
statt auf Kostensteigerungen und Zwänge“ zu setzen.
Klacska spricht damit die nationale Umsetzung der Richtlinie über
erneuerbare Energien (RED III) an, die in der geplanten Form zu
enormen Mehrbelastungen der Branche führen würde. „Es ist zu
befürchten, dass es hier zu massivem Gold-Plating, um nicht zu sagen
Platin-Plating, kommt. Der Gesetzesentwurf enthält überzogene
Zielsetzungen, die zu drastischen Kostensteigerungen bei Treibstoff
führen werden. Außerdem vermissen wir einen technologieoffenen
Ansatz“, kritisiert Klacska. Der bisherige Entwurf müsse daher
dringend überarbeitet werden. „Energiepreise sind Inflationstreiber.
Wenn wir weiterhin wettbewerbsfähig bleiben wollen, darf es hier kein
Gold-Plating geben“, so Klacska.
Generell gelte es, Inflation zu vermeiden. Klacska übt daher
Kritik an Valorisierungen, die der Staat vornimmt und sich dadurch
Zusatzeinnahmen verschafft wie beispielsweise bei den
Führerscheingebühren. Zudem dürfe es auch für die Luftfahrt- und
Schifffahrtsbetriebe keine neuen Belastungen geben, sondern im
Gegenteil Investitionen in die Donau sowie eine Senkung der
Flugabgabe: „Wenn es schon zu keiner Abschaffung kommt, dann brauchen
wir zumindest eine Senkung von 12 auf 8 Euro pro Passagier. Dies ist
für eine nachhaltig positive Entwicklung des Luftfahrtstandorts
Österreich notwendig“, sagt der Bundesspartenobmann. (PWK323/DFS)