Verfassungsschutz zerschlägt internationales Beschaffungsnetzwerk für russische Rüstungsindustrie

Wien (OTS) – Der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN)
ist es
gelungen, ein international agierendes Netzwerk zur Umgehung der
gegen Russland verhängten EU-Sanktionen aufzudecken. Im Zentrum der
Ermittlungen stand ein in Wien ansässiges Unternehmen, über das
hochspezialisierte Industriegüter für die russische Rüstungsindustrie
beschafft werden sollten.

Staatssekretär Jörg Leichtfried: „Die systematische Umgehung von
Sanktionen durch den Einsatz von Scheinfirmen und gefälschten
Dokumenten ist eine ernsthafte Bedrohung für unseren demokratischen
Rechtsstaat. Dass hochpräzise europäische Technologie über Umwege in
die Produktion von Marschflugkörpern und Flugabwehrsystemen fließt,
ist inakzeptabel. Wir werden auch weiterhin mit aller Konsequenz und
unter internationaler Kooperation gegen jene Akteure vorgehen, die
versuchen, die gesetzlichen Verbote zur Unterstützung des russischen
Rüstungsapparats zu umgehen. Ich danke allen beteiligten
Ermittlerinnen und Ermittlern der DSN und gratuliere zu diesem großen
Erfolg.“

Internationales Firmennetzwerk zur Umgehung von Sanktionen

Die Ermittlungen ergaben, dass das Unternehmen gezielt gegründet
wurde, um sanktionierte Industriegüter – insbesondere CNC-Maschinen
sowie Spezialwerkzeuge für die Metallverarbeitung – nach Russland zu
liefern. Zur Verschleierung der tatsächlichen Lieferwege nutzten die
Beschuldigten ein internationales Netzwerk aus Firmen in der Türkei,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hongkong, Belarus, Kirgisistan,
Südkorea, Polen und Litauen.

Durch gefälschte End-User-Certificates (Erklärungen zum
Endverbleib) wurde europäischen Herstellern vorgetäuscht, dass die
Waren in Drittstaaten verbleiben würden. Tatsächlich waren sie für
Unternehmen bestimmt, die dem russischen Staatskonzern ROSTEC
zuzuordnen sind. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand wurden die
Güter unter anderem für die Herstellung von Triebwerken für
Marschflugkörper und Kampfflugzeuge sowie weiterer militärischer
Ausrüstung verwendet.

Lieferungen im Millionenwert

Am 20. August 2025 wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft
Wien unter Unterstützung der WEGA und des Landesamts für Staatsschutz
und Extremismusbekämpfung Wien gleichzeitig vier Objekte durchsucht.
Dabei wurden rund 40 Datenträger sichergestellt.

Die Auswertung ergab, dass bereits seit 2019 Industriegüter für
russische Militärnutzer beschafft wurden. Nach der Verschärfung der
Sanktionen wurden die Lieferketten über Drittstaaten – insbesondere
Hongkong und die Türkei – abgewickelt. Seit 2022 konnten Lieferungen
im Gesamtwert von mehr als 3,3 Millionen Euro an russische
Rüstungsunternehmen nachgewiesen werden. Der in Österreich erzielte
Umsatz betrug über 700.000 Euro.

Festnahme und Sicherstellungen

Da sich im Zuge der Ermittlungen Hinweise ergaben, dass die
Beschuldigten ihre Aktivitäten fortsetzen wollten, ordnete die
Staatsanwaltschaft Wien die Festnahme des Hauptverdächtigen an.

Am 13. Mai 2026 wurde der 28-jährige Geschäftsführer und
Miteigentümer des Unternehmens, ein belarussischer Staatsbürger,
festgenommen. Gleichzeitig wurden sanktionierte CNC-Maschinen und
Spezialwerkzeuge im Wert von rund 140.000 Euro sichergestellt. Der
Beschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft.

Komplexe Verschleierung internationaler Lieferketten

Der Fall zeigt, mit welchem organisatorischen Aufwand
internationale Beschaffungsnetzwerke versuchen, bestehende
Exportbeschränkungen und Sanktionen zu umgehen. Durch den Einsatz von
Scheinfirmen, Drittstaaten und gefälschten Dokumenten sollten
kontrollierte Industriegüter an russische Rüstungsunternehmen
gelangen.

„Dieser Fall zeigt, mit welchem Aufwand internationale Netzwerke
versuchen, bestehende Sanktionen zu umgehen. Der österreichische
Verfassungsschutz arbeitet gemeinsam mit nationalen und
internationalen Partnern daran, solche Strukturen frühzeitig zu
erkennen und konsequent zu zerschlagen. Damit leisten wir einen
wichtigen Beitrag zur Durchsetzung der europäischen
Sanktionsregelungen“, sagt DSN-Direktorin Sylvia Mayer.