Vegan-Umfrage entkräftet Klischees über Religion, Esoterik und Politik (FOTO)

Hannover (OTS) – Große vegan.eu-Befragung mit 2161 vegan lebenden
Personen zeigt eine
überwiegend religionskritische Grundhaltung und nur geringe
Zusammenhänge zwischen Religion, Spiritualität, Esoterik und
politischen Einstellungen.

Eine neue Auswertung der großen vegan.eu-Umfrage 2025 hat
untersucht, wie vegan lebende Personen im deutschsprachigen Raum zu
Religion, Spiritualität, Esoterik, Anthroposophie, Atheismus und
Agnostizismus stehen und wie diese Einstellungen mit politischen
Haltungen zusammenhängen.

An der Befragung beteiligten sich 2.161 nach eigenen Angaben
vegan lebende Personen im Alter von 18 bis 84 Jahren, die
mehrheitlich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammten.
Die Teilnehmenden wurden über verschiedene Wege rekrutiert, darunter
Facebook, Reddit, vegane Newsletter, Gleichklang/Vegan.eu sowie
weitere Kanäle. In den statistischen Analysen wurden Alter,
Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg
kontrolliert.

Mehrheitlich religionskritische Grundhaltung

Eines der Hauptergebnisse:

– Die befragten vegan lebenden Personen standen Religion im
Allgemeinen mehrheitlich kritisch gegenüber. 56,6 % lehnten Religion
ab oder stark ab, weitere 30,6 % waren neutral eingestellt. Nur 12,8
% bezeichneten sich als religiös oder stark religiös. Eine starke
religiöse Orientierung gaben lediglich 2,3 % an.

Gegenüber nicht religionsgebundener Spiritualität zeigte sich
eine offenere, aber ebenfalls nicht überwiegend zustimmende Haltung:

– 41,3 % waren neutral, 31,8 % lehnten Spiritualität ab oder stark
ab, und 26,9 % stimmten Spiritualität zu oder stark zu. Eine starke
spirituelle Orientierung gaben 5,2 % an.

Auch bei konkreten religiösen oder spirituellen Positionen zeigte
sich keine breite religiöse oder esoterische Prägung:

– Eine starke Zustimmung im Sinne eines dezidierten Bekenntnisses
wurde am häufigsten für den Buddhismus angegeben, aber auch hier nur
von 8,7 % der Befragten. Es folgten Christentum mit 4,7 %, Jainismus
mit 2,8 %, esoterische Spiritualität mit 2,6 %, Anthroposophie mit
2,2 %, Hinduismus mit 2,0 %, Judentum mit 0,6 % und Islam mit 0,3 %.
Deutlich häufiger waren starke Zustimmungen zu Atheismus mit 26,0 %
und Agnostizismus mit 12,4 %.

“ Die Daten sprechen gegen die Annahme, vegan lebende Personen
hätten eine besondere Nähe zu Religion, Spiritualität oder Esoterik
„, erklärt Dr. Guido F. Gebauer, Psychologe und Autor der Auswertung.
“ Wenn es überhaupt eine auffällige weltanschauliche Tendenz gibt,
dann ist es eher eine religionskritische, atheistische oder
agnostische Grundhaltung. “

Nur geringe Zusammenhänge mit politischen Einstellungen

Ein weiterer Fokus der Auswertung lag auf den Zusammenhängen der
Einstellungen zu Religion und Spiritualität mit politischen
Einstellungen.

Die Auswertung zeigte zwar statistisch signifikante Zusammenhänge
zwischen religions- und spiritualitätsbezogenen Einstellungen und
politischen Einstellungen, diese fielen aber durchweg gering aus:

– Die religions- und spiritualitätsbezogenen Maße erklärten
statistisch lediglich 6,2 % der Unterschiede im gesamten politischen
Variablenset. Umgekehrt waren also 93,8 % der Unterschiede in den
politischen Einstellungen vollständig unabhängig von Religion und
Spiritualität.

Der stärkste Zusammenhang erklärte nur 4,9 % der politischen
Unterschiede und zeigte eine allgemeine religiös-spirituelle
konservative Haupttendenz:

– Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie
waren geringfügig mit stärkerem Autoritarismus sowie geringerer
Zustimmung zu Trump-Kritik, Schutz Geflüchteter, Widerstand gegen
Rechts, antikolonialen Entschädigungen, Klimaschutz, Überwindung des
Patriarchats sowie Gleichberechtigung von transgender und
nichtbinären Personen und von homosexuellen und bisexuellen Personen
verbunden. Atheismus, Religionskritik und Spiritualitätskritik
standen demgegenüber geringfügig mit stärkerer Trump-Kritik,
stärkerem Schutz Geflüchteter, stärkerem Widerstand gegen Rechts,
stärkerer Zustimmung zu antikolonialen Entschädigungen, Klimaschutz,
Überwindung des Patriarchats und Gleichberechtigung sexueller und
geschlechtlicher Minderheiten sowie mit geringerem Autoritarismus in
Zusammenhang.

Keine Sonderrolle der Esoterik

Eine oftmals vermutete Sonderrolle der Esoterik zeigte sich
nicht:

– Esoterische Spiritualität war nicht isoliert mit konservativeren
oder autoritäreren Einstellungen verbunden, sondern Teil eines
breiteren, schwachen religiös-spirituellen Zusammenhangsmusters, das
auch traditionelle Religionen wie Christentum, Buddhismus und
Hinduismus einschloss. Die Befunde sprechen damit gegen eine
selektive Heraushebung esoterischer Einstellungen als besonderer
Prädiktor für rechtsgerichtetes Denken.

Kleinere Gegenmuster und differenziertere Befunde

Neben diesem Hauptbefund zeigte die Auswertung aber noch
kleinere, differenziertere Zusammenhänge zwischen Religion und
politischen Einstellungen:

– So waren Islam, Jainismus, Esoterik und Anthroposophie in einem
zweiten Muster mit stärkerer Zustimmung zu Entmilitarisierung,
antikolonialer Wiedergutmachung und Schutz Geflüchteter verbunden.
Dieses Muster erklärte statistisch allerdings lediglich 0,6 % der
politischen Unterschiede.

– In einem noch schwächeren christlich-konservativen Zusatzmuster
stand das Christentum spezifisch mit geringerer Zustimmung zur
Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, zu
Tierrechten und zur Entmilitarisierung in Zusammenhang. Atheismus,
Religionskritik, Buddhismus, Hinduismus, Esoterik und Anthroposophie
wiesen in diesem nachgeordneten Muster in die gegenteilige Richtung.
Dieses Muster erklärte aber nur noch 0,3 % der politischen
Unterschiede und ist daher nur mit großer Zurückhaltung zu
interpretieren.

– In einem finalen vierten und wiederum noch schwächeren Muster
standen Christentum, Islam, Buddhismus, Judentum und Hinduismus
demgegenüber mit mehr Zustimmung zu Gleichberechtigung, Klimaschutz
und Schutz Geflüchteter in Zusammenhang. Dieses Muster erklärte
weitere 0,2 % der politischen Unterschiede.

Während religiöse und spirituelle Einstellungen eine gewisse
konservative Haupttendenz zeigten, können sie in Einzelfällen nach
den Befunden auch mit progressiven und linksgerichteten politischen
Positionen verbunden sein.

Komplexe Befunde statt Stereotype

Gebauer betont, dass die Befunde ein komplexes Bild zeigen:

“ Einerseits sind alle Zusammenhänge zwischen religions- und
spiritualitätsbezogenen Einstellungen und politischen Einstellungen
bei vegan lebenden Personen nur schwach ausgeprägt und eignen sich
nicht für Stereotypisierungen. Gleichzeitig zeigen sich
widersprüchliche Effekte. Die konservative Haupttendenz von Religion
und Spiritualität deckt das gesamte Spektrum der Befunde nicht
vollständig ab, da aus den Daten ebenso Hinweise erkennbar sind, dass
die Zusammenhänge in Einzelfällen auch genau in die umgekehrte
Richtung gehen können, nämlich im Sinne von mehr Gleichberechtigung,
Klimaschutz und Schutz Geflüchteter. Möglicherweise spielen hierbei
religiöse Werte wie Nächstenliebe, Mitgefühl, Vergebung, Toleranz und
Barmherzigkeit eine Rolle, die ebenfalls mit Religiosität verbunden
sein können. “

Abgesehen von den in der aktuellen Auswertung im Vordergrund
stehenden Einstellungen zu Religion und Spiritualität sowie deren
Zusammenhängen mit politischen Einstellungen ergab die Umfrage
ebenfalls, wie in einer vorherigen Auswertung dargestellt, dass sich
die bei weitem überwiegende Mehrheit der vegan lebenden Befragten im
linken Spektrum lokalisiert und zudem eine besonders geringe
Affinität zu autoritärem Denken zeigt.

Gebauer schließt aus den Befunden vorwiegend auf eine hohe
Ähnlichkeit vegan lebender Personen in ihren politischen
Einstellungen:

„Ve gan lebende Personen unterscheiden sich zwar in ihren
religiösen und spirituellen Haltungen, sind sich aber weitgehend
unabhängig von ihren religionsbezogenen und spirituellen
Einstellungen in ihren überwiegend linksgerichteten politischen
Einstellungen in hohem Maße ähnlich. “

Gebauer: “ Die Befunde widersprechen damit teilweise geäußerten,
eher pauschalen Behauptungen, Veganismus sei besonders durch Esoterik
oder Spiritualität geprägt, wodurch nach weiteren Annahmen eine Nähe
zu rechtsgerichtetem Denken entstehen könne. Vielmehr zeigen die
Daten, dass es weder eine besondere Affinität zu Religion,
Spiritualität oder Esoterik unter vegan lebenden Personen im
deutschsprachigen Raum gibt noch dass solche Einstellungen
tatsächlich in relevantem Ausmaß mit stärker rechtsgerichtetem Denken
assoziiert sind. “

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen nach Gebauer eine heterogene
weltanschauliche Zusammensetzung der veganen Community mit deutlich
religionskritischer Tendenz und zugleich einer starken politischen
Nähe zu linksgerichteten und antiautoritären Positionen.

Abschließende Hinweise zur Studie

Die Umfrage wurde im Auftrag der alternativen Dating-Plattform
Gleichklang durch das Informationsportal vegan.eu und Dr. Guido F.
Gebauer durchgeführt. Gleichklang unterstützt insbesondere die
Partnersuche und Freundschaftssuche ökologisch orientierter Personen
und finanziert das Informationsportal vegan.eu.

Weitere Detailergebnisse, methodische Einordnungen und eine
umfassende theoretische Diskussion der Befunde werden im
vollständigen Artikel auf vegan.eu dargestellt.

Eine formal repräsentative Zufallsstichprobe liegt nicht vor.
Aufgrund des geringen Anteils vegan lebender Personen an der
Gesamtbevölkerung und des Umfangs des Fragebogens wäre eine solche
Stichprobenziehung praktisch kaum realisierbar.

Für die Aussagekraft der Untersuchung ist jedoch entscheidend,
dass sämtliche zentrale Befunde bei Kontrolle von Alter, Geschlecht,
Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungsweg robust blieben. Die
Ergebnisse lassen sich daher nicht plausibel auf Unterschiede in
Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnsitzland oder einzelnen
Rekrutierungskanälen zurückführen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at