Unterm Strich ein großes Minus bei Inklusion: Die Summe einzelner Einsparungen trifft blinde, oft mehrfachbehinderte Menschen, schwer

Wien (OTS) – Für die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen
Österreichs
ist der diesjährige Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen
ein Tag der Mahnung. Die Organisation warnt davor, dass sich in
Österreich aufgrund des Spardrucks ein gefährlicher
Ungleichheitsmechanismus verfestigt: Viele kleine Einsparungen –
verteilt über Bund und Länder – treffen Menschen mit Behinderungen
nicht einzeln, sondern gebündelt.

Ein Beispiel für geringe Einsparungen im Land mit großen Folgen
für Einzelne sehen wir in der Steiermark. Die Steiermärkische
Landesregierung stellt sehbehinderten Schülerinnen und Schülern keine
Tafel-Lesesysteme mehr zur Verfügung und erklärt, für individuelle
Hilfsmittel keine Zuständigkeit zu haben. Dabei verweist sie auf
komplexe Bundes- und Landesregelungen. Unterstützung gibt es nur für
privat nutzbare Geräte. Die Landesregierung schlägt daher die
Einrichtung eines Hilfsmittelpools speziell für schulische Zwecke vor
und relativiert diesen gleich wieder aufgrund der unklaren
Finanzierungs-Zuständigkeit eines solchen. Für schulische Hilfsmittel
fehlt eine Lösung – trotz klarer Vorgaben der UN-
Behindertenrechtskonvention.

Dabei sind Hilfsmittel die Voraussetzung dafür, dass blinde, oft
mehrfachbehinderte Menschen, alltägliche Aufgaben selbstständig
erfüllen können – vom Lesen und Schreiben bis zur Mobilität. Sie
sichern Selbstbestimmung, berufliche Chancen und Lebensqualität.
Werden sie gestrichen oder verknappt, werden Menschen mit
Behinderungen in die Abhängigkeit gedrängt.

Gleichzeitig laufen im Bund Programme zur beruflichen Teilhabe
aus, während mehrere Länder Tarife für Behindertenhilfe deckeln, die
Sozialhilfe drosseln oder soziale Organisationen kürzen müssen. Die
Krankenkassen reduzieren manche Kassenleistungen, Gebühren werden
erhöht. Jede einzelne Entscheidung wirkt klein, doch zusammen
entsteht eine Last, die Menschen mit Behinderungen überproportional
trifft.

„Ich sehe es als unseren Auftrag, blinden und sehbehinderten
Menschen zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen“, sagt
Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Elmar Fürst. „Doch wenn an vielen
Stellen Leistungen reduziert werden, entstehen neue Barrieren
schneller, als wir sie beseitigen können.“

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen appelliert
die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs daher,
die notwendigen Sparmaßnahmen in ihrer Summe zu sehen, denn zu groß
ist die Gefahr der Ausgrenzung.