Wien (OTS) – Über den Süden Floridas erstreckt sich eine schier
endlose
Wasserwildnis: die Everglades. Es ist eines der größten Feuchtgebiete
der Erde, geformt von einem 60 Kilometer breiten Flusssystem, das
unmerklich und doch ständig in Bewegung ist. Dieses tropische
Marschland bietet rund 350 Vogel- sowie 300 Fischarten, 40 Säugetier-
und etwa 50 Reptilienarten Lebensraum. Die dichten Mangrovenwälder
der Florida Bay sind auch die Heimat der Alligatoren. Doch das
ökologische Gleichgewicht ist bedroht – denn illegal ausgewilderte
Tigerpythons vermehren sich rasend und minimieren die Tierwelt des
Nationalparks, wie die „Universum“-Dokumentation „Everglades –
Geheimnisvolle Wasserwildnis“ von Zoltán Török (ORF-Bearbeitung:
Doris Hochmayr) anlässlich der Fußball-WM in Amerika am Dienstag, dem
23. Juni 2026, um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON zeigt. Der Film
entstand als Koproduktion von ORF, NDR, ARTE, ARD und National
Geographic Channel.
„Everglades – Geheimnisvolle Wasserwildnis“ zeichnet u. a. das
Schicksal eines Alligator-Weibchens nach. Es hat sich seinen Platz in
einem sogenannten „Alligatorloch“ eingerichtet, einer der unzähligen
kleinen Wasserstellen inmitten eines Zypressenhains. Seit
Generationen werden diese Oasen von Alligatoren bewohnt und bieten
gerade in der Trockenzeit ein Überangebot an Nahrung, wenn der
Wasserspiegel sinkt und die Fische nicht mehr abtauchen können. Ist
der Höhepunkt der Dürre erreicht, sind auch die Alligatoren
gezwungen, die austrocknende Senke zu verlassen, um nach Wasser zu
suchen. In den wenigen noch verbliebenen Tümpeln sammeln sich dann
Hunderte Exemplare der imposanten Echsen.
Auch der Waldstorch nutzt in der Trockenzeit die Umgebung der
Tümpel für die Aufzucht seiner Küken. Hier gibt es genügend Angebot
an Fischen, die sich nun alle auf engstem Raum in den Tümpeln
versammelt haben. Wenn die Regenzeit zu früh einsetzt, kann das
vernichtende Auswirkungen auf die Storchkolonien haben: Die Fische
verteilen sich wieder in den Weiten des Flusssystems, sodass die
Vögel nicht mehr ausreichend Nahrung finden, um ihren Nachwuchs zu
füttern. Ein großer Teil des Nationalparks erstreckt sich über die
Florida Bay. Dieses marine Ökosystem bietet Lebensraum für Manatis,
eine seltene Seekuhart, für Delfine und Haie. In den dichten
Mangroven der Florida Keys lebt auch eine endemische Unterart der
Weißwedelhirsche. Es sind die kleinsten Hirsche Nordamerikas, gerade
einmal so groß wie ein Schäferhund.
Der einst dichte Säugetierbestand im Herzen der Everglades wird
allerdings bedroht – von einer eingeschleppten Reptilienart:
Tigerpythons. Oft werden sie von Terrarium-Besitzern illegal
ausgesetzt und verbreiten sich ohne natürliche Feinde fast
unaufhaltsam. Schätzungsweise 100.000 lautlose Jäger leben in den
Everglades und haben große Schäden am Säugetierbestand angerichtet.
Nun läuft die einzigartige Vogelwelt des Nationalparks Gefahr,
dasselbe Schicksal zu erleiden. Neuesten Forschungen zufolge sind
diese Schlangen sogar in der Lage, in Salzwasser zu überleben. Daher
ist zu befürchten, dass sie auch die Inseln der Florida Keys
erreichen könnten – das letzte Rückzugsgebiet der seltenen Key-
Weißwedelhirsche. Nur der Alligator ist für den Python ein Gegner auf
Augenhöhe. Die Reptilien liefern sich spektakuläre Zweikämpfe um die
„Macht am Grünen Fluss“.
Der Film zeigt die Everglades in ihrer ganzen Vielfalt. Als
Nationalpark zählen sie zum UNESCO-Weltnaturerbe und stehen somit
unter besonders strengem Schutz. Doch die große Artenvielfalt dieses
Naturwunders ist trotzdem bedroht. Es ist just ein Tier, der
Alligator, der etwas zum Schutz dieser Artenvielfalt in den
Everglades beiträgt – indem er den Tigerpythons entgegentritt.