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Universitäten legen Reformpläne vor: „Reformen notwendig, aber kein Ersatz für eine ausreichende Uni-Finanzierung“

Wien (OTS) – Im Herbst 2026 steht die Entscheidung über die
Finanzierung der
Universitäten an, bis 31. Oktober ist Zeit, den finanziellen Rahmen
für die Leistungsvereinbarungen 2028 – 2030 festzulegen. „Die
finanzielle Ausstattung der Universitäten ist von fundamentaler
Bedeutung. Es geht um die Schubkraft, mit der Österreich in die
Zukunft startet“, sagt uniko-Präsidentin Brigitte Hütter. „Ein falsch
platzierter Sparkurs würde die Ausbildungschancen der jungen
Generation aufs Spiel setzen, den Wirtschafts- und
Innovationsstandort beschädigen und die wissenschaftliche
Problemlösungskapazität bei drängenden Fragen wie dem Klimawandel und
dem Einsatz künstlicher Intelligenz unterlaufen.“

Zwtl.: Signale der Entspannung, aber weiterer Protest nicht vom Tisch

Nach den drastischen Kürzungsankündigungen im Frühjahr und der
beeindruckenden Unterstützung aus der Zivilbevölkerung für den
Protest der Universitäten hat es seitens der Politik zuletzt
Entspannungssignale gegeben. Hütter appelliert an die
Entscheidungsträger:innen, zu bedenken, dass der Einsatz von
Steuergeld für die Universitäten keine verpuffende Konsumausgabe ist,
sondern eine Investition in die existenzielle Basis Österreichs – was
letztlich auch dem Staatshaushalt zugutekommt. Hütter: „Wir haben
Grund zur Hoffnung, dass es zu einer verantwortungsvollen Uni-
Finanzierung kommen kann. Aber eines ist auch klar: Sollte es bei der
fehlgeleiteten Sparpolitik bleiben, sind weitere Proteste
programmiert. Denn wir sehen es auch als unsere Verantwortung, die
Bevölkerung über die zu erwartenden Folgen aufzuklären.“

Jedenfalls notwendig ist es, bei Sparmaßnahmen auf allen Ebenen
sinnvolle Zeitachsen mitzudenken. So wären beispielsweise bei der
Auflassung von Studien entsprechende Übergangsfristen im Sinne des
Vertrauensschutzes der Studierenden festzulegen. Ebenso bestehen (im
Gegensatz zum Beamtendienstrecht) keine Möglichkeiten zur Versetzung
von dem Kollektivvertrag unterliegendem Personal zwischen Hochschulen
bzw. Standorten, womit Konsolidierungen, Zusammenführungen und
Differenzierungen im Lehr- und Forschungsbereich zusätzliche Grenzen
gesetzt sind.

Zwtl.: Kleinteiligkeit des Sektors liegt nicht an den öffentlichen
Universitäten

Die Universitäten haben die politische Sommerpause genutzt, um
ihre Vorschläge für strukturelle Reformen im Hochschulsystem im
Detail auszuformulieren und zu erweitern. JKU-Rektor Stefan Koch hat
die uniko-Reformredaktion geleitet. „Wir haben auf die Fülle unserer
eigenen existierenden Reformpapiere zurückgegriffen und diese
thematisch durch weitere Impulse und Anregungen von FORWIT sowie
Hochschulexpert:innen aus WIFO und IHS ergänzt“, sagt Koch.

Die Reformvorschläge beziehen sich sowohl auf das
Wissenschaftssystem insgesamt als auch auf die Strukturebene der
Universitäten, womit die Universitäten ihre Bereitschaft
dokumentieren, sich intern, aber auch in ihrer Rolle als führende
Institutionen im Hochschulsektor weiterzuentwickeln. In diesem
Zusammenhang erinnert Koch daran, dass die 22 öffentlichen
Universitäten 80 Prozent der Studierenden betreuen und 75 Prozent der
wissenschaftlichen Publikationen verantworten. Die restlichen 20 bzw.
25 Prozent Output entfallen auf die 55 weiteren
Hochschuleinrichtungen. „Die viel kritisierte Kleinteiligkeit des
Sektors ist also jedenfalls nicht bei den öffentlichen Universitäten
zu verorten“, betont Koch.

Zwtl.: Zentrale Punkte und Leitlinien der uniko-Reformvorschläge

Ein wesentliches Element ist die Entwicklung neuer
Kooperationsformate für Lehre, Forschung, Third Mission und
Verwaltung in einem differenzierten Hochschulsystem sowohl zwischen
als auch innerhalb der jeweiligen Sektoren, gekoppelt mit
entsprechenden Rahmenbedingungen und Anreizsystemen.

Ebenso Handlungsbedarf sieht die uniko bei der Gestaltung des
Studiensystems , von einem verbindlicheren Studienrecht mit einem
klar geregelten Teilzeitstudium unter Berücksichtigung der
Anforderungen unterschiedlicher Studienarten, teilweise
rückzahlbaren, leistungsbezogenen Stipendien, möglichen
institutionenübergreifenden Einstiegs- und sektorenübergreifenden
Orientierungsphasen bis hin zu einem Kapazitätsmanagement über
entsprechend abgestimmte und gemeinsame Aufnahme- und
Zulassungsverfahren im Rahmen der Autonomie der einzelnen
Institutionen.

Die Weiterentwicklung und Attraktivierung von universitären
Karrieren und Karrieremöglichkeiten haben für die uniko ebenfalls
einen zentralen Stellenwert. „Zeitgemäße, attraktive Stellenprofile
mit klaren Kriterien, Evaluierungen und Zeithorizonten sind die
Voraussetzung für Exzellenz in Forschung, Lehre, Dritter Mission und
Administration“, sagt Koch. Es benötigt die Diversifizierung von
Leistungsprofilen bis zur Ebene der Professur (Berücksichtigung u. a.
von Lehre, Forschung, Innovationskooperationen und Third-Mission-
Tätigkeiten) und die Entwicklung klarer Perspektiven und
Karrierepfade je nach Tätigkeitsprofil auf Basis kompetitiver Tracks
mit Evaluierungs- und Kündigungsmöglichkeiten. Gleichzeitig müssen
die Universitäten ihrer Verantwortung gegenüber zukünftigen
Forscher:innengenerationen gerecht werden. Die kompetenzorientierte
Definition und Weiterentwicklung hybrider Stellen an der
Schnittstelle von wissenschaftlichen und administrativen Tätigkeiten
mit eigenständigen Karrierepfaden führt bis zu einer Aufhebung der
Unterscheidung zwischen den Kategorien
„wissenschaftliches/künstlerisches“ und „allgemeines
Universitätspersonal“.

Eine zentrale Vorreiterrolle kommt den Universitäten als
Innovationslaboren zu. Sie können Transformationsprozesse wie die
sinnvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz – im Rahmen einer
Sandbox – vorantreiben, um sie in weiterer Folge mit hoher
Geschwindigkeit breit in der Gesellschaft zu etablieren.

Die uniko-Reformpläne sind der Öffentlichkeit auf uniko.ac.at
vollinhaltlich zugänglich.

uniko in Kontakt mit Wissenschaftsministerin Holzleitner

Die uniko hat ihre Reformvorschläge bereits
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner übermittelt. In der
Folge ist ein Treffen von uniko-Präsidentin Brigitte Hütter bei der
Ministerin geplant, um über Umsetzungsmöglichkeiten zu sprechen.
Hütter: „Wir sind nicht nur gesprächsbereit, wir fordern sinnvolle
Weiterentwicklungen nachdrücklich ein. Aber eines ist auch klar:
Reformen können eine ausreichende Finanzierung der Universitäten
nicht ersetzen.“