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Umfrage der AK Niederösterreich: 90 Prozent der Allein- und Getrennterziehenden fühlen sich massiv belastet

St. Pölten (OTS) – Eine neue, umfassende Umfrage der AK
Niederösterreich mit dem Titel
„Wie allein fühlen sich Alleinerziehende?“, zeigt alarmierende
Befunde für Ein-Eltern-Familien: 90 Prozent der befragten Allein- und
Getrennterziehenden fühlen sich häufig bis sehr häufig belastet.
Neben häufigen Zeitdruck sind es vor allem die Überforderung, alle
alltäglichen Aufgaben alleine zu stemmen, sowie die alleinige
Erziehungsverantwortung, die belasten. Zu dieser emotionalen Last
kommen finanzielle Ängste: Fast 82 Prozent leiden häufig bis sehr
häufig unter finanziellen Sorgen.

Diese Zahlen sind umso relevanter, da Allein- und
Getrennterziehende eine sehr hohe Erwerbsbeteiligung aufweisen. Mehr
als 8 von 10 der Befragten sind unselbstständig beschäftigt, die
Mehrheit davon in hoher Teilzeit (wenn die Wochenstunden sehr nahe an
einer klassischen Vollzeitstelle liegen, Anm.) oder Vollzeit.
Vorgestellt wurden die Ergebnisse im Rahmen des heutigen Frauen-
Forums unter dem Titel „Allein- und Getrennterziehen als neue
Normalität“.

Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass niederösterreichische
Allein- und Getrennterziehende besonders unzufrieden mit den
Kinderbetreuungskosten sind. Laut AK-Erhebung (2025) kostet eine
vollzeittaugliche Nachmittagsbetreuung im Kindergarten inklusive
Mittagessen in Niederösterreich im Schnitt 217 Euro pro Monat. Das
bedeutet, dass ein Großteil des Einkommenszugewinns durch Aufstockung
gleich von den Kinderbetreuungskosten geschluckt wird. „Wer wirklich
will, dass Frauen einem Stundenausmaß nachgehen, das ein armutsfestes
Einkommen sichert, muss eine kostenlose, vollzeittaugliche
Kinderbildung und -betreuung garantieren“, fordert Birgit Schön,
Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich.

Alleinerziehende erleben vielfach Benachteiligungen

Die Umfrage deckt zudem strukturelle Problematiken auf: Viele
Befragte berichten von Diskriminierung aufgrund ihres Familienstatus,
etwa bereits beim Bewerbungsgespräch, beim beruflichen Aufstieg oder
durch abfällige Kommentare von Kolleg:innen und Vorgesetzten.
„Alleinerziehende wurden lange Zeit gesellschaftlich ausgegrenzt und
als Abweichung vom Ideal der Kernfamilie abgestempelt. Damit muss
Schluss sein. Allein- und Getrennterziehen ist die neue Normalität im
Berufs- und Familienalltag. Wir fordern die volle gesellschaftliche
Gleichwertigkeit aller Familienformen ohne jegliche Benachteiligungen
im Job“, hielt AK Niederösterreich-Vizepräsidentin Angela Fischer in
ihren Eröffnungsworten fest. Hier tätig zu werden, sieht
Betriebsratsvorsitzende Doris Wietter-Benmoussa der Service Mensch
GmbH der Volkshilfe Niederösterreich als klaren Auftrag an die
Betriebsrät:innen, die die Ergebnisse im Rahmen einer anschließenden
Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen von Allein- und
Getrennterziehenden-Vereinen diskutierte.

Die Daten der Umfrage zeigen zudem, dass jene rund fünf Prozent
der Befragten, die sich die Erziehungs- und Sorgearbeit zu gleichen
Teilen mit dem zweiten Elternteil aufteilen (Getrennterziehende“),
deutlich seltener Benachteiligungen erleben und zufriedener mit der
Elternkooperation sind. Die faire Teilung der Karenz macht ein
späteres gemeinsames Getrennterziehen auf Augenhöhe messbar
wahrscheinlicher.

Maßnahmenpaket gefordert

Um Ein-Eltern-Familien nachhaltig aus der Armutsfalle und der
Überlastung zu holen, fordert die Arbeiterkammer Niederösterreich ein
rasches politisches Handeln:
» Bessere finanzielle Absicherung: Einführung einer 3-Säulen-
Kindergrundsicherung sowie eine staatliche, existenzsichernde
Unterhaltsgarantie.
» Ausbau der Kinderbildung: Kostenlose, vollzeittaugliche und
verstärkt inklusive Betreuungsangebote mit Rechtsanspruch ab dem 1.
Geburtstag.
» Echte Vereinbarkeit: Familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die
weit über Standard-Gleitzeit und Homeoffice hinausgehen.
» Förderung der Partnerschaftlichkeit: Mehr Anreize für eine faire
Verteilung der Elternkarenz und Umsetzung des AK ÖGB
Familienarbeitszeitmodells.
» Ausbau von Unterstützungsangeboten: Finanzielle und personelle
Absicherung von Frauen- und Mädchenberatungsstellen und
Männerberatungsstellen.
» Gewaltschutz & Sensibilisierung: Umsetzung des Nationalen
Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen zur
Umsetzung der Istanbul-Konvention, finanzielle Absicherung und
flächendeckende Sicherstellung von ausreichend Frauenhausplätzen und
Notunterkünften sowie die Vermittlung eines modernen Familienbildes
in Justiz, Behörden und Bildungseinrichtungen.

Hier geht es zur Analyse:
https://noe.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/frauen/Wie-allein-
fuehlen-sich-Alleinerziehende-.html

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