Wien (OTS) – Die Europäische Kommission hat Tschechien eine
Beihilferegelung über
3,7 Mrd. Euro für den Ausbau der nachhaltigen Biomethan-Erzeugung
genehmigt. Bis 2030 sollen damit Anlagen entstehen, die rund 350 Mio.
Normkubikmeter Biomethan pro Jahr liefern – knapp 4 TWh und etwa 5%
des tschechischen Gasverbrauchs.
Tschechien investiert – Österreich vertagt
Während Tschechien in kurzer Zeit ein milliardenschweres Programm
aufsetzt und damit Planungssicherheit für Betriebe schafft,
diskutiert Österreich seit 2019 über den Aufbau einer heimischen
Biomethanproduktion – ohne bis heute ein funktionierendes
Unterstützungssystem zu beschließen. Das im Regierungsprogramm
angekündigte Erneuerbare-Gase-Gesetz ist weiterhin nicht umgesetzt,
obwohl darin bis 2030 6,5 TWh erneuerbare Gase in Aussicht gestellt
wurden.
Der Kompost & Biogas Verband Österreich fordert daher einen
verbindlichen Ausbaupfad von zumindest 3,2 TWh Ausschreibungsvolumen
an heimischem Biomethan bis 2030 – also rund die Hälfte des im
Regierungsprogramm verankerten Gesamtziels für erneuerbare Gase –
sowie 6 TWh bis 2035. Bei einem jährlichen Gasverbrauch von ca. 80
TWh (ähnlich wie Tschechien) würden das zumindest 7,5 %
Eigenversorgung aus erneuerbaren Quellen bedeuten. Ohne einen solchen
Mindestpfad wird Österreich im europäischen Wettbewerb um
Investitionen, Wertschöpfung und Technologieaufträge zunehmend ins
Hintertreffen geraten.
Biomethan: schnellste und günstigste erneuerbare Gasoption
Biomethan kann direkt in das bestehende Gasnetz eingespeist
werden und fossiles Erdgas schrittweise ersetzen, ohne dass teure
neue Infrastruktur aufgebaut werden muss. Unter den erneuerbaren
Gasen ist Biomethan damit die schnellst verfügbare und
kostengünstigste Option, um das Gassystem rasch in Richtung
erneuerbare Energie zu transformieren und Versorgungssicherheit,
Klimaschutz und regionale Wertschöpfung gleichzeitig zu stärken.
Österreich verfügt über langjährige Erfahrung mit Biogas,
etablierte Anlagen und weltweit führende Technologieanbieter, die
einen schnellen Hochlauf der Biomethanproduktion ermöglichen würden.
Was fehlt, ist ein klarer politischer Rahmen mit investitionssicheren
Marktbedingungen, wie ihn nun etwa Tschechien vorzeigt.
Europa investiert – Österreich darf nicht zusehen
In Europa sollen in den kommenden Jahren über 25 Mrd. Euro in den
Ausbau der Biomethanproduktion investiert werden. Nahezu alle anderen
EU-Mitgliedstaaten sehen in der Biogastechnologie eine klare
Zukunftstechnologie und richten ihre Förderregime entsprechend aus –
von Tschechien über Frankreich und Italien bis Spanien.
„Wenn Österreich jetzt nicht handelt, werden Investitionen,
Innovation und Arbeitsplätze in andere Länder abwandern, die bereits
entschlossen auf Biomethan setzen“ , warnt Johannes Hauptmann, Biogas
-Obmann des Kompost und Biogas Verbandes Österreich. „Biomethan muss
auch bei uns als zentrale Säule der Energiewende begriffen werden –
nicht als Randthema. Investitionen in den Ausbau der heimischen
Biomethanproduktion sind nicht bloß Investitionen in einen
erneuerbaren Energieträger – es sind auch Investitionen in Resilienz,
Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit, sie bedeuten heimische
Wertschöpfung und stärken unsere Kreislaufwirtschaft“
Appell an die Bundesregierung
Der Kompost & Biogas Verband fordert die Bundesregierung auf, das
Erneuerbare-Gase-Gesetz rasch zu beschließen, darin zumindest ein
Ausschreibungsvolumen für 2030 von 3,2 TWh und von 6 TWh Biomethan
bis 2035 Biomethan verbindlich zu verankern und somit einen klaren,
langfristigen Ausbaupfad festzulegen. Nur so kann Österreich seine
Pionierrolle zurückgewinnen und von der europäischen Biomethan-
Dynamik profitieren, statt zuzusehen, wie andere Länder
vorangehen.Weitere Informationen, Fakten und Mitmachmöglichkeiten
finden Sie unter www.zukunft-biogas.at