Wien (PK) – Der Tourismusausschuss des Nationalrats befasste sich
heute mit dem
jährlichen Tourismusbericht ( III-194 d.B. und Zu III-194 d.B. ). Die
Zahl der Nächtigungen erreichte 2024 mit 154,3 Mio. einen neuen
Höchstwert. Der Wert von 2023 wurde damit um 2,1 % und das bisherige
Rekordniveau des Vorkrisenjahres 2019 um 1,1 % übertroffen. Die
Ankünfte beliefen sich auf 46,7 Mio. (+3,3 %).
Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner betonte, dass der
Tourismussektor „weiterhin ein florierender Wirtschaftssektor“ sei,
es aber besser gehen könne, da die Betriebe mit steigenden Kosten zu
kämpfen hätten und sich die Ertragslage „sehr verschmälert“ habe. Der
Kampf gegen die Inflation sei daher eine Top-Priorität, so Zehetner.
Als Auskunftspersonen zum Bericht standen den Abgeordneten im
Ausschuss Peter Laimer (Statistik Austria) und Oliver Fritz (WIFO)
zur Verfügung.
Der Tourismusbericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen. Auf
Wunsch aller Fraktionen wird er im Plenum diskutiert werden.
Mehrere Entschließungsanträge der Opposition wurden mit den
Stimmen der Koalitionsparteien vertagt. Sie betrafen unter anderem
die Forderungen nach der Bekämpfung von Fake-Bewertungen auf Online-
Plattformen, nach Reformen für das Tourismusland und nach dem Schutz
der Gletscher.
WIFO erwartet 2025 leichtes Nächtigungsplus
Laut dem Bericht „Tourismus in Österreich 2024“ ging die
Steigerung der Nächtigungszahlen 2024 sowohl auf höhere Nachfrage
internationaler als auch heimischer Touristinnen und Touristen
zurück. Die Nachfrage internationaler Touristinnen und Touristen (
114,1 Mio. Nächtigungen) legte mit +2,5 % stärker zu als der
Binnentourismus (40,3 Mio.) mit +0,9 %. Die wichtigsten ausländischen
Herkunftsmärkte waren Deutschland und die Niederlande. Als zentrale
Herausforderungen für die Tourismuswirtschaft nennt der Bericht den
Fachkräftemangel und den Klimawandel.
Österreich schleppe sich aus der Rezession und durchschreite 2025
den Konjunkturtiefpunkt, sagte Oliver Fritz (WIFO) mit Vorausblick
auf die WIFO-Herbstprognose. Die Erholung werde vom Konsum getragen.
Im Tourismus sei für 2025 ein leichtes Nächtigungsplus, aber auch
eine Preissteigerung sowie die Zunahme der Nachfrage nach
Arbeitskräften zu erwarten.
Zudem ging Fritz darauf ein, dass die Aufenthaltsdauer von Gästen
weiter im Abnehmen sei. Die Menschen würden zwar häufiger verreisen,
dafür aber kürzer. Der Trend, dass Gäste weniger lang in derselben
Unterkunft bleiben, halte somit weiter an.
Peter Laimer (Statistik Austria) ging in einer Präsentation auf
die Erstellung der im Tourismusbericht enthaltenen Kennzahlen ein.
2024 wurde erstmalig von der Statistik Austria in vier
Befragungsquartalen die österreichische Wohnbevölkerung ab 15 Jahren
anhand einer repräsentativen Stichprobe von 14.000 Personen online zu
den wahrgenommenen Auswirkungen bzw. der Bedeutung des Tourismus
sowie der wahrgenommenen Zahl an Touristinnen und Touristen (Volumen)
befragt. Es zeigte sich dabei eine mehrheitlich positive Wahrnehmung
der Auswirkungen des Tourismus in Österreich. Eine große Gruppe der
Befragten gab eine neutrale Einstellung zu den Auswirkungen an. Diese
Gruppe wolle man „im Auge behalten“ und künftig näher befragen, so
Laimer.
Nach dem messbaren Erfolg der Kampagnen der Österreich Werbung
erkundigte sich Sebastian Schwaighofer (FPÖ) und kritisierte
„schrille Auftritte“ durch „Pride-Aktionen“ in der Österreich
Werbung. Zudem regte Schwaighofer eine „neue Prioritätensetzung“ an,
da sich die Österreich Werbung aus seiner Sicht zu wenig um Gäste aus
China und den USA bemühen würde. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner
sagte, dass der Aufsichtsrat der Österreich Werbung für die Freigabe
der Kampagnen zuständig sei. Zudem verwies sie auf die
Jahresstrategie der Österreich Werbung und betonte, dass die USA ein
„ganz wichtiger Markt“ sei und es auch hohe Zuwächse von Gästen aus
Japan gebe. Gäste aus Übersee seien bedeutend, da sie während ihres
Aufenthalts mehr Geld als andere Gäste ausgeben würden, so Zehetner.
Nicole Sunitsch (FPÖ) ging darauf ein, dass Urlaubsreisen für
Familien zunehmend unerschwinglich würden und fragte nach Maßnahmen
zur Kostensenkung. Dominik Oberhofer (NEOS) und Barbara Neßler (Grüne
) sprachen ebenfalls das Thema Kosten an und fragten nach Maßnahmen
zur Entlastung der Tourismusbetriebe. Margreth Falkner (ÖVP)
interessierte sich dafür, mit welchen Effekten sich eine
Umweltzeichen-Zertifizierung auf Betriebe auswirkt.
Staatssekretärin Zehetner betonte, dass Urlaub für die Menschen
leistbar bleiben müsse. Die Preise im Tourismus sollten daher nicht
noch weiter steigen. Als zentralen Faktor nannte Zehetner die Senkung
der Energiepreise. Dies sei insbesondere auch für die
Tourismusbetriebe bedeutend. Wichtig sei es daher, Strom lokal zu
produzieren, zu speichern und zu verbrauchen. Zudem würden sich alle
Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation auch positiv auf die reale
Wertschöpfung im Tourismus auswirken, so Zehetner.
Melanie Erasim (SPÖ) und Gertraud Auinger-Oberzaucher (NEOS)
thematisierten die Bedeutung der „letzten Meile“. Gemeint ist damit
die Strecke vom Ankunftsort der Gäste wie Bahnhof oder Flughafen bis
zum Beherbergungsbetrieb. Zehetner sagte, dass es diesbezüglich viele
Good-Practice-Beispiele gebe. „Extrem wichtig“ seien dabei „Sharing
Shuttles“ von mehreren Betrieben gemeinsam. Dieses Thema müsse man
auch „in der Gemeindepolitik ankommen lassen“, da es für die
Umsetzung oft Anschubfinanzierung brauche. Zudem sei es wichtig bei
der Planung neuer Bahnstrecken – beispielsweise beim Koralmtunnel -,
auch Stopps in Tourismusregionen mitzubedenken, sodass Gäste dort
aussteigen können.
Fake-Bewertungen bekämpfen
Auf das zunehmende Problem für Tourismusbetriebe durch gefälschte
Bewertungen im Internet ging die FPÖ mit einem Entschließungsantrag
ein. Denn manipulierte oder gefälschte Rezensionen können das Ranking
von Tourismusbetrieben auf Buchungsplattformen verschlechtern und
damit Buchungen verhindern sowie die Reputation des Betriebs
gefährden. Christoph Steiner (FPÖ) forderte daher Maßnahmen für
effektive und unbürokratische Mechanismen gegen Fake-Bewertungen (
441/A(E) ).
Dies sei ein wichtiges Thema, das ernst genommen werde, sagte
Dominik Oberhofer (NEOS) und betonte, dass auch „viel europäische
Gesetzgebung“ in diese Thematik hineinspiele. Er sei dafür offen,
gemeinsam Vorschläge zu erarbeiten, so Oberhofer, der den
Vertagungsantrag stellte.
Barbara Neßler (Grüne) meinte, dass sie diese Vertagung „nicht
wirklich“ verstehen könne, da bereits Lösungsansätze am Tisch liegen
würden.
Viel werde bereits durch den Digital Service Act geregelt, meinte
Franz Hörl (ÖVP). Für kleine Betriebe wäre ein Ansprechpartner
wichtig, der entsprechende Fälle sammelt und den Betrieben
Hilfestellung gibt. Dies könnte beispielsweise von der
Hotelvereinigung übernommen werden, schlug Hörl vor.
Melanie Erasim (SPÖ) betonte, dass dieses Problem nicht nur den
Tourismus, sondern auch viele andere Branchen betreffe und verwies
auf Regulierungen in Deutschland, von denen an lernen könne.
FPÖ greift NEOS-Forderung aus dem Vorjahr nach Reformen auf
Mit einem weiteren Antrag bezog sich die FPÖ auf eine Forderung
der NEOS aus dem Vorjahr ( 275/A(E) ). Der nunmehrige Staatssekretär
Josef Schellhorn hatte Ende Februar 2024 in einem Antrag „Reformen
für das Tourismusland Österreich“ gefordert. Er sprach sich dabei für
ein Entlastungspaket aus, das Erleichterungen von Betriebsübergaben
und Betriebsaufgaben, sowie die steuerliche Absetzbarkeit von
fiktiven Eigenkapitalzinsen vorsehen sollte. Die Freiheitlichen
brachten nun die gleichlautende Forderung ein, da diese „viele sehr
wichtige Punkte für die Branche enthalte“, sagte Sebastian
Schwaighofer (FPÖ).
Dominik Oberhofer (NEOS) verwies auf die langen
Koalitionsverhandlungen und das Regierungsprogramm. Es werde daran
gearbeitet, diese wichtigen Dinge umzusetzen. Auch Daniela Gmeinbauer
(ÖVP) ging auf laufende Prozesse ein und betonte, dass für
steuerrechtliche Themen das Finanzministerium zuständig sei. Sie
stellte den Antrag auf Vertagung.
Grüne fordern Maßnahmen zum Schutz der Gletscher
Für den Schutz der Gletscher setzen sich die Grünen mit einem
Entschließungsantrag ein. Denn Gletscher spielten bei der Regulierung
des Klimas eine entscheidende Rolle und seien eine lebensnotwendige
Süßwasserquelle. Die Grünen warnen, dass die „immer rascher
voranschreitende“ Klimakrise zu einem dramatischen Schwund der
Gletscher führe – auch in Österreichs Alpen. Daher fordern sie die
Bundesregierung auf, anlässlich des „Internationalen Jahres des
Gletscherschutzes 2025“ der Vereinten Nationen und angesichts der
großen Bedeutung der „Gletscher- und Hochgebirgsjuwele“ für den
heimischen Tourismus und andere Sektoren mehr Anstrengungen zum
Schutz der Gletscher zu ergreifen. Die Bundesregierung solle dafür
auch bundesgesetzliche Schritte in Erwägung ziehen ( 402/A(E) ).
Gletscher seien Teil der österreichischen Identität und tausende
Arbeitsplätze würden im Tourismus daran hängen, sagte Barbara Neßler
(Grüne).
Peter Manfred Harrer (SPÖ) meinte, dass dieses Thema besser im
Umweltausschuss diskutiert werden sollte und betonte, dass
Naturschutz in der Kompetenz der Länder liege. Er stellte daher den
Vertagungsantrag.
Grüne fordern Maßnahmenprogramm gegen das Gasthaussterben
Neuerlich vertagt wurde der wiederaufgenommene Antrag für ein
Maßnahmenprogramm gegen das Gasthaussterben ( 46/A(E) ). Barbara
Neßler kritisierte, dass seit der Vertagung des Themas Anfang April
nichts passiert sei und führte aus, dass Gasthäuser soziale Räume
seien, die insbesondere zur Bekämpfung von Einsamkeit von Menschen im
ländlichen Raum wichtig seien.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner versicherte, dass sie bereit
sei, ihren Beitrag zur Bekämpfung des Gasthaussterbens zu leisten.
Sie betonte aber, dass dies kein Problem sei, dass allein durch den
Tourismus gelöst werden könne. Wenn ein Ort aussterbe, handle es sich
um ein Thema der „ländlichen Entwicklung“.
Johann Weber (ÖVP) verwies darauf, dass Betriebsübergaben im
Tourismus seit Juni stärker gefördert werden. Diese Maßnahme müsse
man nun wirken lassen, sagte Weber und stellte den Antrag auf
neuerliche Vertagung.
Das Thema Gasthaussterben sei sehr komplex und nicht nur in
Österreich verbreitet, meinte Dominik Oberhofer (NEOS). Es könne
nicht mit einer einzigen Idee gelöst werden. Aus seiner Sicht sei es
wichtig, sich auf Bürokratieabbau zu fokussieren, um den Betrieben zu
helfen.
Ebenfalls neuerlich vertagt wurde der wiederaufgenommene Antrag
der Grünen für die nachhaltige finanzielle Absicherung alpiner
Schutzhütten und Wanderwege der Alpinen Vereine ( 48/A(E) ). (Schluss
Tourismusausschuss) bea