Wien (PK) – Der Tourismus erwirtschaftet einen beträchtlichen Anteil
der
österreichischen Wertschöpfung. 2025 erreichten die Nächtigungszahlen
im heimischen Tourismus einen neuen Höchstwert. Trotzdem bleibt die
wirtschaftliche Situation vieler Betriebe angespannt. Vor allem
steigende Energie- und Personalkosten machen den Beherbergungs- und
Gastronomiebetrieben zu schaffen und mindern den Ertrag. Das zeigt
der Bericht über den Tourismus in Österreich 2025 auf. Auf
einstimmigen Wunsch des Tourismusausschusses wurde er heute im Plenum
des Nationalrats diskutiert. Der Bericht wurde einstimmig zur
Kenntnis genommen.
Aus Sicht der Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und NEOS stellt der
Tourismus in Österreich in erster Linie eine Erfolgsgeschichte dar.
Der Bericht zeige aber auch, dass weitere Schritte der
Bundesregierung sinnvoll seien, um die Branche weiter zu stärken.
Die FPÖ anerkannte die Leistungen der Tourismusbranche, zog aber
gleichzeitig in Zweifel, dass die positiven Zahlen etwas mit der
Politik der Bundesregierung zu tun hätten. Gerade beim dringend
notwendigen Bürokratieabbau habe sie nicht „geliefert“. Seitens der
Grünen wurde angemerkt, dass der Klimawandel immer mehr zur Belastung
für den Tourismus in den Alpen werde.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner meinte, bei allen Erfolgen
dürfe man die Herausforderungen für die Tourismusbranche nicht aus
den Augen verlieren. Die Bundesregierung setze daher auf die
Tourismusstrategie „Vision T“. Ein wichtiges Ziel sei die Steigerung
des Anteils der Ganzjahresbeschäftigten im Tourismus.
Tourismusbericht: Mehr Gäste aus dem In- und Ausland im Jahr 2025
Mit 157,3 Mio. Nächtigungen gab es laut dem Tourismusbericht 2025
wieder einen neuen Höchstwert. Eine steigende Nachfrage nach den
Angeboten des heimischen Tourismus kam sowohl von inländischen Gästen
(40,5 Mio. Übernachtungen, +0,5 %) als auch von Gästen aus dem
Ausland (116,8 Mio., +2,4 %). Die Zahl der Ankünfte stieg dabei
gegenüber 2024 um 3,1 % auf 48,2 Mio. Die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer der Gäste in derselben Unterkunft ging aber zurück.
In Hotellerie und Gastronomie waren 2025 insgesamt 228.634
Menschen unselbstständig beschäftigt. Die Wertschöpfung der Branche
beziffert der Tourismusbericht für das Jahr 2025 mit 33,1 Mrd. Ꞓ bzw.
rund 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Die unmittelbare Wertschöpfung
der Freizeitwirtschaft ist laut Schätzungen des WIFO auf 26,1 Mrd.
Euro (+2,9 %) gestiegen.
FPÖ: Tourismusbetriebe brauchen dringend Entlastung
Die Zahlen des Tourismusberichts würden zwar gut klingen meinte
Michael Fürtbauer (FPÖ). Das bedeute aber noch nicht, dass es der
Branche gut gehe. Die Gäste würden zwar kommen, aber die
Beherbergungsbetriebe hätten immer größere Probleme. Die Zahl der
Ferienwohnungen steige enorm an, die Anzahl der traditionellen
Wirtshäuser sinke immer weiter. Die Bundesregierung habe bisher
nichts für den Tourismus geliefert. Der Tourismusbeschäftigtenfonds
sei nur ein zusätzliches Förderinstrument, dessen Mittel nicht dort
ankommen würden, wo sie gebraucht würden. Eine echte
Tourismusförderung würde vor allem durch Bürokratieabbau erfolgen,
meinte Fürtbauer.
Tina Angela Berger (FPÖ) sagte, die guten Zahlen des Tourismus
gebe es nicht wegen, sondern trotz der Politik der Bundesregierung.
Die Regierung führe immer weitere unnötige Belastungen ein, die zu
Wettbewerbsnachteilen führten, und halte nicht, was sie ankündige.
Das Gasthaussterben im ländlichen Raum halte an. Berger forderte eine
Entlastung der Betriebe. Der Tourismusbeschäftigtenfonds führe nur zu
weiteren Doppelgleisigkeiten bei Förderungen, das zeige auch der
Rechnungshof auf.
Während es Nächtigungsrekorde gebe, lasse der Ertrag der Betriebe
zu wünschen übrig, kritisierte Sebastian Schwaighofer (FPÖ). Die
Bundesregierung könne sich die Erfolge des Tourismus nicht
zugutehalten. Sie müsse endlich die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen für die Tourismusbetriebe verbessern. Die FPÖ habe
dazu zahlreiche Vorschläge vorgelegt, die aber ignoriert würden. Die
Bundesregierung müsse endlich die richtigen Prioritäten setzen.
Christian Schandor (FPÖ) ging vor allem auf die höchst positive
wirtschaftliche Entwicklung des südoststeirischen Thermen- und
Vulkanlands ein, das im Vorjahr 2,17 Millionen Nächtigungen
verzeichnet hat. Damit aber nicht nur die Gäste, sondern alle
Menschen vor Ort vom Tourismus profitieren können, brauche es
ausreichende Angebote an öffentlichem Verkehr, forderte er.
FPÖ-Tourismussprecher Christoph Steiner sah keine positiven
Leistungen der Bundesregierung für den Tourismus. Der
Tourismusbeschäftigtenfonds habe bisher keinen einzigen Cent
ausgezahlt.
ÖVP verweist auf Schritte zur Entlastung der Tourismusbetriebe
Gabriel Obernosterer (ÖVP) sagte, trotz aller Probleme sei die
Tourismusbranche weiterhin ein stabiler Faktor der österreichischen
Wirtschaftsentwicklung. Die Herausforderungen für die Branche seien,
die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft noch weiter zu verbessern,
die Wertschöpfung zu steigern und Bürokratie abzubauen.
Österreich dürfe stolz sein auf seine Tradition der
Gastfreundschaft, die den Tourismus dieses Landes so erfolgreich
mache, meinte Margreth Falkner (ÖVP). Der Tourismus erbringe wichtige
Leistungen und sei ein wesentlicher Faktor für die regionale
Wirtschaft. Österreich wolle keinen Massen- und Overtourismus,
sondern setze auf Qualitätstourismus. Sie warf der FPÖ eine negative
Haltung gegenüber ausländischen Arbeitskräften vor. Diese seien aber
für viele Bereiche des Tourismus unverzichtbar.
Der Tourismusbericht dokumentiere den Erfolg des heimischen
Tourismus, zeigte sich auch ÖVP-Abgeordneter Johann Weber zufrieden.
2025 seien bei allen Kennzahlen neue Höchstwerte erzielt worden. Die
Gäste würden eine hohe Zufriedenheit mit dem österreichischen Angebot
zum Ausdruck bringen.
Tanja Graf (ÖVP) sah die touristischen Betriebe unter großem
Druck aufgrund steigender Ausgaben für Energie, Lebensmittel und
Löhne. Gegen den Personalmangel habe die Bundesregierung mit der
Anpassung der Saisonkontingente, mehr Rechtssicherheit beim Trinkgeld
sowie der steuerlichen Entlastung der Überstunden-, Sonn- und
Feiertagsarbeit wichtige Schritte gesetzt. Ihre Fraktionskollegin
Daniela Gmeinbauer (ÖVP) befasste sich vor allem mit dem Camping, das
sich längst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt habe.
In den vergangen zehn Jahren seien die Nächtigungen auf den
Stellplätzen um 61 % gestiegen.
Franz Hörl (ÖVP) hob die Bedeutung der Saisonarbeit für die
Tourismusbranche hervor. Die FPÖ blockiere jedoch Kontingente für
Saisonniers und füge damit dem Tourismus Schaden zu.
SPÖ richtet Fokus auf Beschäftigte im Tourismus
Der beeindruckende Erfolg des Tourismus sei nur aufgrund des
Einsatzes seiner Beschäftigten möglich, merkte Melanie Erasim (SPÖ)
an. Unter ihnen gebe es einen hohen Migrantenanteil. Zudem werde die
Branche auch immer weiblicher. Mit dem Tourismusbeschäftigtenfonds
sei ein erfolgreiches Instrument geschaffen worden. Anders als die
FPÖ es darstelle, erfülle er sehr wohl seinen Zweck, die Arbeits- und
Beschäftigungsbedingungen in der Hotellerie und Gastronomie zu
verbessern. Ab November werde es zudem möglich sein, Förderungen
direkt zu beantragen und damit die Mittel optimal auszuschöpfen.
Auch Antonio Della Rossa (SPÖ) betonte, dass Tourismus von den
vielen Arbeitskräften getragen werde, die die Betriebe am Laufen
halten. Ihre Arbeit müsse Wertschätzung erhalten und entsprechend
abgegolten werden. Der heurige Sommer habe zudem gezeigt, dass die
Natur, welche die Grundlage für den Tourismus bilde, immer mehr an
ihre Grenzen stoße. Der Erhalt der Landschaft, der Schutz
empfindlicher Lebensräume und der Erhalt der Ökosysteme sei daher
auch aus Sicht des Tourismus wichtig.
Die Bekämpfung der Teuerung sei eine der zentralen Maßnahmen,
damit alle Menschen sich Urlaub und Freizeit leisten könnten, sagte
Katrin Auer (SPÖ). Erfreulich sei, dass der Tourismusbericht zeige,
dass das Kulturangebot ein immer wichtigerer Faktor für den Tourismus
werde. Auer wies auch auf den hohen Frauenanteil im Tourismus hin und
forderte die Bekämpfung des Gender Pay Gap in der Branche. Hier setze
der Tourismusbeschäftigtenfonds wichtige Fördermaßnahmen, indem er
etwa bei der Kinderbetreuung unterstütze. Neben der Erleichterung von
Betriebsübergaben sei auch die Ausbildung von Lehrlingen ein
wichtiger Faktor für die Zukunft der Tourismusbetriebe. Auch wenn es
stellenweise Probleme gebe, sei die Panikmache der FPÖ nicht
gerechtfertigt.
Der Tourismus sichere hunderttausende Arbeitsplätze, vor allem
auch im ländlichen Raum, zeigte Peter Manfred Harrer (SPÖ) auf. Um
das auch in Zukunft abzusichern, brauche es einen Tourismus, der
wirtschaftlich erfolgreich, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht
ist.
Der Einsatz der Regierung gegen die Teuerung sei enorm wichtig,
um den Tourismus zu stärken, urteilte Franz Jantscher (SPÖ). Der neu
eingerichtete Tourismusbeschäftigtenfonds leiste einen wichtigen
Beitrag bei der Unterstützung von Arbeitssuchenden.
NEOS: Tourismus bleibt Wachstumsbranche
Der Tourismus sei eine der wenigen Branchen, die während der
Krise der letzten Jahre gewachsen sei, zeigte sich Dominik Oberhofer
(NEOS) zufrieden. Österreich sei nach wie vor eines der
erfolgreichsten Tourismusländer weltweit. Die Bundesregierung wisse
das und habe daher viele Entlastungen für die Branche, die stark von
Selbständigen getragen werde, auf den Weg gebracht, etwa bei der
Saisonarbeit. Die FPÖ lehne gerade diese wichtige Maßnahme ab. Sie
ignoriere damit, dass der Tourismus auf ausländische Arbeitskräfte
angewiesen sei.
Grüne: Tourismusbranche muss nachhaltiger werden
Hinter den schönen Zahlen des Berichts verberge sich ein
Ertragsproblem, sagte Barbara Neßler (Grüne). Vor allem die
Energiekosten seien im Tourismusbereich sehr hoch. Neßler machte
dafür den hohen Anteil fossiler Energieträger verantwortlich und
plädierte dafür, verstärkt auf heimische, nachhaltig produzierte
Energie zu setzen. Die Trockenheit des letzten Sommers habe gezeigt,
welche Belastung der Klimawandel für den Tourismus bedeute. So hätten
zahlreiche Schutzhütten wegen Wassermangels vorzeitig schließen
müssen.
Der FPÖ warf die Abgeordnete vor, sich gegen ausländische
Beschäftigte zu wenden und deren unverzichtbaren Beitrag zur
Tourismusbranche zu ignorieren. Österreich könne aber nur als
weltoffenes Land weiterhin reüssieren, meinte die Abgeordnete. Der
Kritik an den Freiheitlichen schloss sich auch Barbara Neßler (Grüne)
an.
Zehetner: Tourismusbranche ist „Kraftwerk für Wertschöpfung“
Der Tourismus sei „ein Kraftwerk für die Wertschöpfung in den
Regionen“. Das zeige der Tourismusbericht deutlich auf, sagte
Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Nach einer starken
Sommersaison blicke man auch dem Winter optimistisch entgegen. Hinter
den gute Zahlen stünden die Leistungen vieler Menschen, denen Dank
und Wertschätzung für ihre engagierte Arbeit gebühre. Allerdings
würden hohe Kosten bei Energie, Lebensmitteln und Personal den
Betrieben weiterhin zu schaffen machen. Volle Beherbergungsbetriebe
würden noch nichts darüber aussagen, wieviel Ertrag am Ende diesen
übrig bleibe. Die Bundesregierung habe daher zahlreiche Schritte
gesetzt, die vor allem der Tourismusbranche zugutekommen würden.
Zehetner verwies auf die Änderung der Gewerbeordnung, die
Betriebsübergaben erleichtere und Bürokratie verringere. Auch die
Aktivpension und die Entlastung bei den Lohnkosten sah Zehetner als
Chancen für die Tourismusbranche.
Die Bundesregierung liefere also sehr wohl, sagte Zehetner. Sie
hob insbesondere die Tourismusstrategie „Vision T“ hervor. Diese
definiere klare Ziele bis zum Jahr 2035, beispielsweise hinsichtlich
der Steigerung der realen Wertschöpfung und der Tourismusakzeptanz.
Insbesondere die Erhöhung der Anzahl der Ganzjahresbeschäftigten im
Tourismus sei ein wichtiges Ziel, um die regionale Wertschöpfung zu
steigern. Ein starker Tourismus schaffe Wohlstand für ganz
Österreich, betonte Zehentner. Daher gelte es, ihn für die nächsten
Generationen zu sichern und auszubauen. (Fortsetzung Nationalrat)
sox/sue
HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können via
Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand in der
Mediathek des Parlaments verfügbar. In der Mediathek finden Sie auch
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