TFA im Trinkwasser: GLOBAL 2000 korrigiert ÖVGW-Darstellung

Wien, am 6.5. (OTS) – Die Österreichische Vereinigung für das Gas-
und Wasserfach (ÖVGW)
hat sich gestern öffentlich zu TFA im Trinkwasser geäußert und sich
dabei zum Schutz der Wasserressourcen an der Quelle bekannt. GLOBAL
2000 begrüßt dieses Bekenntnis, es liegt im Interesse der Kundinnen
und Kunden der österreichischen Wasserversorger. Bedauerlicherweise
enthält die Stellungnahme jedoch mehrere Aussagen, die den
wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht korrekt abbilden und das
tatsächliche Ausmaß der TFA-Belastung im österreichischen Trinkwasser
relativieren. GLOBAL 2000 stellt diese im Folgenden richtig.

Zur Trinkwasserqualität in Österreich
Die ÖVGW verweist auf eine Parameterwert-Erfüllungsrate von 98,7–99,7
% im österreichischen Trinkwasser. Dieses erfreuliche Bild gilt
jedoch ausdrücklich nicht für TFA: Da TFA bislang nicht als
regulierter Parameter in der Trinkwasserverordnung erfasst ist,
scheint die Substanz in dieser Statistik schlicht nicht auf. Würde
TFA – wie für relevante Pestizid-Metaboliten im Grundwasser üblich –
auch im Trinkwasser mit einem Parameterwert von 0,1 µg/l bewertet,
läge die Erfüllungsrate für diesen Stoff nur mehr bei 2–7 % der
untersuchten Proben. Darauf hat GLOBAL 2000 in der am 5. Mai
veröffentlichten Studie „ TFA im Trinkwasser “ hingewiesen (Seite 14,
Abb. 3).

Zur Verbreitung von TFA
Die ÖVGW schreibt, TFA „kann“ in der Umwelt weit verbreitet sein, und
suggeriert eine „punktuelle“ Nachweisbarkeit. Tatsächlich ist TFA
nicht punktuell nachweisbar – es ist flächendeckend nachweisbar. Die
Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) hat sie in 93 % von 331
behördlich untersuchten Proben und GLOBAL 2000 in 98 % der Proben
gefunden. Die ubiquitäre Präsenz von TFA in Wasserressourcen ist
wissenschaftlich klar belegt .

Zur Einordnung der gemessenen Konzentrationen
Die ÖVGW legt nahe, die Nachweisbarkeit von TFA sei vor dem
Hintergrund moderner Analysemethoden „nicht überraschend“ – als wäre
der Nachweis von TFA der Optimierung der analytischen Messgenauigkeit
geschuldet. Das trifft nicht zu. TFA tritt in den höchsten
Konzentrationen einer menschengemachten Chemikalie in
Wasserressourcen weltweit auf. Im österreichischen Trinkwasser liegen
die gemessenen Werte im Durchschnitt um eine Größenordnung über dem
EU-Schwellenwert von 0,1 µg/l für relevante Pestizid-Metaboliten im
Grundwasser. Das ist kein Messproblem – das ist ein
Kontaminationsproblem.

Zur Dringlichkeit und zur Benennung der Verursacher
GLOBAL 2000 begrüßt ausdrücklich das Bekenntnis der ÖVGW zur
Vermeidung von Einträgen von TFA-Vorläufersubstanzen in die Umwelt.
Die Stellungnahme lässt jedoch in zwei wesentlichen Punkten Konkretes
vermissen.

Erstens die Wortwahl „mittelfristig“: Die europäische
Dachorganisation der Wasserversorger EurEau, die nationale Verbände
aus 33 Ländern vertritt und der auch die ÖVGW angehört, fordert einen
raschen – nicht mittelfristigen – Ausstieg aus PFAS-Pestiziden .
Jedes Jahr weiterer Einträge bedeutet Jahrzehnte weiterer Belastung.
„Mittelfristig“ ist keine angemessene Antwort auf eine
Ewigkeitschemikalie.

Zweitens vermeidet die ÖVGW-Stellungnahme die Benennung der
wissenschaftlich belegten Haupteintragsquellen für TFA im
Grundwasser: PFAS-Pestizide und fluorierte Gase (F-Gase). EurEau hat
diese bereits ausdrücklich benannt und fordert ein Verbot aller PFAS-
Pestizide sowie die rasche Umsetzung des REACH-
Beschränkungsvorschlags für F-Gase. Wer den Quellschutz ernst meint,
muss auch benennen, welche Quellen zu schließen sind.

GLOBAL 2000 bleibt an konstruktivem Dialog interessiert
GLOBAL 2000 hat die österreichischen Wasserversorger von Beginn an
transparent über seine Untersuchungsergebnisse informiert und dabei
zahlreiche Rückmeldungen erhalten, die den Einsatz für rasche und
konkrete Maßnahmen zur Reduktion von TFA-Vorläufersubstanzen
unterstützen. Das Bekenntnis des ÖVGW zum Quellschutz, so
unvollständig es in den genannten Punkten auch bleibt, ist ein
Schritt in die richtige Richtung. GLOBAL 2000 möchte diesen Weg
gemeinsam mit der österreichischen Wasserwirtschaft, der Politik und
europäischen Partnern konsequent weitergehen.