Wien (OTS) – Die Initiative der Stadt Wien, Altkleider stärker zu
regulieren, ist
aus Sicht von Südwind ein begrüßenswerter erster Schritt.
Gleichzeitig braucht es für die Menschenrechtsorganisation
zusätzliche politische Maßnahmen, um die Kleidungsflut zu bewältigen
und eine nachhaltige, praktikable Wiederverwertung zu ermöglichen.
„Die Müllhaufen rund um die Altkleider-Container in Wien sind nur ein
kleines Symptom eines viel größeren globalen Problems. Das beginnt
nicht erst bei der Entsorgung, sondern schon bei der Überproduktion
und dem verschwenderischen Konsum von Kleidung“, sagt Lena Gruber,
Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. „Angesichts der enormen
Probleme für Umwelt und Menschen, die das Fast Fashion-System
erzeugt, braucht es einen umfassenden Maßnahmenplan sowie den Blick
auf die gesamte Lieferkette unserer Kleidung.“
Zwtl.: Weiter Weg für Altkleidung zum Müllberg
Rund 46 Prozent der Altkleider aus Europa werden nach Afrika
exportiert, überwiegend zur Wiederverwendung. Dabei sind allerdings
rund 40 Prozent der exportierten Kleidung nicht mehr verwendbar. 41
Prozent gehen nach Asien – oft minderwertige Ware, die zu Putzlappen
downgecycelt oder weiter exportiert wird, 63 Prozent landen davon
wiederum in Afrika. Das zeigen Daten der Europäischen Umweltagentur.
Hinzu kommt, dass nur etwa 1 Prozent der Kleidung weltweit
tatsächlich von Faser zu Faser recycelt werden kann. Recherchen in
Recyclinganlagen, etwa in Pakistan, zeigen zudem alarmierende
Arbeitsbedingungen, die jenen in der Textilproduktion ähneln.
Untersuchungen von Südwind und der Clean Clothes Kampagne zeigen,
dass die Arbeitsbedingungen im Altkleider-Sektor in vielen Ländern
des Globalen Südens prekär, unsicher und unwürdig sind.
Gewerkschaften in Uganda berichten, dass große Teile der importierten
Kleidung aus Müll bestehen, der wiederum auf riesigen Deponien vor
Ort entsorgt wird. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im
Secondhand-Sektor Ugandas prekär und unsicher.
Zwtl.: Kooperation zwischen Wien und Kampala als Begleitmaßnahme
Südwind fordert eine Kooperation auf Augenhöhe mit den
Zielländern von Altkleider-Exporten. So könnte eine vertiefte
Partnerschaft zwischen Wien und Kampala zum Knowhow-Austausch
beitragen und Mitbestimmung im Globalen Süden stärken. Ein solches
Projekt könnte Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette
einbinden: Sammler:innen, Re-Use-Betriebe, Exporteur:innen,
Gewerkschaften sowie Menschenrechts- und Umweltorganisationen in
beiden Ländern. Durch Dialogformate, gemeinsame Richtlinien und
Austauschprogramme könnte ein fairer Secondhand-Handel aufgebaut
werden. Gleichzeitig sollte die Kooperation den Aufbau lokaler,
nachhaltiger Textilproduktion sowie sicherer Infrastruktur und
Ausbildung fördern.
„Das System der Altkleiderverwertung steht weltweit vor dem
Kollaps. Es darf nicht akzeptiert werden, dass nicht mehr benötigte
Kleidung aus Europa auf immer größeren Müllbergen in anderen
Weltregionen landet oder unter unsicheren Bedingungen recycelt wird“,
sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Ziel muss es sein,
sicherzustellen, dass nur jene Kleidung exportiert wird, die vor Ort
tatsächlich gebraucht und gewollt ist. Schließlich will niemand, dass
aus der gutgemeinten Spende eine Belastung für Mensch und Umwelt
wird.“
Zwtl.: Europäische Regulierung entscheidend
So wichtig Initiativen auf Gemeindeebene sind, so sehr braucht es
für Südwind die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung zentraler
EU-Regulierungen auf Bundesebene. Dazu zählen die Erweiterte
Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility), die EmpCo
-Richtlinie gegen Greenwashing und geplante Obsoleszenz sowie
Regelungen zur Eindämmung manipulativer Werbung großer Plattformen.
Darüber hinaus sind strengere Kontrollen beim Export von Altkleidern,
mehr Kapazitäten für hochwertige Sammlung und Wiederverwendung sowie
stärkere Anreize für nachhaltige Mode notwendig.
Südwind hat dazu einen umfassenden Maßnahmenplan für faire Mode
entwickelt: suedwind.at/justfashion