Wien (OTS) – 2018 wird der junge amerikanische Missionar John Chau
bei dem
Versuch, ein indigenes Volk zu „bekehren“, getötet. Die zweiteilige
Dokumentation „The Mission – Zwischen Glaube und Wahnsinn“ von Jesse
Moss und Amanda McBaine (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann) erzählt
seine Geschichte. Der zweite Teil, den „kreuz und quer“ am Dienstag,
dem 12. August 2025, um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON zeigt,
folgt Chaus verhängnisvoller Reise zu den Sentinelesen und lässt
dabei neben Freunden und Wegbegleitern auch Menschen zu Wort kommen,
die der evangelikalen Missionsideologie kritisch gegenüberstehen.
John Chaus Tagebücher geben dabei einen sehr persönlichen Einblick in
sein Denken und zeigen einen Menschen voller Entschlossenheit, der
trotz seiner festen Überzeugung immer wieder auch zweifelt.
Der junge Mann bereitet sich akribisch auf seine Mission zur
Bekehrung der Sentinelesen vor. Die Risiken dieses waghalsigen
Vorhabens sind ihm durchaus bewusst, das macht die Dokumentation
durch viele Passagen aus den Tagebüchern deutlich. Immer wieder
kommen auch innere Konflikte und Zweifel zum Vorschein. Unterstützt
wird John Chau unter anderem von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
der evangelikalen Organisation „All Nations“. Das international
tätige Netzwerk will das Christentum in alle Regionen der Welt
bringen und bildet zu diesem Zweck Missionarinnen und Missionare aus,
bereitet sie interkulturell vor und begleitet sie auf ihrem Weg. Auch
John Chau erhält hier Beistand, zwei Verantwortliche erinnern sich an
ihre Begegnungen mit ihm. Die Dokumentation lässt aber auch kritische
Stimmen sprechen. Der amerikanische Sprachwissenschafter Daniel
Everett etwa war lange Jahre als christlicher Missionar tätig. Im
Rückblick sieht er seine früheren Überzeugungen und religiöse
Bekehrungsversuche ganz allgemein mit großer Skepsis. Durch diesen
breiten Zugang eröffnet die Dokumentation einen vielschichtigen,
differenzierten Blick auf John Chaus Weg und stellt letztlich sehr
grundsätzliche Fragen zu persönlichem Glauben, kulturellen Grenzen
und den möglichen Folgen eines radikal verstandenen religiösen
Missionsauftrags.