Wien (OTS) – Der Sprecher der Plattform Personenbetreuung, Dr. Mario
Tasotti,
kritisiert heute das Verhalten mancher Parteien im Sozialausschuss
des Nationalrates vom 15. April.
„Es ist für mich völlig unverständlich, warum man sich
mehrheitlich gegen eine Anhebung der Einkommensgrenze für den vollen
Bezug der Förderung zur 24-Stunden-Betreuung ausspricht. Diese Grenze
ist seit ihrer Einführung im Jahr 2007 in der Höhe von 2.500 Euro nie
valorisiert oder gar den geänderten Lebensumständen der betreuten
Personen angepasst worden. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller
betroffener Menschen und deren Familien“, zeigt sich Tasotti
verärgert.
Auf Dauer ist mit so einem Verzögern und Zaudern mancher
vorgeblicher Sozialpolitiker die 24-Stunden-Betreuung nicht mehr
finanzierbar. Es geht aber nicht nur um die Einkommensgrenze. Auch
die Förderung selbst ist erst nach 16 Jahren, also 2023, das erste
Mal valorisier und von 550 Euro auf 800 Euro angehoben worden.
Zwtl.: Verhalten der Politik geht an der Lebensrealität der betreuten
Menschen vorbei
Da die Betreuungsbedürftigen zunehmend einen komplexeren
Betreuungsbedarf aufweisen, ist auch eine umfassende,
kostenpflichtige Qualitätssicherung notwendig. Das erfolgt in der
Regel durch die fachliche Begleitung der Betreuerinnen durch
diplomierte Pflegefachkräfte. Diese Qualitätssicherung ist aber von
den betreuten Personen zu bezahlen. Dafür fehlt in den Familien oft
das Geld. Dem gegenüber ist aber von der öffentlichen Hand im
Vergleich viel Geld für Heimplätze vorhanden. So liegen die
jährlichen Gesamtausgaben der öffentlichen Hand in einem Pflegeheim
pro Person bei rund 36.540 Euro (2024), aber bei nur rund 8.770 Euro
für die von 24-Stundenkräften betreuten Klienten.
Tasotti: „Das Verhalten der Politik geht völlig an der
Lebensrealität der betreuten Menschen vorbei. Denn für die betreuten
Klienten liegen die Kosten, wenn man die Honorare für die
Betreuerinnen und die anteiligen Ausgaben für Verpflegung und Energie
zusammenzählt, bei bis zu 4.000 Euro im Monat. Und dazu kommen jetzt
dann auch noch die Ausgaben für die Qualitätssicherung. Deshalb ist
auch die überfällige Erhöhung der Förderung von 800 auf 1.600 Euro
ein Gebot der Stunde.“
Der Sprecher der Plattform Personenbetreuung warnt vor einem
drohenden Betreuungs- und Pflegenotstand, „wenn die Politik nicht
schleunigst mehr Geld für diese Bereiche in die Hand nimmt“, sagt
Tasotti wörtlich. Seit Ende der Corona-Pandemie haben bereits mehrere
tausend Betreuerinnen Österreich in Richtung besser bezahlendes
Ausland verlassen.