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Tag des Handels 2026: Wer morgen das Geschäft macht – und wenn ja, wie viel

Gmunden, 10.10.2026 (OTS) – Was landet morgen im Einkaufswagen? Wer
entscheidet darüber, der
Mensch oder sein KI-Agent? Unter welchen Bedingungen können
Landwirtschaft, Industrie und Handel auch künftig wirtschaftlich
arbeiten? Beim Tag des Handels am 8. und 9. Oktober im Toscana
Congress Gmunden gab es reichlich Gesprächsstoff für die mehr als 450
Gäste. Der Handelsverband und die Fachzeitschrift REGAL brachten die
Branche für zwei Tage an den Traunsee.

Zur Eröffnung begrüßten HV-Geschäftsführer Rainer Will und REGAL-
Geschäftsführer Roland Pirker die Gäste. „In Österreich entfallen nur
10,2% der Haushaltsausgaben auf Lebensmittel. Damit liegen wir an
viertletzter Stelle in der EU. Wenn wir von der Teuerung sprechen,
müssen wir die Ursachen ehrlich benennen. Und die Hauptursache sind
die hohen Energiepreise. Die Stromrechnung trifft den Bauern, den
Lebensmittelproduzenten, das Kühllager und den Supermarkt. Am Ende
landen sie auch bei den Kunden. Wer Lebensmittel dauerhaft leistbarer
machen will, muss also dort ansetzen“ , gab Rainer Will die
Marschrichtung vor.

Das Programm verband politische Debatten mit neuen Technologien
und konkreten Fragen aus dem Handelsalltag. Durch die Veranstaltung
führte Moderatorin Angelika Pehab .

Landwirtschaftsminister Totschnig: Wer ernährt Österreich morgen?

Gleich zum Auftakt stand der Austausch mit
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auf dem Programm. Handel
und Landwirtschaft verbindet eine Aufgabe, die im politischen
Tagesgeschäft mitunter zu kurz kommt: Tag für Tag müssen hochwertige
Lebensmittel zuverlässig bei den Menschen ankommen.

„Die Ausgaben der österreichischen Haushalte für Lebensmittel
sinken. Gleichzeitig ist der Druck in der Wertschöpfungskette
riesengroß. Umso wichtiger sind starke Partnerschaften auf Augenhöhe.
Das Bekenntnis zu Premium-Lebensmittelqualität aus Österreich muss
auch weiterhin bestehen. Daher bin ich auch heuer wieder beim Tag des
Handels dabei“ , so Norbert Totschnig .

Wie diese Versorgung mit erstklassigen heimischen Lebensmitteln
auch künftig gelingt, war Thema des ersten großen Podiums. Max
Hofmarksrichter (HOFER), Josef Moosbrugger (Landwirtschaftskammer
Österreich), Hans K. Reisch (SPAR) und Barbara Teiber (Gewerkschaft
GPA) diskutierten unter der Moderation von Verena Schneeweiß (REGAL)
über die Zukunft der Lebensmittelversorgung.

Künstliche Intelligenz: Gut oder schlecht für den Handel?

Mit KI lässt sich inzwischen vieles abwickeln, aber was davon
verändert das Retail-Geschäft tatsächlich? Elisabeth L’Orange ,
Partnerin für AI & Data bei Deloitte, widmete sich in ihrer Keynote
dem Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Eine Reise durch
Technologie, Märkte und die Erwartungen an eine Entwicklung, deren
Tempo Unternehmen gehörig fordert. „Die KI wird den stationären
Handel nicht gefährden. Im Gegenteil, wir werden eine Renaissance der
Fläche erleben“ , lautet der positive Ausblick von Elisabeth L’Orange

Noch einen Schritt weiter führte Philip Walther von der
Universität Wien. Sein Vortrag rückte die Quantentechnologie ins
Blickfeld. Ein Thema, das für viele noch nach ferner Zukunft klingt –
und mit dem sich die Wirtschaft dennoch schon heute auseinandersetzen
sollte.

Gesundheit wird zum Einkaufsargument

Länger leben, gesund bleiben, sich im Alltag besser fühlen: Diese
Wünsche beschäftigen längst auch den Handel. Welche Sortimente,
Platzierungen und Geschäftskonzepte passen dazu? Darüber diskutierte
Angelika Pehab mit Marlies Gruber (forum. ernährung heute), Julia
Hoffmann (Biogena), Eva Paschinger (BIPA) und Elisabeth Wagner (
NielsenIQ). Das Longevity-Podium verband Ernährungswissen, Marktdaten
und Handelspraxis. Schließlich muss aus einem großen
gesellschaftlichen Trend erst einmal ein Angebot werden, das
Kundinnen und Kunden verstehen und im Alltag nutzen.

Um Gesundheit ging es auch bei Nadine Rass , allerdings aus einem
anderen Blickwinkel. Die ehemalige Profigolferin und Performance-
Trainerin widmete sich dem „Affenzirkus“ im Kopf. Ihr Thema:
Stressmanagement aus dem Profisport, für einen Berufsalltag, in dem
die nächste Entscheidung selten auf einen entspannten Moment wartet.

Faire Preise brauchen faire Rahmenbedingungen

Lebensmittelpreise stehen regelmäßig im politmedialen
Rampenlicht. Über die Bedingungen, unter denen sie entstehen, wird
deutlich seltener mit derselben Ausdauer diskutiert. Genau hier
setzte das Podium zur Preispolitik an. HV-Pressesprecher Gerald
Kühberger diskutierte mit Gabriele Zgubic-Engleder (Arbeiterkammer),
Marcel Haraszti (REWE), Markus Kaser (SPAR), und Günter Thumser (
Markenartikelverband) und über Sinn und Unsinn von Vorschriften, die
europäische Bürokratielawine und faire Rahmenbedingungen in der
Lebensmittelwertschöpfungskette. Die zentrale Frage: Wie bleiben
Lebensmittel leistbar, ohne jene Betriebe wirtschaftlich auszuhöhlen,
die sie produzieren, verarbeiten und verkaufen?

Agentic Commerce: The next Big Thing?

Der späte Nachmittag stand im Zeichen von Agentic Commerce: Was
passiert, wenn ein digitaler Assistent selbstständig Produkte
auswählt und Einkäufe erledigt? Stefanie Ahammer-Lampe (Visa), Gerald
Eder-Schmidinger (CRIF) und Martin Traxl (OMV) diskutierten über KI-
Agenten, Payment und Cyber Security. Das Podium moderierte Matthias
Schlemmer (Strategy&).

Neue Ideen für das Geschäft vor Ort

Neben den großen Debatten blieb viel Platz für die Praxis. Beim
Innovation Zapping powered by PSA , moderiert von Markus Kuntke (REWE
), standen Wetterdaten von Drei , Quick Commerce von Wolt sowie Kurz-
Pitches von Respory und Shoptimizer auf dem Programm.

Eine Frage, die wohl jeden stationären Händler beschäftigt,
griffen Oliver Olschewski und Stefan Bauda von Shopfully auf: Wie
kommen mehr Kunden in die Filiale? Im Mittelpunkt standen Shopper-
Daten und die gezielte lokale Ansprache mit dem Ziel, digitale
Aufmerksamkeit in einen Einkauf vor Ort zu konvertieren.

Abendgala: Familie Mayr (Fussl Modestraße) & Markus Marek (
Kelly’s) ausgezeichnet

Am Abend wechselte der Schwerpunkt von den Zukunftsfragen zu
jenen Persönlichkeiten, die Handel und Industrie prägen. Im Rahmen
der Gala wurden der Große Industriepreis und der Österreichische
Handelspreis verliehen.

Der Industriepreis 2026 ging an Markus Marek , seit 2017 Managing
Direktor von Kelly Snacks. Die Laudatio hielt Hannes Royer von Land
schafft Leben. Den Handelspreis sicherte sich erstmals nicht eine
Person, sondern eine ganze Unternehmerfamilie – Familie Mayr ,
Eigentümer der Fussl Modestraße. Die beiden Geschäftsführer Karl und
Ernst Mayr nahmen die Auszeichnung von Laudatorin Susanne Dickstein ,
Chefredakteurin der Oberösterreichischen Nachrichten, entgegen. Der
Handelsverband gratuliert herzlich. Mehr dazu HIER .

Den kabarettistischen Teil des Abends übernahm der steirische
Comedy-Star Clemens Maria Schreiner mit „Das Beste vom Guten“.
Anschließend stand die After Party mit DJ Joachim auf dem Programm.

Vom letzten Meter im Geschäft bis zur Verpackung

Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete Handelsverband-Präsident
Stephan Mayer-Heinisch mit einem Recap-Intro, gefolgt von einer
Videobotschaft des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen .

Danach ging es um einen oft unterschätzten Bereich im Geschäft:
die Kassenzone. Melanie E. Bednar (Mars) und Lukas Steyer (umdasch
Store Makers) beschäftigten sich im Gespräch mit Robert Zniva (FH
Salzburg) damit, wie die letzten Meter vor dem Bezahlen bestmöglich
gestaltet werden sollte.

Der anschließende Fireside Chat mit Harald Hauke (ARA) und Holger
Jöckel (Metro Österreich) rückte Verpackung und Nachhaltigkeit in den
Mittelpunkt. EPR, PPWR und EmpCo: Hinter den Kürzeln stehen neue EU-
Regularien, die im Handelsalltag unzählige praktische Fragen
aufwerfen. Damit steigt auch der bürokratische Aufwand – von der
Verpackung bis zur Kommunikation mit den Kunden. Moderiert wurde der
Talk von Verena Schneeweiß (Regal).

Europa: Leuchtturm oder Museum?

Im Anschluss stellte Philipp Blom , Historiker, Autor und Ö1-
Moderator, in seiner Keynote eine unbequeme Frage: Wird Europa die
Zukunft aktiv mitgestalten oder vor allem von seiner Vergangenheit
erzählen?

„Wir leben in einer neoimperialen Welt der Polykrise und die
Frage ist, wie gut ist Europa dafür gerüstet. Für viele Politiker ist
‚No Future‘ fast zum Wahlversprechen geworden. Dabei wissen wir, in
der Geschichte gibt es keinen Rückwärtsgang und es gibt auch keinen
Stillstand. Es ist wie beim Älterwerden“ , so Blom .

Daran knüpfte der geopolitische Impulsdialog mit Außenministerin
Beate Meinl-Reisinger (NEOS) , dem ehemaligen DSN-Direktor Omar
Haijawi-Pirchner und Philipp Blom an. Unter der Moderation von David
Freudenthaler (Die Presse) ging es um Europas Handlungsfähigkeit in
einer Welt, deren politische und wirtschaftliche Spielregeln sich in
den letzten 10 Jahren fundamental verschoben haben.

„Wir haben gelernt, wie fatal einseitige Abhängigkeiten sein
können, etwa von Russland in Energiefragen. Daher muss unser Ziel
sein, für die nächste Zeit Risikominimierung zu betreiben und bei
unsere Lieferketten zu diversifizieren“ , ist die Außenministerin
überzeugt.

Fatal für den österreichischen Handel war auch die Einführung der
nationalen Paketsteuer, die seit 1. Oktober eingehoben werden muss.
Umso positiver wurde im Saal die NEOS-Ankündigung aufgenommen, die
Paketsteuer rückgängig zu machen. „Die nationale Paketsteuer ist ein
Murks. Verantwortung übernehmen heißt auch, zu korrigieren, was nicht
funktioniert“ , so Beate Meinl-Reisinger.

Nach den Abschlussworten von REGAL-Geschäftsführer Roland Pirker
blieb Zeit für weitere Gespräche. Genau dafür bietet der TAG DES
HANDELS in Gmunden Jahr für Jahr den passenden Rahmen. Ein herzlicher
Dank gilt allen Mitwirkenden, Gästen, Partnern sowie den 53 Sponsoren
(insb. ARA, CRIF, BrauUnion und Österreichische Post), die den Tag
des Handels 2026 möglich gemacht haben. Der nächste Tag des Handels
wird am 7. und 8. Oktober 2027 erneut in Gmunden stattfinden.

Den vollständigen Nachbericht sowie hochauflösende Fotos finden
Sie HIER