Wien (OTS) – Eine Budgetsanierung ohne Klimapolitik ist mehrfach
kontraproduktiv
und führt zu hohen Kosten sowie wirtschaftlichen Nachteilen. Davor
warnt eine Studie der Universität Graz im Auftrag des WWF anlässlich
des geplanten Doppelbudgets. Ohne zusätzliche Maßnahmen zur
Einhaltung der Klimaziele würden Kürzungen im Klima- und
Umweltbereich zu steigenden Ausgaben und sinkenden Einnahmen des
Staates führen. „ Wer heute kürzt, zahlt morgen ein Vielfaches.
Budgetäre Spielräume werden untergraben, wenn Klimarisiken nicht
proaktiv gemanagt werden “, sagt Studienautor Karl Steininger vom
Wegener Center für Klima und Globalen Wandel. Fazit der Studie: „Ohne
ernstgemeinte Investitionen in Klimaschutz und Anpassung steigen
ungeplante Ausgaben, während gleichzeitig Einnahmen unter Druck
geraten. Die fiskalische Handlungsfähigkeit des Staates wird damit
weiter eingeschränkt.“
Die volkswirtschaftlichen Klimaschäden in Österreich liegen laut der
Analyse bereits heute bei mindestens 2,5 Milliarden Euro jährlich und
könnten bis 2050 auf bis zu 15 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen.
Gründe dafür sind unter anderem die vermehrte Hitzebelastung, Dürren,
Hochwasser, Waldbrände und Schäden an der Infrastruktur. Zusätzlich
führen Folgen der Klimakrise zu einer verringerten
Wirtschaftsleistung durch klimabedingte Produktivitätsverluste und
sinkende Erträge aus Land- und Forstwirtschaft. Das ergibt laut
Studie auch höhere Staatskosten, denn in Katastrophenfällen werde die
öffentliche Hand durch fehlende Versicherungen zum „Versicherer in
letzter Instanz”.
Der WWF fordert auf Basis der Ergebnisse einen Kurswechsel beim
geplanten Doppelbudget. „ Eine ambitionierte Klimapolitik rechnet
sich und reduziert finanzielle Risiken für den Staat sowie die
gesamte Gesellschaft “, sagt WWF-Klimasprecherin Viktoria Auer.
Anstelle kurzsichtiger Kürzungen sollten umweltschädliche
Subventionen von derzeit bis zu sechs Milliarden Euro gezielt
umgeschichtet werden.
Laut der Analyse rentieren sich Investitionen in Klimaschutz sowie in
eine klimafitte Transformation der Wirtschaft auch für das Budget. „
Eine konsequente Klimapolitik kann die wirtschaftliche Abhängigkeit
von fossilen Energieimporten deutlich verringern und den
Wettbewerbsvorteil stärken “, sagt Klimaökonom Steininger. Seine
Studie beziffert auch den Mehrwert von Anpassungsmaßnahmen: Ein
investierter Euro kann Schäden im Umfang des Fünffachen vermeiden.
Außerdem könnten bei konsequenten Anpassungsmaßnahmen 80 Prozent der
klimabedingten Verluste an Wirtschaftsleistung vermieden werden. Die
jährlichen Steuereinnahmen liegen dadurch bis 2050 um rund 2,5
Milliarden Euro höher als ohne zusätzliche Investitionen.
Für eine langfristige Entlastung des Budgets ist zudem das Erreichen
der EU-Klimaziele zentral. Bei deren Verfehlung rechnet das BMF in
seiner langfristigen Budgetprognose bereits ab 2030 mit Kosten von
bis zu 2,86 Milliarden Euro. Im Nationalen Energie- und Klimaplan hat
Österreich der EU gemeldet, durch den Abbau klimaschädlicher
Subventionen eine Emissionsreduktion von mindestens 2 Millionen
Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr zu erreichen. „Daher muss diese
Maßnahme jetzt im Doppelbudget verankert werden“, fordert WWF-
Klimasprecherin Viktoria Auer.
Die Studie sowie Bilder von Karl Steininger und Viktoria Auer unter
diesem Link abrufbar.