Streamingdienste sollen in Österreich investieren: Arbeitsgruppe für Investment Obligation gestartet

Wien (OTS) – Vertreter*innen aus dem Finanz- und Kulturministerium
sowie der
Filmbranche sind gestern im Österreichischen Filminstitut
zusammengetroffen, um zukünftige Finanzierungsmodelle für die
heimische Filmwirtschaft zu diskutieren. Zentrale und gemeinsame
Zielsetzungen sind Planbarkeit und Verlässlichkeit in der
Filmfinanzierung und den Filmstandort Österreich nachhaltig zu
stärken. Die Arbeitsgruppe verständigte sich auf die Ausarbeitung
einer „Investment-Obligation“ für Streamingdienste, kombiniert mit
einem Beitrag (Levy) in Österreich. Die Arbeitsgruppe wurde von
Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler auf Grundlage der
Beratungen des Runden Tisches im Bundesministerium für Wohnen,
Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) ins Leben gerufen.

Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler: „Ich freue mich,
dass es zu einer so raschen ersten Einigung gekommen ist und alle an
einem Strang ziehen. Mit der Investment Obligation kann eine neue
Finanzierungsstruktur für die Branche erschlossen werden.
Streamingdienste und andere finanzstarke Anbieter werden
verpflichtet, in den österreichischen Standort zu investieren. Damit
orientieren wir uns als Kulturnation an anderen großen Kulturnationen
wie Frankreich“, erklärte Kulturminister Babler.

Auch das Finanzministerium betonte die Bedeutung der Maßnahme:
„Die Umsetzung soll im Kern die budgetäre Eigenständigkeit der
Branche unterstützen. Der Beitrag soll Streamingdienstleister
zweckgewidmet eingesetzt werden, um den Standort langfristig zu
stärken.“

Das Österreichische Filminstitut sieht in dem Modell eine Chance
zur verstärkten Kulturförderung. Roland Teichmann, Direktor des ÖFI:
„Die Einführung einer Investment Obligation ist nahezu europäischer
Standard, aber ein Novum in Österreich. Die Ausarbeitung wird
komplex, wir befürworten eine Zweiteilung in direkte Investitionen in
Produktion und zweckgewidmeten Beiträge. Für Förderinstitutionen wie
das ÖFI könnten dadurch wichtige neue Impulse erzielt werden, die die
unabhängige Kinofilmbranche nachhaltig stärkt und kapitalisiert.“

Die rechtliche Grundlage für die Investment Obligation bietet die
EU-Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste (AVMD), die es
Mitgliedstaaten erlaubt, Streamingdienste zu Investitionen in
europäische Produktionen zu verpflichten. Österreich bekennt sich
bereits im Regierungsprogramm klar zu deren Umsetzung.

Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Obmann des Fachverbands der Film-
und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich und
Stellvertreterin Julia Sobieszek verwiesen in den Gesprächen auf die
Ausweitung der angespannte Lage auf alle Gewerke in der Branche und
setzen auf eine rasche Umsetzung. Alexander Dumreicher-Ivanceanu:
„Wir unterstützen den Plan, eine Investitionsverpflichtung und einen
Beitrag für Streamer einzuführen, voll und ganz. Ich begrüße
insbesondere die Perspektive, dass eine solche gesetzliche Regelung
bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 wirksam werden könnte: dies
wäre eine schnelle, zukunftsgerichtete und nachhaltige Lösung für die
schwierige Situation der Filmfinanzierung in Österreich. Der
Fachverband wird sich daher mit seiner Expertise einbringen und die
Regierung in der Planung und Umsetzung unterstützen.“

Der nächste Termin der Arbeitsgruppe findet im Oktober 2025
statt. Dabei sollen die Details einer legistischen Umsetzung
erarbeitet und Ergebnisse von Gesprächen mit Streaming-Plattformen
und TV-Anbietern und weiteren Stakeholdern eingebracht werden.