Wien (OTS) – Österreichs Bischöfe sind erschüttert über das Leid, das
der Iran-
Krieg für den Nahen Osten und die Region der Golfstaaten gebracht
hat. Sie warnen in einer Erklärung zum Abschluss der
Frühjahrsvollversammlung in St. Johann bei Herberstein vor einem noch
größeren Flächenbrand, wenn die Kampfhandlungen nicht bald ein Ende
nehmen. „Stopp dem Krieg!“ lautet demgemäß auch der Aufruf der
Bischöfe.
„Alle Menschen im Nahen Osten haben ein Recht auf ein Leben in
Frieden, Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit und in Achtung ihrer
unveräußerlichen Würde“, so die Bischöfe wörtlich. Der Weg dorthin
sei möglich, jeder Krieg hingegen ein schwerer Rückschlag. „Krieg
allein ist keine Lösung und kann keine Demokratie herstellen, sondern
er legt meist die Saat für noch größeren Hass und neue Gewalt“, heißt
es in der Erklärung wörtlich.
Bei der Pressekonferenz zum Abschluss der
Bischofskonferenzvollversammlung am Freitag in Wien betonte
Erzbischof Franz Lackner, dass neben dem Krieg im Nahen Osten auch
andere Kriege und Konflikte nicht vergessen werden dürften. So wüte
etwa der Krieg gegen die Ukraine nun schon seit mehr als vier Jahren.
„Er ist und bleibt ein großes Unrecht, ein eklatanter Verstoß gegen
das Völkerrecht“, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Lackner
wörtlich: „Dieser Krieg darf nicht in Vergessenheit geraten! Ziel
muss ein gerechter und dauerhafter Friede sein.“
Mehr Bewusstsein für Christenverfolgung
Die Bischöfe hatten sich am Montag zum Auftakt ihrer Beratungen
in St. Johann bei Herberstein im Rahmen eines Studientages intensiv
mit dem Thema Christenverfolgung auseinandergesetzt. Sie mahnen nun
in einer weiteren Erklärung mehr Solidarität mit verfolgten und
diskriminierten Christen weltweit ein. Ihre Forderung richtet sich
sowohl an die Politik, wie auch an Verantwortliche in Kirche,
Religionen und Gesellschaft.
Eingehende Analysen zeigten, dass das Ausmaß der Verfolgung und
Diskriminierung von Christinnen und Christen in vielen Ländern
zugenommen habe. Die Bischöfe greifen darin auch die von Papst Leo
XIV. zuletzt verwendete Zahl von 380 Mio. betroffenen Christinnen und
Christen weltweit auf. Das Unrecht zu benennen, sei der erste
Schritt, um es zu überwinden, so die Bischöfe. Gefordert seien das
Gebet und konkrete Unterstützung, etwa durch Hilfswerke und Projekte
für verfolgte Christen. Es brauche mehr Bewusstsein für dieses
globale Problem.
Warnung vor „demografischem Winter“
Angesichts sinkender Geburtenzahlen, Vereinsamung und einem
drohenden „demografischen Winter“ rufen die katholischen Bischöfe in
einer weiteren Erklärung zu verstärkter Unterstützung von Familien
und einer kinderfreundlicheren Gesellschaft auf. „Wo Kinder
willkommen sind und Familien Rückhalt erfahren, wächst nicht nur
persönliches Glück und Lebenssinn, sondern auch Hoffnung auf ein
gesellschaftliches Leben im Miteinander und Füreinander“, heißt es in
der Erklärung wörtlich, in der die Bischöfe auch zu einer stärken
Väterbeteiligung bei der Care-Arbeit aufrufen.
Die Bischöfe mahnen weiters im Blick auf die geplanten
Budgetkonsolidierung besondere Rücksicht auf armutsgefährdete
Menschen ein. Ziel müsse bleiben, Armut zu verringern und den Druck
auf Betroffene nicht weiter zu erhöhen – auch auf internationaler
Ebene, so die Bischöfe in einer weiteren Erklärung. So plädiert die
Bischofskonferenz, bei Budgeteinsparungen im Rahmen der
Entwicklungszusammenarbeit „maßvoll“ vorzugehen, um bewährte und
international anerkannte Programme „nicht nachhaltig zu beschädigen“.
In einer weiteren Erklärung hoben die Bischöfe die Bedeutung und
Akzeptanz des konfessionellen Religionsunterrichts in Österreich
hervor. „Gerade in einer diversen Gesellschaft, in der es darum geht,
das Miteinander zu leben, ist er als Lernort für Pluralität
unverzichtbar“, so die Bischöfe. Mehr als 90 Prozent der katholischen
Schülerinnen und Schüler besuchen den Unterricht; knapp 40.000 melden
sich zum Freifach Religion an, obwohl sie keiner
Religionsgemeinschaft angehören.
„Der Heilige Geist überrascht“
Mit dem Satz „Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht
nicht aufhalten“ hatte der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl in seiner
Predigt beim Festgottesdienst im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung
für Aufsehen gesorgt. Er könne diesen Satz nur voll und ganz
unterstreichen, sagte am Freitag Erzbischof Lackner bei der
Pressekonferenz zum Abschluss der Vollversammlung. Es sei auch seine
Erfahrung, „dass der Heilige Geist überrascht“, wenn auch nicht immer
so, wie man dies vielleicht erwarten würde.
Auf das diese Woche veröffentlichte vatikanische Frauendokument
angesprochen, in der die Klärung der Frauenfrage in der katholischen
Kirche als dringlich beschrieben wird, sagte der Vorsitzende der
Bischofskonferenz, dass sich die Bischöfe damit noch nicht
eingehender hätten befassen können. Lackner sprach ganz grundsätzlich
von einem „organischen Wandlungsprozess“ und einem „ernst zu
nehmenden Aufbruch“, es gehe jedenfalls – wenn auch langsam – etwas
voran.
Wie Lackner weiter sagte, halte er die Frauenfrage derzeit für
dringlicher als etwa jene des Pflichtzölibats. Inwieweit es auch mehr
weibliche Beteiligung im Rahmen der Vollversammlungen der
Bischofskonferenz geben könnte, über die Einladung als Gäste oder
Expertinnen bei Studientagen hinaus, ließ Lackner – vorsichtig
optimistisch – offen.
„Mein eigener Wunschkandidat bin ich nicht“
Schließlich kam der Erzbischof auf Anfrage auch noch auf die
anstehende Wahl des Vorsitzenden der Bischofskonferenz für die
nächste Funktionsperiode zu sprechen. Die Wahl steht bei der
Sommervollversammlung im Juni in Mariazell an. „Mein eigener
Wunschkandidat bin ich nicht“, so Lackner wörtlich. Der Vorsitzende
werde aber gewählt und diese Wahl gelte es ernst zu nehmen. Er wolle
jedenfalls „verfügbar“ sein.
Abgesehen von der Wahl des Vorsitzenden haben die Bischöfe
bereits jetzt die inhaltlichen Zuständigkeiten innerhalb der
Bischofskonferenz für die nächsten fünf Jahre durch Wahl festgelegt
und auch neu geordnet. Die wichtigste Änderung betrifft demnach die
Schaffung von drei neuen „Bischöflichen Kommissionen“ für die
Bereiche „Pastoral und Liturgie“, „Gesellschaft und Soziales“ sowie
„Ökumene und Weltkirche“. Die komplette Übersicht über alle
Kommissionen, Referate bzw. die Zuständigkeiten und Mitgliedschaften
der einzelnen Bischöfe findet sich auf: www.bischofskonferenz.at.
Honorarfreie Bilder von der Vollversammlung der Bischofskonferenz
und von der Pressekonferenz unter www.kathpress.at/foto)
(Kathpress-Dossier zur Frühjahrsvollversammlung 2026 der
Bischofskonferenz abrufbar unter:
https://www.kathpress.at/goto/dossier/2561737)
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