Stabiler Anker trotz Rückgang: Gemeinnütziger Wohnbau behauptet sich in schwierigen Zeiten

Wien (OTS) – Der gemeinnützige Wohnbau erweist sich trotz eines
anhaltend
schwierigen Marktumfelds weiterhin als stabiler Anker der
Bauwirtschaft. Die aktuellen Ergebnisse der Schnellerhebung 2025
zeigen zwar einen Rückgang bei den Fertigstellungen, gleichzeitig
zeichnen sich jedoch erste Stabilisierungstendenzen ab. „Im Jahr 2025
wurden von den gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs) rund 11.900
Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht einem Rückgang von 13 %
gegenüber 2024. Dennoch muss betont werden, dass die gemeinnützigen
Bauvereinigungen der stabilisierende Faktor für die Baukonjunktur
waren und sind“, betont KR Mag. Michael Gehbauer bei der heutigen
Bilanzpressekonferenz des Verbandes der gemeinnützigen
Bauvereinigungen. „Gerade in wirtschaftlich volatilen Phasen zeigt
sich die besondere Rolle des gemeinnützigen Wohnbaus als
verlässlicher Partner für leistbares Wohnen. Während gewerbliche
Bauträger Projekte vielfach verschieben oder zurückstellen müssen,
sichern die gemeinnützigen Bauvereinigungen mit ihrer langfristigen
Ausrichtung Kontinuität in der Wohnbauleistung und tragen wesentlich
zur Stabilisierung des Marktes bei“, so
Verbandsobmannstellvertreterin Mag.a Isabella Stickler weiter.

Zwtl.: GBV-Marktanteil steigt deutlich

Während die Fertigstellungen rückläufig sind, zeigt sich bei den
Baubewilligungen ein differenziertes Bild: Der gewerbliche Sektor
verzeichnet einen deutlich stärkeren Einbruch als der gemeinnützige
Bereich. Dadurch ist der Marktanteil der GBVs bei Baubewilligungen im
Mehrgeschoßwohnbau auf über 50 % gestiegen. Für das Jahr 2026 wird
zwar noch ein weiterer moderater Rückgang auf etwa 11.000 bis 11.600
Fertigstellungen erwartet. Bereits ab 2027 zeichnet sich aber wieder
ein sanfter Aufwärtstrend ab.

Zwtl.: Investitionen bleiben auf hohem Niveau

Das Neubau-Investitionsvolumen wird für 2025 auf rund 2,7
Milliarden Euro geschätzt. Zusätzlich fließen etwa 1,7 Milliarden
Euro in Sanierung und Instandhaltung – ein klares Signal für die
anhaltende Bedeutung des gemeinnützigen Sektors.

Zwtl.: Krisen belasten leistbaren Wohnbau

Hohe Baukosten, fehlende Grundstücke und höhere Zinsen erschweren
die Bautätigkeit. Hinzu kommen neue Herausforderungen: „Zusätzlich zu
den wesentlichen Unsicherheiten kamen erst vor kurzem neue auf uns
zu. Die Auswirkungen des Nahostkonflikts und die damit einhergehenden
Energiekostensteigerungen sind derzeit noch nicht abschätzbar und
könnten die weitere Entwicklung maßgeblich beeinflussen“, so
Stickler.

Dringenden Handlungsbedarf gibt es auch beim seit Jahren
drängenden Thema Grundstücke. „Hier gibt es leider zu wenig Bewegung.
Leistbare Grundstücke sind das Fundament für leistbare Wohnungen.
Hier muss es den politischen Willen in Bund und Ländern geben, GBVs
den Zugang zu leistbaren Grundstücken zu ermöglichen. So sollten etwa
Grundstücke, die im Eigentum von Gebietskörperschaften stehen, für
leistbaren Wohnraum zur Verfügung gestellt werden“, fordert
Verbandsobmann Gehbauer.

Zwtl.: Deutlicher Anstieg bei Sanierungen

Die Zahl der thermisch sanierten Wohnungen ist 2025 mit rund
7.900 Wohnungen gegenüber dem Vorjahr (6.800) nochmals deutlich
gestiegen (+17%). Auch bei den Umstellungen auf klimafreundliche
Heizsysteme setzt sich der positive Trend der letzten Jahre fort und
diese erhöhten sich um weitere 6%. Sie lagen 2025 bei rund 6.900
Wohnungen, im Vergleich zu 6.600 im Jahr 2024. „Es zeigt sich einmal
mehr, dass die GBVs Vorreiter in Sachen Sanierung und
klimafreundlicher Heizsysteme sind. Wichtig ist aber vor allem in
Hinblick auf die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energien
(siehe die aktuelle Lage in Nahost), dass dieser eingeschlagene Weg,
nicht durch Förderkürzungen torpediert wird“, betont Michael
Gehbauer.

Neben seiner sozialen Funktion bleibt der gemeinnützige Wohnbau
damit auch ein zentraler Treiber der ökologischen Transformation im
Gebäudesektor. Die Rekordzahlen bei Sanierungen und
Heizungsumstellungen zeigen, dass Klimaschutz und leistbares Wohnen
kein Widerspruch sind, sondern gemeinsam gedacht werden können.

Zwtl.: Forderungen des Verbandes

Angesichts der aktuellen Herausforderungen am Wohnungsmarkt sieht
der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen dringenden
Handlungsbedarf. Innerhalb des Verbandes herrscht Einigkeit darüber,
dass konkrete politische und strukturelle Maßnahmen erforderlich
sind, um den negativen Entwicklungen wirksam entgegenzusteuern und
leistbaren Wohnraum langfristig abzusichern.

Der Verband fordert daher ein Bündel an zentralen Schritten:

– Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung:
Wohnbaufördermittel müssen wieder ausschließlich für den Wohnbau
eingesetzt werden, um gezielt Investitionen in leistbaren Wohnraum
sicherzustellen.

– Fördermittel für die Dekarbonisierung des Wohnbaus: Das Tempo ist
gut, muss aber noch gesteigert werden. Dazu sind ausreichend
Fördermittel erforderlich.

– Mobilisierung von öffentlichen Grundstücken für den gemeinnützigen
Wohnbau: Es braucht verstärkte Maßnahmen, um ausreichend verfügbare
und leistbare Bauflächen bereitzustellen.

– Aufbau alternativer Finanzierungsmodelle: Neue
Finanzierungsinstrumente sollen geschaffen werden, um durch eine
zusätzliche Finanzierungssäule den gemeinnützigen Wohnbau langfristig
abzusichern.

– Flächendeckende Widmungskategorien für gemeinnützigen Wohnbau:
Verbindliche Widmungskategorien in allen Bundesländern sind
notwendig, um ausreichend Flächen für den sozialen Wohnbau zu
gewährleisten.

„Nur mit entschlossenem Handeln können die Voraussetzungen
geschaffen werden, damit gemeinnütziger Wohnbau auch künftig seine
zentrale Rolle für leistbares Wohnen in Österreich erfüllen kann“,
betonen Obmann Gehbauer und Obmannstellvertreterin Stickler.

Zwtl.: Unterschiedliches Bild in den Bundesländern

In 4 der 9 Bundesländer ist im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr
ein Anstieg bei den Fertigstellungen zu verzeichnen (B, K, Sa, OÖ).
Alle Bundesländerangaben beziehen sich auf den Sitz der
Bauvereinigung, manche GBVs errichten auch in anderen Bundesländern
Wohnbauten. Beispielsweise hat eine GBV mit Sitz in Salzburg 120
Wohnungen in Wien errichtet, eine andere mit Sitz in Tirol hat 60
Wohnungen in Vorarlberg errichtet. Im mehrjährigen Durchschnitt
werden 94% aller GBV-Wohnungen im selben Bundesland gebaut, in dem
die Bauvereinigung ihren Sitz hat.

Die Fertigstellungen 2025, in Klammer Fertigstellung 2024 und die
Veränderung im Überblick:

– Burgenland: 940 (570 im Vorjahr +65%)

– Kärnten: 220 (180 im Vorjahr +22%)

– Niederösterreich: 1.560 (2.760 im Vorjahr -44%)

– Oberösterreich: 2.020 (1.890 im Vorjahr +7%)

– Salzburg: 1.300 (1.080 im Vorjahr +20%*)

– Steiermark: 820 (1.360 im Vorjahr -40%)

– Tirol: 1.200 (1.700 im Vorjahr -29%)

– Vorarlberg: 270 (290 im Vorjahr -7%)

– Wien: 3.580 (3.860 im Vorjahr -7%*)

Über GBVs
GBVs, kurz für Gemeinnützige Bauvereinigungen, sind Österreichs erste
Adresse für leistbares Wohnen. Mit rund 173 gemeinnützigen
Wohnbauträgern, über 1.000.000 zur Verfügung gestellten Wohnungen und
über 2.000.000 Bewohnerinnen und Bewohnern leisten sie Tag für Tag
einen wesentlichen Beitrag dafür, dass Wohnen in Österreich in Summe
leistbar ist und leistbar bleibt. So ist man auch Vorbild für ganz
Europa.

Fotos finden Sie auf www.gbv.at