Österreich (OTS) – Sie zählen zu den ökologisch wertvollsten und
zugleich bislang kaum
erforschten Gewässern in Österreich: alpine Kleinseen. Eine
umfassende Untersuchung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in
Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft (BAW) und dem
technischen Büro für Gewässerökologie blattfisch e.U. zeigt nun, wie
es um die Fisch- und Krebsbestände in acht ausgewählten ÖBf-Seen
steht. Während die Wissenschaftler*innen beobachteten, dass
ursprünglich vorkommende Fischarten zum Teil stark unter Druck
geraten, fielen die Ergebnisse zu den Edelkrebspopulationen
vielerorts sehr positiv aus.
„Die Bundesforste betreuen mehr als 70 Seen in Österreich. Unsere
Aufgabe ist es, diese Naturjuwele mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und
Tieren auch für kommende Generationen zu erhalten. Umso wichtiger
sind fundierte Daten, um ökologische Veränderungen frühzeitig zu
erkennen und gezielt Maßnahmen setzen zu können“, sagt Andreas
Gruber, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz. Für das
Forschungsprojekt fand über einen Zeitraum von rund drei Jahren an
den ÖBf-Gewässern Gleinkersee, Laudachsee, Offensee, Vorderer
Langbathsee (alle OÖ), Hintersee und Prebersee (beide Sbg.),
Erlaufsee (Stmk./NÖ) sowie am Afritzer See (Ktn.) ein aufwändiges
Monitoring statt.
Zwtl.: Wertvolle Rückzugsräume im Fokus
Große österreichische Seen werden im Rahmen der EU-
Wasserrahmenrichtlinie regelmäßig untersucht. Für viele alpine
Kleinseen mit einer Größe unter 50 Hektar fehlten bislang
vergleichbare Daten. Dabei sind diese sensiblen Ökosysteme wichtige
Rückzugsräume für heimische Arten und werden gleichzeitig vielfältig
genutzt, wie etwa durch den Tourismus oder die Fischerei. Ziel des
Projekts war es daher, diese Wissenslücke zu schließen, geeignete
Erhebungsmethoden zu erproben und wissenschaftliche Grundlagen für
die zukünftige Seenbewirtschaftung zu schaffen.
Zwtl.: Fischgemeinschaften im Wandel
Die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass sich die
Fischartengemeinschaften vieler alpiner Kleinseen stark verändern.
Ursprünglich vorkommende Arten wie Seesaibling, Seeforelle, Elritze
oder Koppe gehen in mehreren Gewässern zurück. Zugleich nehmen
ursprünglich nicht im See heimische Arten wie Flussbarsch oder
Rotauge vielerorts zu. Dies hat Auswirkungen auf
Konkurrenzverhältnisse und Räuberdruck, wodurch sich das ökologische
Gleichgewicht der Seen verändert. Besonders auffällig trat dies
beispielsweise am Afritzer See zutage: Dort wurde ein starker Zuwachs
an insgesamt sieben nicht im See heimischen Fischarten festgestellt –
darunter Aal, Sonnenbarsch und Zander. Die ursprüngliche Leitfischart
Laube konnte dagegen nicht nachgewiesen werden. Als Positivbeispiel
ist der Vordere Langbathsee hervorzuheben. Dort ergaben die
Untersuchungen einen außergewöhnlich starken Seesaiblingsbestand mit
erfolgreicher natürlicher Vermehrung sowie gute Bestände weiterer
typisch heimischer Fischarten wie z.B. der Elritze.
Die Ursachen für die Veränderungen in den Seen sind vielfältig.
Viele Entwicklungen gehen auf frühere Besatzaktivitäten zurück, bei
denen Fische zusätzlich in den See eingebracht wurden. Damals galten
andere Erkenntnisse und Bewirtschaftungsziele als heute. Gleichzeitig
begünstigt die Klimaerwärmung einzelne Raubfischarten wie Flussbarsch
oder Hecht, da diese an steigende Wassertemperaturen besser angepasst
sind als andere Arten. Zum Rückgang bestimmter Fischarten können je
nach See zu wenig geeignete Laichplätze oder fehlende
Wandermöglichkeiten über einmündende Bäche beitragen. „Insgesamt
zeigten die Ergebnisse, dass an mehreren Seen Handlungsbedarf besteht
– etwa durch Maßnahmen, die ursprünglich heimische Populationen und
ihre natürlichen Lebensräume gezielt fördern“, so Andreas Haas,
Fischereiexperte der Bundesforste.
Zwtl.: Edelkrebs: Gute Entwicklung an mehreren untersuchten Seen
Ein weiterer Fokus der Studie lag auf dem Edelkrebs, der in
Österreich stark zurückgegangen ist und zu den besonders gefährdeten
heimischen Flusskrebsarten zählt. Umso erfreulicher sind die
Ergebnisse zum Edelkrebsvorkommen an mehreren untersuchten Seen, die
stabile, sich natürlich reproduzierende Populationen zeigten. Neben
dem Vorderen Langbathsee ist hier besonders der Prebersee
hervorzuheben, dessen natürlicher Edelkrebsbestand zu den besten
Österreichs und darüber hinaus zählt. Auch Wiederansiedlungs- und
Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung: Im Gleinkersee, Offensee oder
Laudachsee konnten sich die Bestände nach früheren
Krebspestausbrüchen deutlich erholen. Damit eröffnen sich auch
Möglichkeiten für weitere Wiederansiedlungen in geeigneten Gewässern
– wie etwa im Erlaufsee, der sehr gute Lebensraumbedingungen für den
Edelkrebs vorweisen kann.
Zwtl.: Echolot, eDNA und Ringwade: So wurden die Seen erforscht
Um den Fischen und Krebsen auf die Spur zu kommen, kombinierten
die Expert*innen je nach Gewässer unterschiedliche
Untersuchungsmethoden. Neben Netz- und Elektrobefischungen kamen
beispielsweise wissenschaftliche Echolote zum Einsatz: Damit waren
die Forschenden per Boot im Zickzack-Kurs auf den Seen unterwegs. Das
Gerät sendet dabei Tausende Schallimpulse in die Tiefe des Sees, die
reflektierten Echos machen Fischbestände unter Wasser sichtbar und
eine Abschätzung der Gesamtmenge möglich. Bei der Fang-Markierung-
Wiederfang-Methode (CMR) wurden die Fische unter anderem mit
Ringwaden und Reusen gefangen, vermessen, mit winzigen
Farbmarkierungen gekennzeichnet, wieder freigelassen und später
erneut gefangen. So konnten Rückschlüsse auf Größe und Entwicklung
der Fischpopulationen gezogen werden. Zusätzlich kamen moderne eDNA-
Analysen zum Einsatz: Anhand kleinster DNA-Spuren wie etwa
Hautschuppen oder Stoffwechselprodukte im Wasser verraten sie, welche
Arten im See vorkommen. Die Ergebnisse zeigen, dass eDNA eine
wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Erhebungsmethoden darstellt:
Wiederholt konnten damit Fischarten nachgewiesen werden, die mit den
übrigen Methoden nicht erfasst wurden.
Auch das Alter der Fische wurde bestimmt: Bei Renken
beispielsweise lässt es sich – ähnlich wie bei Bäumen – an den
Jahresringen der Fischschuppen ablesen, bei Seesaiblingen geben die
nur wenige Millimeter großen Gehörsteinchen (Otolithen) Aufschluss
über Alter und Wachstum. Sämtliche Ergebnisse fließen in die
„Fischdatenbank Austria“ (FDA) des Bundesamtes für Wasserwirtschaft
ein und stehen damit auch künftig für weitere Forschung zur
Verfügung. Das Projekt wurde durch den Europäischen Meeres-,
Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) der Europäischen Union
gefördert.
Zwtl.: Von der Forschung in die Praxis
Die Ergebnisse des Monitorings bilden nun die Grundlage, um die
nachhaltige Bewirtschaftung der Seen gemeinsam mit den
Fischereipächtern weiterzuentwickeln. Geplant sind unter anderem
angepasste Fischereikonzepte, gezielte Schutzmaßnahmen für heimische
Arten sowie Maßnahmen gegen die Einschleppung invasiver Arten und
Krankheiten. Ein im Rahmen des Projekts entwickelter Leitfaden
unterstützt künftig dabei, für alpine Kleinseen je nach Gewässer und
Fragestellung die geeignete Kombination unterschiedlicher
Erhebungsmethoden auszuwählen. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die
heimischen Fisch- und Krebsbestände langfristig zu erhalten.
Pressefotos unter www.bundesforste.at