Sportbericht: Nationalrat diskutiert über den Einsatz der Bundesfördermittel im Jahr 2024

Wien (PK) – Beendet wurde der heutige Sitzungstag des Nationalrats
mit den
Sportvorlagen. Im Zentrum stand dabei die Diskussion um den aktuellen
Sportbericht, der einen Überblick über die für den Sport eingesetzten
Bundesmittel im Jahr 2024 gibt.

Einstimmig angenommen wurde eine Initiative der
Regierungsparteien zur Förderung moderner Sporttechnologie und
bestmöglicher Trainingsbedingungen für den Spitzensport. Alle
Fraktionen begrüßten das Engagement für die Verbesserung von
Rahmenbedingungen für den Leistungssport, um auch künftig
wettbewerbsfähig zu sein.

Um die Förderung und Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit
Behinderungen im Schulsport zu verbessern haben die Abgeordneten
ebenfalls einhellig für Weiterbildungsmaßnamen für das Lehrpersonal
votiert. Argumentiert wird, dass aktuell Kinder mit Behinderungen oft
vom Turnunterricht abgemeldet würden, weil sich das Lehrpersonal dem
inklusiven Sport nicht gewachsen fühle.

Von den anderen Fraktionen mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen
eine FPÖ-Forderung nach einer Reform der Bundessportförderung.
Dasselbe gilt für einen ebenfalls von den Freiheitlichen im Zuge der
Debatte zum Sportbericht eingebrachten Entschließungsantrag, in dem
der Sportminister zum Schutz des Frauensports aufgefordert wird, die
Teilnahmepflicht nach dem biologischen Geschlecht verbindlich zu
regeln.

Sportbericht gibt Überblick über Einsatz von Fördermitteln

Dem mehrheitlich zur Kenntnis genommenen Sportbericht zufolge
wurden im Jahr 2024 Bundesmittel in der Höhe von gesamt 225 Mio. Ꞓ
für den Sport aufgewendet. Sie teilten sich auf in 98 Mio. Ꞓ für die
allgemeine Sportförderung und Services, 120 Mio. Ꞓ für die besondere
Sportförderung sowie knapp 7 Mio. Ꞓ für die Bundessporteinrichtungen.
Kosten für Sportgroßprojekte entstanden im Jahr 2024 keine,
allerdings fanden mehrere Sportgroßveranstaltungen in Österreich
statt, darunter die Skiflug-WM, die Tischtennis-EM oder die Handball-
EM der Frauen.

Der Fokus der Förderprogramme des Bundes lag im Berichtszeitraum
auf den definierten Schwerpunktsportarten des aktuellen Olympiazyklus
bzw. jenen, die für die Aufnahme ins olympische Programm geplant
sind. Investiert wurde in den Nachwuchs und in Infrastruktur.
Sportwissenschaftliche Projekte wurden ebenso unterstützt wie
Breitensport, Inklusion, Nachhaltigkeitskonzepte,
Integrationsprojekte, Fair-Play-Initiativen sowie
Extremismusprävention. Ein Ressortschwerpunkt lag und liegt dem
Bericht zufolge weiterhin bei der Frauenförderung bzw. bei
Gleichstellungsprojekten. Die österreichische Sportlandschaft sei
immer noch stark männlich dominiert.

Debatte zum Sportbericht

Markus Leinfellner (FPÖ) sprach von einem „übersichtlichen
Bericht“, in dem sämtliche Maßnahmen des Bundes im Sportbereich
abgebildet seien. Der FPÖ-Mandatar übte aber auch Kritik an der
Schwarz-Grünen Vorgängerregierung, die den Sport genutzt habe, um
„Transgender-Wahnsinn“ und „Randgruppenprojekte“ umzusetzen. Dem
schloss sich Martin Graf (FPÖ) an, der Kritik an der Verteilung der
Sportfördermittel durch den ehemaligen Sportminister Werner Kogler (
Grüne) übte. Etwa durch die Finanzierung von Integrations-,
Migrations- und Gender-Projekten hätten die Grünen in ihrer
Regierungszeit mit dem Sport Gesellschaftspolitik gemacht, so Graf.

Rosa Ecker (FPÖ) warnte, dass immer öfter biologische Männer, die
sich als Frau identifizieren würden, im Frauensport antreten würden.
Hier brauche es eine „klare gesetzliche Regelung“ zum Schutz der
Frauen, was Ecker mit einem entsprechenden Entschließungsantrag
untermauerte.

Für Christoph Zarits (ÖVP) handelt es sich um einen Leistungs-
und Transparenzbericht, der einen Überblick „über die gesamte Palette
des österreichischen Sports“ gebe. Wichtig sei es, etwa die
Sportinfrastruktur und die Nachwuchskompetenzzentren in allen
Bundesländern weiter zu stärken. Die größte Stärke des Sports sei,
Menschen zu verbinden, betonte Kira Grünberg (ÖVP). Dieser baue
Brücken über Nationen, Generationen und Menschen mit und ohne
Behinderungen hinweg.

NEOS-Abgeordneter Janos Juvan vermisste in Bezug auf die
Sportstätten Transparenz im Sportbericht. So sei daraus keine
Gesamtanzahl der Sportanlagen in Österreich zu entnehmen. Diese
Situation müsse sich im nächsten Sportbericht ändern.

Sport sei ein „wichtiges Medium in der Gesellschaft, um Menschen
zusammenzubringen“, hielt Agnes Sirkka Prammer (Grüne) fest. Die
Grünen-Abgeordnete plädierte dafür, die begonnenen Projekte im
Bereich der Frauenförderung und der Inklusion weiterzuführen und zu
finanzieren.

Wie viele andere Abgeordnete auch, dankte Bernhard Höfler (SPÖ)
den Ehrenamtlichen im Sportbereich für ihr Engagement. Diese seien
zwar „unbezahlt aber unverzichtbar“ und „das Rückgrat des gesamten
Sports in Österreich“.

Schmidt: Wollen Sport für alle Menschen zugänglich machen

2024 sei etwa durch die Erfolge bei den Olympischen Sommerspielen
in Paris ein „außergewöhnliches Jahr“ für den heimischen Sport
gewesen, hielt Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt zum
Sportbericht fest. Auch die paralympischen Sportlerinnen und Sportler
hätten neue Maßstäbe gesetzt. Viele von ihrem Vorgänger gesetzten und
im Bericht festgehaltenen Maßnahmen plane man, „mit großem
Engagement“ weiterzuführen. Ganz oben auf der Agenda stehe dabei,
dass der Zugang zum Sport für alle Menschen, unabhängig ihrer
Herkunft oder ihres Alters, offen sein müsse. Auch Schmidt bedankte
sich bei den rund 600.000 Ehrenamtlichen im Sportbereich für ihr
Engagement. Was die tägliche Bewegungseinheit für Kinder betrifft,
zeigte sich die Staatssekretärin erfreut, trotz der angespannten
Budgetlage zusätzliche Mittel bereitgestellt zu haben. Dabei gehe es
darum, Kinder für Sport und Bewegung zu begeistern.

Bestmögliche Trainingsbedingungen für den Spitzensport

Einstimmig haben sich die Abgeordneten für die Förderung moderner
Trainingsbedingungen, für eine kontinuierliche Betreuung durch
hochqualifiziertes Fachpersonal sowie für die gezielte Förderung und
den Einsatz von Sporttechnologie ausgesprochen. Mit dem
entsprechenden Antrag von ÖVP, SPÖ und NEOS wird der für den Sport
zuständige Vizekanzler Andreas Babler ersucht, insbesondere für die
olympischen Sommersportverbände Bundesstützpunkte einzurichten. Im
Zuge dessen soll ein neues Förderprogramm etabliert und das Umfeld
der Athletinnen und Athleten optimiert werden, auch durch gezielte
Unterstützung von Technologieprojekten. Österreichs
Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sollten bestmögliche
Trainingsbedingungen zur Verfügung stehen, um auf höchstem Niveau
konkurrenzfähig zu bleiben, so der Antrag.

Christoph Zarits (ÖVP) zeigte sich über den einstimmigen
Beschluss erfreut. Bestmögliche Trainingsbedingungen und
Investitionen in die Sporttechnologie seien für Medaillengewinne
entscheidend.

Der Antrag ziele darauf ab, „dass der österreichische
Spitzensport auch künftig auf Augenhöhe mit den Besten der Welt“
bleibe, betonte auch Petra Tanzler (SPÖ). Technologie alleine gewinne
zwar keine Medaillen, sei aber ein Beitrag für nachhaltigen Erfolg.
Zudem wolle man die Bundesstützpunkte als „Kompetenzzentren des
Hochleistungssports“ gezielt weiterentwickeln.

Es sei gut, dass die Bundesregierung „in die Gänge“ komme, damit
die österreichischen Sportlerinnen und Sportler die bestmöglichen
Trainingsbedingungen vorfinden, hielt Markus Leinfellner (FPÖ) fest.
Das sah Manuel Pfeifer ähnlich. Die Politik müsse die bestmöglichen
Rahmenbedingungen für den Sport schaffen.

Obwohl im Antrag der Regierungsparteien nur dafür plädiert werde,
„das weiter zu unterstützen, was jetzt schon gut läuft“,
signalisierte Agnes Sirkka Prammer (Grüne) Zustimmung seitens ihrer
Fraktion.

Weiterbildungsmaßnamen für inklusive Pädagogik im Schulsport

Um die Förderung und Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit
Behinderungen im Schulsport zu verbessern, hat sich der Nationalrat
ebenfalls einhellig für Weiterbildungsmaßnamen für das Lehrpersonal
ausgesprochen. Argumentiert wird, dass aktuell Kinder mit
Behinderungen oft vom Turnunterricht abgemeldet würden, weil sich das
Lehrpersonal dem inklusiven Sport nicht gewachsen fühle. Zur
Förderung und Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit
Behinderungen im Schulsport sollten daher umgehend Aus- und
Weiterbildungsmaßnahmen für Bewegungs- und Sportlehrer:innen im
Bereich der inklusiven Pädagogik gesetzt werden. Basis für die
Entschließung bildete ein Antrag der Grünen , der gemeinsam von ÖVP,
SPÖ, NEOS und Grünen im Sportausschuss noch abgeändert wurde.

Agnes Sirkka Prammer (Grüne) zeigte sich über die
fraktionsübergreifende Zustimmung erfreut. Es gehe darum
Sportlehrerinnen und -lehrer zu ermutigen und strukturiert
auszubilden, um inklusiven Schulsport zu ermöglichen.

Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer seien wichtig, da diese
oft nicht wüssten, wie sie Kinder mit Behinderungen im
Sportunterricht einbinden könnten, betonte Heike Eder (ÖVP).

Dem schloss sich Fiona Fiedler (NEOS) an. Ihrer Fraktion, die in
der Bundesregierung für den Bildungsbereich zuständig sei, werde sich
darum kümmern, die geeigneten Rahmenbedingungen für inklusiven
Sportunterricht zu schaffen.

Inklusion dürfe kein „Anhängsel im Lehrplan“ sein, sondern müsse
zum Selbstverständnis jeder Sportausbildung werden, hielt Manfred
Sams (SPÖ) fest. Es gehe um den Abbau von Barrieren, damit im
Sportunterricht alle Kinder Platz haben können.

Für ihre Fraktion gehe es um Chancengleichheit, Zusammenhalt und
eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt, erklärte FPÖ-Mandatarin
Nicole Sunitsch. Neben der Bewegung bedeute Sport auch
„dazuzugehören“ und die Steigerung des Selbstvertrauens.

FPÖ-Reformvorschlag zur Bundes-Sportförderung

Von den anderen Fraktionen abgelehnt wurde hingegen die Forderung
der FPÖ nach einer Reform der Bundessportförderung. Die FPÖ
kritisiert in ihrem Entschließungsantrag , dass der organisierte
Sport beinahe 90 % der Fördermittel aus der Bundes-Sportförderung
erhalte. Die Verbände würden de facto Doppelförderungen aus der
„Allgemeinen Bundes-Sportförderung“ und der „Besonderen Bundes-
Sportförderung“ lukrieren. Vorgeschlagen wird, die geltenden
Förderrichtlinien so abzuändern, dass jene Einrichtungen, die über
die „Besondere Bundes-Sportförderung“ antragsberechtigt sind, nur
mehr in einem Ausmaß von maximal 20 % aus der „Allgemeinen Bundes-
Sportförderung“ Förderanträge stellen können.

Ein Eingriff in das Fördersystem komme für seine Fraktion nicht
in Frage, betonte Andreas Haitzer (SPÖ). Mit ihrem Antrag wolle die
FPÖ den Vereinen 70 % der Fördermittel streichen und somit drei
Millionen Vereinssportlerinnen und -sportlern das Geld entziehen, so
die Kritik Haitzers.

Eine Zustimmung zur FPÖ-Forderung würde den flächendeckenden
Ausbau der täglichen Bewegungseinheit schwächen, da die Dachverbände
als Umsetzer den Ausbau nicht selbst stemmen könnten, ergänzte
Christoph Zarits (ÖVP).

Mehr Gerechtigkeit bei der Sportförderung und der Abbau von
Doppelgleisigkeiten seien zwar begrüßenswert, NEOS-Mandatar Christoph
Pramhofer vermisste aber eine evidenzbasierte Grundlage im Antrag.
Statt „Überschriftenpolitik und Bauchgefühl“ brauche es eine
zielgerichtete und transparente Reform des Fördersystems.

Die von seiner Fraktion vorgeschlagene Reform der
Förderrichtlinien würde hingegen laut Markus Leinfellner (FPÖ)
Fördergerechtigkeit gegenüber dem nichtorganisierten Sport
herstellen. Denn aktuell sei es für den nicht organisierten Sport
schwierig, auf die Fördertöpfe zuzugreifen. Niemand in der FPÖ wolle
den Vereinen 70 % der Förderungen wegnehmen. So habe sich seine
Fraktion auch als einzige gegen eine Reduktion des Sportbudgets
ausgesprochen, argumentierte Leinfellner. (Schluss Nationalrat) med

HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können
auch via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand
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