Wien (OTS) – Barrierefreiheit und Inklusion sind in Österreich auch
2026 für viele
Menschen mit Behinderungen bzw. in vielen Bereichen des alltäglichen
Lebens nicht gegeben, wie der KOBV Österreich – Der
Behindertenverband anlässlich des Tages der Arbeit am 1. Mai und des
Tages der Inklusion am 5. Mai betont. Schlimmer noch: Sie stehen
angesichts der geplanten Sparmaßnahmen mehr denn je auf dem Spiel.
Der Grundstein für gesellschaftliche Teilhabe muss früh gelegt
werden, denn wie Menschen mit Behinderungen aufwachsen, hat einen
großen Einfluss auf ihre späteren Chancen am Arbeitsmarkt und damit
darauf, ob sie selbstbestimmt leben können. Am prominentesten zeigen
sich Konsequenzen fehlender Inklusion in den Zahlen des AMS: Die
Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen nahm in letzter Zeit
wieder stark zu. Die Wurzeln des Problems liegen im Bildungssystem.
Besuchen Kinder mit Behinderungen eine Sonderschule, werden sie
oftmals ausgeschlossen und schaffen den Einstieg in eine
weiterführende Ausbildung sowie in das Berufsleben häufig nicht. „Es
gibt immer noch zu viele Sonder- und zu wenige inklusive
Regelschulen“, betont Franz Groschan, Präsident des KOBV Österreich –
Der Behindertenverband. „Dabei wird Kindern mit Behinderungen in
inklusiven Regelschulen die Möglichkeit geboten, als der wichtige
Teil der Gesellschaft, der sie sind, anerkannt zu werden, und sie an
ein Umfeld, das sie in ähnlicher Form später im Berufsleben erwartet,
heranzuführen“, führt Groschan weiter aus.
Zwtl.: ATF als Wegbereiter für Inklusion
Am Arbeitsmarkt ist Inklusion durch die vorgesehenen
Sparmaßnahmen vonseiten der Bundesregierung gefährdet. So sollen
finanzielle Mittel beim Ausgleichstaxfonds (ATF) gekürzt werden.
Angekündigt ist, die Bundeszuschüsse ab 2027 und in den kommenden
Jahren schrittweise zu reduzieren. „Wird bei Arbeitsmarktprojekten
gespart, werden noch mehr Menschen mit Behinderungen keinen
Arbeitsplatz finden oder ihren verlieren. Das wäre eine Katastrophe,
denn die Berufstätigkeit und ein eigenes Einkommen inklusive
sozialversicherungsrechtlicher Absicherung sind ein wichtiger Teil
eines selbstbestimmten Lebens“, sagt Groschan. Eine steigende Anzahl
an arbeitslosen Menschen mit Behinderungen könne nicht im Interesse
eines Sozialstaates liegen.
Der KOBV Österreich – Der Behindertenverband drängt bereits seit
Jahren auf eine grundsätzliche Systemänderung der Ausgleichstaxe
zugunsten höherer Einnahmen des Fonds, da das aktuelle Modell einige
Probleme in sich birgt. „Der ATF muss endlich nachhaltig finanziell
abgesichert werden, um Inklusion zu ermöglichen. Wir akzeptieren
keine Sparmaßnahmen auf dem Rücken von Menschen mit Behinderungen;
weder beim ATF, noch bei der Sozialhilfe, dem Pflegegeld, bei
Pensionen und generell bei Leistungen im Gesundheitswesen“, stellt
der Präsident des KOBV Österreich – Der Behindertenverband, klar und
verweist mit großer Sorge auf Berichte, in denen weiteres
Einsparungspotenzial im Sozialbereich geortet wird. „Pflegegeld,
Pensionen und andere Zuschüsse werden ausbezahlt, um Menschen mit und
ohne Behinderungen ein selbstbestimmtes, leistbares Leben zu
ermöglichen. Wenn etwa die Valorisierung des Pflegegeldes und der
Pensionen ausgesetzt wird, bedeutet das, dass die finanzielle sowie
psychische Belastung noch stärker und Inklusion noch schwieriger
wird“, erklärt Groschan. Die Sparmaßnahmen stehen zudem in krassem
Widerspruch zum Prinzip der Solidarität und gefährden die Umsetzung
der UN-Behindertenrechtskonvention, die Österreich 2008 ratifiziert
hat.
Zwtl.: Stärkung der Rechtsstellung von BVP gefordert
Inklusion von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt kann
gelebte Realität sein, wie engagierte Behindertenvertrauenspersonen (
BVP) in Betrieben und Dienststellen zeigen. Der KOBV Österreich – Der
Behindertenverband betreut über sein Netz von aktuell rund 1.150 in
der Datenbank registrierten BVP in Unternehmen österreichweit
Arbeitnehmer:innen mit Behinderungen. „BVP nehmen die
wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen
Interessen von Menschen mit Behinderungen wahr, weil sie aus der
täglichen Praxis wissen, wo es Probleme bei der Inklusion am
Arbeitsplatz gibt und wie diese gelöst werden können“, beschreibt
Groschan.
Da BVP wesentlich zu einer gelungenen Teilhabe im Berufsleben
beitragen, ist die Stärkung der Rechtsstellung von BVP und deren
Stellvertreter:innen dem KOBV Österreich – Der Behindertenverband ein
großes Anliegen. Er fordert unter anderem die Schaffung eines
Vetorechts der BVP gegen Beschlüsse des Betriebsrates, die die
Interessen der Arbeitnehmer:innen mit Behinderungen beeinträchtigen,
und die Ermächtigung der BVP, Betriebsvereinbarungen in ihrem
Wirkungsbereich abzuschließen.
Über den KOBV:
Der KOBV Österreich – Der Behindertenverband setzt sich seit 1945
für die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit
Behinderungen ein. Unser Ziel ist eine barrierefreie, inklusive und
sozial gerechte Gesellschaft für alle.