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Sonntagsallianz: Freier Sonntag wichtig für stabile Demokratie

Wien (OTS) – Mit einem Festakt im Wiener Rathaus hat die „Allianz für
den freien
Sonntag Österreich“ am Donnerstag ihr 25-Jahr-Jubiläum gefeiert.
Gastgeber Bürgermeister Michael Ludwig konnte dazu zahlreiche
Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften und
zivilgesellschaftlicher Organisationen begrüßen. Das Jubiläumsfest
stand unter dem Motto „Demokratie braucht einen freien Sonntag!“ Die
Allianz setzt sich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags und den
Erhalt gemeinsamer freier Zeit als unverzichtbaren Bestandteil des
gesellschaftlichen Zusammenhalts ein. Ihr gehören mehr als 50
Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft
an.

Der freie Sonntag erinnere daran, dass der „Wert“ des Menschen
nicht von seiner Produktivität abhänge, betonte Bischof Wilhelm
Krautwaschl, kirchlicher Sprecher der Allianz, in seinem Grußwort. In
einer von überbordender Rasanz geprägten Zeit sei die Frage nach dem
freien Sonntag aktueller denn je. „Der Mensch lebt nicht allein von
Arbeit, Leistung und Erfolg. Er braucht Zeiten der Ruhe, der
Besinnung, der Begegnung mit den Mitmenschen und auch für die
Begegnung mit Gott, in dem alles begründet ist.“

„An diesem Tag dürfen wir innehalten und uns bewusst machen: Wir
sind mehr als Arbeitnehmerinnen, mehr als Konsumenten, mehr als
Menschen mit endlosen Aufgabenlisten. Wir alle sind Menschen mit
einer Würde, die über jede Leistung hinausgeht.“ Eine Gesellschaft,
die keine gemeinsamen Ruhezeiten mehr kennt, verliere zudem leicht
den Raum für echte Gemeinschaft „und driftet ab in die Einsamkeit“,
warnte der Bischof.

Krautwaschl strich zudem die Wichtigkeit regelmäßiger
Erholungsphasen heraus. Dauernde Belastung ohne ausreichende Ruhe
führe auf lange Sicht zu gesundheitlichen Problemen. Der freie
Sonntag sei deshalb nicht nur eine religiöse oder kulturelle
Tradition, „sondern auch ein Beitrag zur Gesundheit“, so Krautwaschl;
angesichts des belasteten Gesundheitssystems ein wichtiger Gedanke.
Der freie Sonntag sei daher „ein Geschenk für die Seele, für die
Familie, für die Gesellschaft und für unsere Gesundheit. Bewahren wir
ihn deshalb nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung.“

Philip Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz, betonte
die Rolle des Sonntags als jenen Tag, der das „Diktat des Marktes“
unterbreche. Daran hätten auch Digitalisierung, Onlinehandel und die
zunehmende Automatisierung nichts geändert. Gerade für Berufstätige
werde gemeinsame Freizeit leichter möglich, wenn möglichst viele
Menschen gleichzeitig frei hätten. Für diese Freiheit gelte es auch
weiterhin zu kämpfen, betonte Kuhlmann.

Rosenberger: Freie Zeit als „Ressource“ für Demokratie

Die Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger stellte in
ihrem Festvortrag den Zusammenhang zwischen gemeinsamer freier Zeit
und Demokratie in den Mittelpunkt. „Der arbeitsfreie Sonntag kann als
fördernder Rahmen gesehen werden, um die gesellschaftliche
Grundwährung der Demokratie, nämlich sozialer Zusammenhalt und
politisches Vertrauen, zu schaffen und zu stärken“, so Rosenberger.

Die seit 25 Jahren bestehende Allianz hingegen praktiziere, was
gegenwärtig so dringend nötig sei: „Menschen und Gruppen
unterschiedlicher politischer Orientierungen und Einstellungen
versammeln sich, um für ein gemeinsames Interesse öffentlich zu
argumentieren.“ Die einzelnen Organisationen der Allianz seien zudem
in allen geografischen Räumen aktiv, im Urbanen wie im Ländlichen.
Rosenberger: „Gerade im ländlichen Umfeld bekommen rechtsradikale
Kräfte für ihre ab- und ausgrenzenden Forderungen und Behauptungen
viel Zuspruch. Wahlergebnisse für rechtsradikale Parteien belegen,
dass Menschen in ländlichen Gebieten besonders anfällig für
autokratische Versprechen sind.“

Der freie Sonntag könne in diesem Sinn einen Rahmen für Begegnung
und gesellschaftliche Teilhabe schaffen, sagte Rosenberger. Er wirke
einer zunehmenden Beschleunigung des Alltags entgegen und erleichtere
persönliche Kontakte. Gerade angesichts von Einsamkeit und
schwindenden sozialen Bindungen sei das gesellschaftlich relevant.

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