Schweineskandal: VGT legt Ortsnachweise vor

Wien (OTS) – In Folge der gestrigen Skandal-Aufdeckung um eine der
größten
Schweinefabriken Österreichs behauptet der Betreiber der Anlage in
etlichen Medienberichten, dass er nicht bestätigen könne, ob die
Aufnahmen überhaupt aus seinem Betrieb stammen.
Die aufgedeckten Missstände sind allerdings weitreichend, die Behörde
hat Ermittlungen eingeleitet.

Zwtl.: Betriebsnummer auf Schweinen

Jeder landwirtschaftliche Betrieb in Österreich hat eine LFBIS-
Nummer (Land- und forstwirtschaftliches Betriebsinformationssystem).
Diese kann auf Dokumenten oder auch den Tieren selbst auftauchen,
z.B. in Form von Ohrmarken oder Schlachtstempeln („Tattoos“, die den
Tieren einige Wochen vor der Schlachtung auf die Haut geschlagen
werden). Im vorliegenden Aufdeckungsfall konnte die Betriebsnummer
1138481 an mehreren Stellen erkannt werden:

– Viehverkehrsschein mit LFBIS-Nummer und Betriebsnamen

– Ohrmarken von Ferkeln, Vormastschweinen, Mast- und Zuchttieren

– Schlachtstempel auf Mastschweinen

Aufnahmen von Dokumenten in der Zuchtanlage („Sauenkarten“, auf
denen Daten zum Mutterschwein und den Ferkeln festgehalten werden)
zeigen ebenfalls den Betriebsnamen.

Zwtl.: Videoaufnahmen ebenfalls verifiziert

Die Videoszenen , die etwa das Schlagen der Schweinemütter in den
Kastenständen oder das Urinieren auf Schweine zeigen, konnten durch
bauliche Merkmale und farbliche Markierungen auf den Schweinen
abgeglichen werden:

– Befestigung und Art des Beschäftigungsmaterials in der Mast

– Mast-Buchtenwände

– Blaue Farbsprays auf Schweinemüttern in Kastenständen

– Bauliche Gestaltung der Ferkelboxen

– Markante Silos, die in Videos sowie in der Drohnenaufnahme vom
Betrieb zu sehen sind

Diese Merkmale wiederum konnten mit den zuvor genannten
Nachweisen wie Ohrmarken oder Schlachtstempeln in etlichen Aufnahmen
zusammengeführt werden (vgl. Dokumentation Beweiskette ).

Zwtl.: VGT veröffentlicht in der Regel keine Namen

Der VGT hat die Betriebsnummer auf den Ohrmarken in der gestrigen
Veröffentlichung unkenntlich gemacht. „Dies ist die übliche
Vorgehensweise bei Aufdeckungen dieser Art, da es uns, anders als der
Betreiber medial behauptet, nicht darum geht, einzelne Menschen
vorzuführen. Wenn uns Tierquälerei und Tierleid gemeldet werden,
prüfen wir das Beweismaterial sorgfältig und geben es den Behörden
weiter – natürlich ohne Unkenntlichmachung“ , erklärt VGT-
Kampagnenleiter David Richter den Ablauf. „Vor allem aber wollen wir
die Öffentlichkeit über die Zustände aufklären – es besteht ein
öffentliches Interesse daran. Dafür werden Menschen und Betriebsnamen
unkenntlich gemacht.“

Zwtl.: Reaktion des Betreibers enttäuschend

Statt die vorhandenen Missstände einzuräumen, schießt der
Betreiber in öffentlichen Statements gegen den VGT. In diesem
Kurzvideo werden einige seiner bisherigen Aussagen mit der Realität
der Beweismittel kontrastiert. Man solle dem VGT „kein Gehör
schenken“, behauptet der Betreiber gegenüber dem ORF NÖ . In anderen
Aussagen diskreditiert er den VGT mit verleumderischen Bezeichnungen
.

„ Wir hoffen, dass der Betreiber und seine Mitarbeiter:innen
schnell einsehen, dass die Öffentlichkeit sich nicht für dumm
verkaufen lässt und Tierquälerei nicht mehr einfach so geleugnet
werden kann. Wir appellieren an die Verantwortlichen, die Missstände
umgehend zu beheben“ , so David Richter abschließend.

Der VGT hat die heutige Nationalratssitzung in Wien indes dafür
genutzt, um mit einer Protestaktion auf die Probleme in der
Schweinehaltung auf Vollspaltenboden aufmerksam zu machen.

Pressefotos zum Ortsnachweis
Pressefotos zum heutigen Protest in Wien
(beide Copyright: VGT.at)