Graz/Ljubljana (OTS) – Ein Meilenstein für den Schutz eines der
letzten großen frei
fließenden Flüsse Mitteleuropas: Die slowenische Regierung hat die
Konzession für Planung und Errichtung von acht geplanten
Wasserkraftwerken an der Grenze zur Steiermark mit Ende Jänner
endgültig widerrufen, berichtet die Naturschutzorganisation WWF. Dem
Energiekonzern „Slowenische Draukraftwerke Maribor“ wurde damit
formell jede Grundlage für den Bau neuer Staustufen entzogen. Der WWF
begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich und sieht den Weg frei für
eine rasche und ambitionierte Renaturierung der Mur im Rahmen des
künftigen EU-Wiederherstellungsplanes. „ Die slowenische Regierung
hat endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Damit setzt sie den Schutz der
frei fließenden Mur als Teil des UNESCO-Fünf-Länder-Biosphärenparks
Mur-Drau-Donau konsequent fort. Das ist ein starkes Signal für
kommende Generationen “, sagt Arno Mohl, Programmleiter Mur-Drau-
Donau beim WWF Österreich.
Das Aus für die Kraftwerkspläne – die der WWF gemeinsam mit
slowenischen Umweltverbänden, allen voran MojaMura und der
Gesellschaft für einheimische Fische Sloweniens, jahrelang bekämpft
hatte – wird am 14. Februar rechtskräftig. „Damit öffnet sich ein
historisches Fenster für die ökologische Verbesserung der Mur und
ihrer Auenlandschaften“, sagt WWF-Experte Arno Mohl. Erst im November
2025 hatten die Umweltminister Österreichs und Sloweniens, Norbert
Totschnig und Jože Novak, im steirischen Bad Radkersburg eine
Deklaration zur Renaturierung des Grenzflusses unterzeichnet.
Kern des Abkommens ist der „goMURa“-Managementplan, der dem Fluss
wieder mehr Raum für eine dynamische Eigenentwicklung geben soll.
„Ziel ist es, die Mur aus ihrem engen Korsett aus Wasserbausteinen zu
befreien, um damit die Flusssohle und den Grundwasserhaushalt zu
stabilisieren sowie den Hochwasserschutz zu stärken. Zugleich ergeben
sich neue Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und steigt
der Erholungswert des Flusses“, sagt Arno Mohl vom WWF.
Grenzmur in EU-Wiederherstellungsplan aufnehmen
Der entscheidende nächste Schritt ist die Übermittlung der
Wiederherstellungspläne von Slowenien und Österreich an die EU-
Kommission, in denen die Grenzmur als Teil der Planung berücksichtigt
ist. Das ist gemäß der EU-Renaturierungsverordnung bis spätestens
September 2026 verpflichtend. „Eine Priorisierung des gemeinsamen
Flusses auf EU-Ebene wäre auch finanziell sehr wichtig, gerade in
Zeiten knapper öffentlicher Budgets. Dazu sollten sich Österreich und
Slowenien rasch abstimmen“, appelliert WWF-Experte Arno Mohl.
„Allen Akteuren ist mittlerweile bewusst, dass die Eintiefung der
Flusssohle, das Absinken des Grundwasserspiegels, die Austrocknung
der Auwälder sowie der Verlust der artenreichen Fisch- und Vogelfauna
nur durch ambitionierte Renaturierungsmaßnahmen gestoppt werden kann“
so Mohl. Erste Maßnahmen, die im Rahmen des EU-kofinanzierten
Projekts „LIFE RESTORE for MDD“ an der Grenzmur in Österreich und
Slowenien umgesetzt werden haben bereits positive Folgen für
Artenvielfalt und Auwälder.
Die Mur-Auen in Österreich sind als UNESCO Biosphärenpark Unteres
Murtal geschützt. Dieser ist zentraler Bestandteil des weltweit
ersten grenzüberschreitenden Fünf-Länder Biosphärenparks Mur-Drau-
Donau – des größten zusammenhängenden Flussschutzgebiets
Mitteleuropas. Auf rund 930.000 Hektar und über 700 Kilometer
Fließstrecke setzen sich Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und
Serbien für den Erhalt dieses einzigartigen Naturraums ein – nicht
umsonst als der „Amazonas Europas“ bezeichnet.
Bilder zur redaktionellen Verwendung hier .
Link zum Offiziellen Beschluss der slowenischen Regierung =
Verordnung über das Außerkrafttreten der Verordnung über die
Konzession zur Nutzung von Wasser zur Erzeugung elektrischer Energie
auf einem Abschnitt des Wasserkörpers des Flusses Mur von Sladki Vrh
bis Veržej