Wien (OTS) – „Die von Staatssekretärin Königsberger-Ludwig ins Spiel
gebrachte
Aufstockung der Medizin-Studienplätze bedeutet noch lange nicht
automatisch mehr Ärzt:innen im System. Das zeigt auch die aktuelle
Beantwortung meiner Anfrage durch das Gesundheitsministerium –
genauso wie die Debatte der vergangenen Jahre – klar auf“, sagt der
Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner.
Tatsächlich sei der eigentliche Flaschenhals nicht das Studium,
sondern die postgraduale Ausbildung in den Spitälern. „Wir wissen
derzeit nicht einmal, ob alle genehmigten Ausbildungsplätze
tatsächlich in den Dienstpostenplänen der Krankenhäuser abgebildet
und besetzt sind. Wenn diese Plätze fehlen, brauchen wir uns nicht
wundern, wenn Jungärzt:innen ihre Ausbildung im Ausland machen“,
meint Schallmeiner.
Schallmeiner fordert daher, zuerst das Ausbildungssystem selbst
in Ordnung zu bringen: „Bevor wir über mehr Studienplätze reden,
müssen wir sicherstellen, dass die vorhandenen Ausbildungsplätze auch
real existieren und nicht zweckentfremdet werden. Wir müssen das
starre Ausbildungsschema bei vielen Fächern, den 1:1-Schlüssel,
endlich hinterfragen und flexiblere Modelle ermöglichen. Ebenso
braucht es moderne Arbeitszeitmodelle und eine stärkere
Attraktivierung der Ausbildung, damit Mediziner:innen im Land bleiben
und nicht nach Deutschland oder in die Schweiz abwandern.“ Als
möglichen Hebel dafür sieht Schallmeiner die Finanzierung der
Spitäler: „Wir sollten jene Häuser belohnen, die ihre
Ausbildungsplätze auch wirklich ausschöpfen und sich um
Studienabsolvent:innen bemühen, und die Finanzierung teilweise an
diese Ausbildungsbereitschaft koppeln. Nur so schaffen wir
Verbindlichkeit.“
Darüber hinaus erinnert Schallmeiner daran, dass das
Gesundheitssystem nicht allein auf Ärzt:innen beruht: „Wir brauchen
endlich mehr Mut zum Kompetenzshift – mehr Verantwortung für Pflege,
MTD-Berufe, Sanitäter:innen und andere Gesundheitsberufe. Es darf
nicht sein, dass zentrale Reformen wie die Modernisierung des
Sanitätergesetzes oder ‚Impfen in Apotheken‘ durch berufsständische
oder machtpolitische Blockaden aufgehalten werden. Wenn sogar die
Mitarbeit des trägerunabhängigen Bundesverband Rettungsdienste (BVRD)
dem Vernehmen nach durch andere Systempartner in Frage gestellt wird,
dann schrillen die Alarmglocken. Ein modernes Gesundheitssystem lebt
von Teamarbeit.“
Die von Staatssekretärin Königsberger-Ludwig präsentierten
weiteren Vorhaben – vom Ausbau von 1450 über PVEs bis hin zu
Facharztzentren – sind aus Sicht der Grünen relevant und wichtig. Es
braucht jedoch auch dort ein genaueres Hinschauen. „Wenn 1450 von
jedem Bundesland anders aufgesetzt wird, dann bringt das am Ende den
Patient:innen auch wieder nicht die nötige Qualität. Ebenso dürfen
sich die Fehler von Rot-Schwarz im Jahr 2017 beim
Primärversorgungsgesetz nicht wiederholen. Bekanntlich funktioniert
das PrimVG erst seit der von uns Grünen betriebenen Reparatur 2023“,
mahnt Schallmeiner ein.