Wien (OTS) – „Wenn fast sieben von zehn Menschen der Politik nicht
mehr zutrauen,
das Gesundheitssystem ordentlich zu reformieren, dann ist das ein
massiver Vertrauensverlust und ein klarer Auftrag zum Handeln“,
reagiert der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner, auf
die aktuelle Umfrage des Austrian Health Forum. Die Menschen würden
längst spüren, dass das derzeitige System immer öfter vom Wohnort,
vom Einkommen oder vom persönlichen Netzwerk abhängt. „Ob schnelle
Termine, Kassenplätze oder gute Versorgung: Für viele Menschen fühlt
sich Gesundheit mittlerweile wie ein Postleitzahlen-Bingo an. Genau
das darf in einem solidarischen Gesundheitssystem niemals passieren.“
Die Umfrage zeige aber auch, dass die Menschen deutlich offener
für moderne und neue Versorgungswege seien als manche politischen
Blockierer:innen oder Systemerhalter. „Die Bevölkerung ist oft längst
weiter als manche Funktionär:innen, die noch immer ihre eigenen
Zuständigkeiten, Partikularinteressen und Schrebergärten verteidigen.
Die Menschen wollen kein Kompetenz-Pingpong zwischen Bund, Ländern
und Sozialversicherung. Sie wollen schlicht gute Versorgung“, sagt
Schallmeiner. Dafür brauche es endlich eine echte Gesundheitsreform
aus einem Guss: mit starker Primärversorgung, modernen
Gesundheitsberufen, klarer Patientensteuerung, verbindlicher
Prävention, multiprofessionellen Teams und bundesweit vergleichbaren
Standards statt regionaler Zufälligkeiten.
„Die einzige Leitlinie einer Gesundheitsreform darf nicht sein,
welche Institution gerade welche Macht oder welches Budget
verteidigt. Die einzige Leitlinie müssen die Patient:innen und
Versicherten sein. Politik muss beweisen, dass Gesundheitsversorgung
auch anders organisiert werden kann: solidarisch, modern und ohne
permanentes Gegeneinander im System“, hält Schallmeiner fest.
Eine klare Absage erteilt Schallmeiner daher auch der erneuten
Forderung nach Ambulanzgebühren: „Ambulanzgebühren lenken nicht
Patient:innenströme. Sie separieren in Arm und Reich. Wer genug Geld
hat, zahlt einfach. Wer wenig hat, überlegt sich zweimal, ob er
medizinische Hilfe in Anspruch nimmt. Das ist keine
Gesundheitssteuerung, sondern soziale Selektion.“ Gerade angesichts
steigender Wahlarztkosten und wachsender Zusatzversicherungen wäre
das ein weiterer Schritt in Richtung Zwei-Klassen-Medizin.
Schallmeiner verweist in diesem Zusammenhang auch auf die morgige
Präsentation des Buchs „Patienten stehen im Mittelpunkt. Aber dort
stehen sie im Weg“ zum Thema Gesundheitsmythen, bei der unter anderem
mit der Erzählung aufgeräumt wird, Ambulanzgebühren würden Versorgung
verbessern oder Spitäler entlasten. „Viele dieser vermeintlich
einfachen Lösungen halten einer seriösen Betrachtung schlicht nicht
stand. Wer das Gesundheitssystem retten will, braucht echte
Strukturreformen und keine Maßnahmen auf dem Rücken jener Menschen,
die ohnehin schon unter Druck stehen.“