Rückegassen in Wäldern erholen sich nur langsam – Bodengesundheit nach fast zwei Jahrzehnten weiterhin beeinträchtigt

Wien (OTS) – Auch nach fast 20 Jahren sind die Folgen von
Forstmaschinen noch
messbar: Eine aktuelle Studie in Soil Biology and Biochemistry zeigt,
dass sich Bodenstruktur und Regenwurmpopulationen in verdichteten
Rückegassen – den Fahrspuren von Holzerntemaschinen – nur teilweise
erholen. Zwar ist die oberste Bodenschicht nach knapp zwei
Jahrzehnten wieder weitgehend intakt, darunter verlaufen die
natürlichen Erholungsprozesse jedoch deutlich langsamer.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, die
Befahrung von Waldböden auf ein Minimum zu reduzieren und auf
dauerhaft festgelegte Rückegassen zu konzentrieren“, sagt Erstautor
Maximilien Behringer, Doktorand an der BOKU University.

Für die Untersuchung arbeiteten Forschende der BOKU, der
Agroscope Reckenholz (Schweiz) und der KU Leuven (Belgien) zusammen.
Sie verglichen Rückegassen unterschiedlichen Alters – frisch befahren
und 18 Jahre alt – mit unbefahrenen Waldflächen in der Flyschzone des
Wienerwalds. Flysch ist eine Gruppe oft tonreicher Sedimentgesteine,
die sich in Österreich vom Bregenzerwald bis in den Wienerwald
erstreckt. Die daraus entstehenden Böden gelten als besonders
empfindlich: Unter dem Druck von schweren Erntemaschinen wie
Harvester und Forwarder werden sie leicht verdichtet.

Diese Verdichtung verändert zahlreiche zentrale
Bodeneigenschaften. Sie beeinträchtigt nicht nur die Bodenstruktur (
die räumliche Anordnung der Bodenbestandteile), sondern auch die
Lebensraumfunktion für Tiere wie Regenwürmer. Ist der Boden einmal
verdichtet, kann er wichtige Aufgaben im Ökosystem – etwa
Wasseraufnahme, Gasaustausch oder das Bereitstellen von Lebensraum
für Wurzeln und andere Bodenorganismen – nur noch stark eingeschränkt
erfüllen.

Um diese Effekte sichtbar zu machen, nutzten die Forschenden zwei
Ansätze: Sie erfassten die Regenwurmpopulationen vor Ort und die
Bodenstruktur mithilfe von dreidimensionaler Röntgentomographie an
Proben, die vorsichtig aus dem Boden entnommen wurden. Die Ergebnisse
zeigen drastische Folgen direkt nach der Befahrung: Auf den
Rückegassen waren fast keine Regenwürmer mehr zu finden, und die
Bodenstruktur war stark verändert. In 5 Zentimetern Tiefe blieb nur
etwa ein Viertel der groben Poren, die in den Röntgenaufnahmen
sichtbar sind, erhalten. In 15 Zentimetern Tiefe war es sogar weniger
als ein Sechstel. Diese groben Poren sind besonders wichtig für die
Wassereinsickerung und die Belüftung des Bodens. Zudem veränderte
sich die Ausrichtung der Poren: Aus einem ursprünglich gut
vernetzten, ungerichteten System wurde eine horizontal ausgerichtete,
nahezu undurchlässige Schicht. Dadurch bleibt dem Bodenleben im
wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg.

In den Bodenflächen, die sich 18 Jahre von der Befahrung erholen
konnten, zeigte sich ein gemischtes Bild: Die obersten 5 Zentimeter
hatten sich weitgehend erholt, doch in 15 Zentimetern Tiefe waren die
negativen Veränderungen noch klar nachweisbar. Interessanterweise
waren in den 18 Jahre alten Rückegassen sogar mehr Regenwürmer zu
finden als auf den unbefahrenen Kontrollflächen. Grund dafür ist,
dass die verdichtete tiefere Schicht Wasser staut und so für höhere
Feuchtigkeit sorgt. Gleichzeitig sammelt sich in den eingetieften
Fahrspuren mehr Laub an – eine Nahrungsquelle für Regenwürmer.
Lediglich die Anzahl tiefgrabender Regenwurmarten blieb reduziert.

„In alten Rückegassen bildet sich zwar eine biologisch sehr
aktive Schicht direkt unter der Oberfläche, doch die tieferen
Schichten bleiben verdichtet und beeinflussen den Oberboden
weiterhin“, so Behringer. „Das macht deutlich, wie lange die Effekte
der Befahrung nachwirken.“ Deshalb empfehlen die Forschenden, die
befahrene Fläche so klein wie möglich zu halten, ein festes Netz an
Rückegassen zu verwenden und bei nassen Bedingungen besonders
vorsichtig zu sein. Wo möglich, sollte der Ernteeinsatz auf Zeiten
mit trockenen Bodenverhältnissen verschoben oder auf bodenschonende
Seilgeräte zurückgegriffen werden. Nur so lassen sich langfristige
Schäden vermeiden, die Bodengesundheit erhalten und die Produktivität
sowie ökologischen Funktionen der Wälder sichern.

Zur Studie:

A long road to soil health restoration: earthworms and soil
structure show partial recovery in 18-year-old forest skid trails
https://doi.org/10.1016/j.soilbio.2025.109953

Gefördert durch den Österreichischen Waldfonds mit Unterstützung
des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und
Wasserwirtschaft, Förderungsnummer 101724.

Fotos:
©BOKU / Max Behringer
https://bokubox.boku.ac.at/#c381ff24260ece257a4ef53469138b04

Wissenschaftlicher Kontakt:

DI Maximilian Behringer
Institut für Waldökologie sowie
Institut für Alpine Naturgefahren
BOKU University
E-Mail: maximilian.behringer(at)boku.ac.at
Tel.: +43 1 47654 91200