Regionalkultur versus Fußballkultur

St. Pölten (OTS) – Ob 11 Fußballspieler eines Teams über den grünen
Rasen stürmen, ob
eine Musikschulband sich zu musikalischen Höhen aufschwingt oder eine
Künstlergruppe an einem gemeinsamen Projekt arbeitet: Sie alle sind
auf der Jagd nach dem perfekten Zusammenspiel . Sie alle haben den
Zug aufs Tor, wenn es um Engagement, Beherztheit und Gemeinsamkeit
geht. Sie alle sind begeistert bei der Sache – ob das Ergebnis nun
ein Sieg ist, ein gelungener Auftritt oder eine gut besuchte
Ausstellung.

Im Juni und Juli feiert die Fußballkultur Hochsaison, wenn Groß
und Klein die Fußball-WM mitverfolgt. Mit mehr als 500 Vereinen und
2.000 Mannschaften hat der Fußball in Niederösterreich eine Kraft,
die sich mit einer weiteren, tief verankerten Kultur vereint: der
Regionalkultur mit mehr als 250.000 Akteurinnen und Akteuren ,
darunter mehr als 63.000 Musikschülerinnen und Musikschüler, 1.400
Chöre und Vokalensembles, tausende Bands und Tanzgruppen, 800 Museen
und Sammlungen, 260 Büchereien. Wiewohl Fußballkultur und regionale
Kultur auf den ersten Blick unterschiedlich sind, vereint sie
einiges: Die einen tragen Tracht, die anderen Trikot. Die einen jagen
gemeinsam das runde Leder über den Rasen, die anderen verfolgen in
Bands, Musikschul- oder Künstlergruppen ihr künstlerisches Ziel. Und:
Kulturakteurinnen und -akteure greifen ebenso zur Tröte wie
Fußballfans in den Regionen kulturell engagiert sind.

Zwtl.: Regionalkultur und Fußballkult mit Josef Pröll, Irene
Fuhrmann…

Den Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Spielarten der
Breiten- und Alltagskultur in Niederösterreich widmet sich die
Kultur.Region.Niederösterreich anlässlich der Fußball-WM mit der
sportlichen Begegnung „Regionalkultur versus Fußballkultur“ am
Dienstag, 26. Mai , ab 14.30 Uhr (Einlass ist ab 13.30 Uhr) im NV-
Forum in der Neue Herrengasse 10 im Landhausviertel St. Pölten. Bei
der Diskussionsrunde dabei: ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll
, Diözesanbischof Alois Schwarz , UEFA-Beauftragte Irene Fuhrmann
sowie Volkskultur Niederösterreich-Geschäftsführer Harald Froschauer
. Eine Keynote zum Thema wird Brigitta Schmidt-Lauber , Vorständin
des Instituts für Europäische Ethnologie an der Uni Wien, halten. Mit
von der Partie ist Kabarettist, Musiker und Schauspieler Markus
Linder . Anmeldung für die Diskussionsveranstaltung „Regionalkultur
versus Fußballkultur“ ist erbeten: [email protected]

„Der Fokus wird sich in den nächsten Wochen bei vielen Menschen
auf die Fußball-WM konzentrieren. Wir wollen bewusst einen anderen
Ansatz wählen. Was verbindet? Was trennt? Was bleibt?“, betont
Kultur.Region.Niederösterreich -Geschäftsführer Martin Lammerhuber .
„Regionalkultur und Fußballkultur verbindet der Gemeinschaftsgeist,
die Nachwuchsarbeit, das Fairplay, die Freiwilligenarbeit. Beide
Bereiche würden ohne die vielen Freiwilligen nicht funktionieren.“

Zwtl.: Trikots und Trompeten, Musikschule und Stadion

„Elfmeter“ für die Regionalkultur: Die Leidenschaft beim
Anfeuern, die Identifikation mit den Akteuren am Feld und das
Engagement etwa beim Organisieren eines Public Viewing-Events sind
es, die auch dem kulturellen Engagement in den Regionen zugrunde
liegen. Da sind die heimlichen Geschwister Fußball und Regionalkultur
einander sehr ähnlich: Emotion und Engagement, Freude und Feuer,
Identifikation und Idealismus.

Auch in der Regionalkultur kommt es etwa bei Bewerben zum Messen
der Kräfte, und auch beim Phänomen Fußball geht es um die Pflege
einer Art der Kultur. Für den einen haben Trachtenanzüge, Band-Shirts
und Trompeten einen hohen Stellenwert, für den anderen wiederum
Trikots, Fahnen und Tröten. Fußball wird in den Regionen bereits im
jungen Alter gespielt und zelebriert, ebenso wie das Mitwirken in der
Blasmusikkapelle, der Gang zur Musikschule und das Engagement bei
Bräuchen, Proben und Auftritten. Das Stadion der Kulturakteurinnen
und Kulturakteure ist das Bühnenwirtshaus, die Galerie, die Leseecke,
der Gemeindesaal, die Musikschule, das Museum. Das kulturbewusste
Publikum der Kickerinnen und Kicker ist die treue Fanschar, die mit
ihnen eine gemeinsame Liebe für den Sport pflegt.

Keineswegs kurz kommen darf beim Vergleich der nur scheinbar
ungleichen Geschwister das soziale Engagement . Von klein auf lernen
die Fußballerinnen und Fußballer von morgen, was es bedeutet, sich in
einer Gruppe zu bewegen, miteinander auf ein Ziel zuzusteuern und
füreinander einzustehen. Von klein auf nehmen Musikschülerinnen und
Musikschüler aufeinander Rücksicht, fügen sich in Melodie, Rhythmus,
Tempo und Darbietung ein. Und feiern Erfolge immer gemeinsam, weil
bei beiden niemand im Abseits stehen muss.