Wien (OTS) – Seit 25. August tagt die „Reformpartnerschaft“ auch im
Bereich
Bildung – Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern, Gemeinden
und Städten treffen sich regelmäßig, um gemeinsam für ein gerechtes
und chancenorientiertes Bildungssystem zu sorgen, das alle Kinder
fordert und fördert, niemanden zurücklässt und sie bestmöglich auf
die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet. Um das zu erreichen,
sollen klare Verantwortlichkeiten und verlässliche Strukturen im
Bildungssystem geschaffen werden – vom Kindergarten bis zur
Oberstufe.
Die Arbeitsgruppe Elementarpädagogik diskutiert zur Zeit intensiv
über Maßnahmen im Bereich bundesweiter Mindeststandards in der
Elementarpädagogik, der Schaffung von Synergien zwischen Kindergarten
und Schule und der Bündelung des gesamten Schulpersonals in einer
Hand, wodurch mehr Effizienz und klare Ansprechpartner entstehen.
Es wurden daher fünf Untergruppen gebildet, die sich mit
folgenden zentralen Fragen befassen:
1. Wie gestaltet sich die Finanzierung des schulischen und
elementarpädagogischen Personals in Österreich derzeit und wie können
wir mehr Überblick gewinnen?
2. Wie können bundesweit einheitliche Berufsbilder in der
Elementarpädagogik ausschauen?
3. Wie sichern wir ab, dass es bundesweit einheitliche
Qualitätsstandards gibt?
4. Gibt es in der Finanzierung Optimierungsmöglichkeiten?
5. Wie kann die Kompetenzzersplitterung zwischen Bund, Länder und
Gemeinden hinsichtlich des Personals an Schulen effizienter gelöst
werden?
Um diese Fragen zu klären, wurde eine Personalkostenerhebungs-
Studie beauftragt und mehrere Untergruppen gebildet, die sich
intensiv mit der Ausarbeitung möglicher Modelle auseinandersetzen.
Zudem wurden weitere Untergruppen zu den Themen Schulautonomie
und digitaler Schulverwaltung gestartet. Auch hier werden bis zum
Sommer Ergebnisse ausgearbeitet.
Für die Arbeitsgruppe Elementarpädagogik gilt das Ziel, die
Elementarpädagogik als erste Bildungseinrichtung zu stärken. Dabei
geht es konkret um folgende Themen:
– Der Bildungsrahmenplan und dessen Bildungsinhalte werden gemeinsam
mit den Ländern erarbeitet und sollen bundesweit verbindlich als
Mindeststandards gelten. Zu diesen festgelegten Qualitätsstandards
soll es eine einheitliche Datenerhebung und Qualitätssicherung geben.
– Es soll bundesweit einheitliche Mindeststandards in der Ausbildung
für das pädagogische Personal (Leitung, Elementarpädagoginnen und –
pädagogen sowie Assistenzkräfte) geben. Wichtig ist, dass dabei
sichergestellt wird, dass Assistenzkräfte auch zwischen den
Bundesländern ihren Arbeitsplatz wechseln können.
– Zentral ist der Übergang vom Kindergarten zu Volksschule: Die
Mitwirkung bzw. die Einbeziehung der Elementarpädagoginnen und –
pädagogen ist dabei wesentlich. Darüber hinaus soll die Datenübergabe
zwischen Kindergarten und Schule vereinfacht werden.
– Die Sprachförderung soll einen bundesweit verbindlichen
Qualitätsstandard darstellen, wobei die bisher geltenden Standards
übernommen bzw. weitergeführt werden sollen.
– Regelungen für das im Regierungsprogramm verankerte zweite
verpflichtende Kindergartenjahr werden ausgearbeitet und
konkretisiert.
Dazu Bildungsminister Christoph Wiederkehr : „Ich bin stolz und
dankbar, dass die Reformpartnerschaft Bildung so konstruktiv
zusammenarbeitet. Wir alle sind uns einig, dass es eine gemeinsame
Kraftanstrengung braucht, um die beste Bildung für unsere Kinder –
vom Kindergarten bis zur Schule – möglich zu machen. Im Bereich der
Elementarpädagogik haben wir schon viel Einigkeit erzielen können und
bringen damit auch ganz wesentliche Verbesserungen für die Kleinsten
im Land auf den Weg gebracht. Es ist mir sehr bewusst, dass wir noch
einen weiten Weg vor uns haben, aber ich bin auch sehr
zuversichtlich, dass wir gemeinsam die dringend notwendigen Reformen
umsetzen werden.“
Generalsekretär und Bildungssprecher Nico Marchetti: „Die
Ressourcen im Bildungsbereich müssen so eingesetzt werden, dass sie
unmittelbar den Kindern zugutekommen. Die Elementarpädagogik als
erste Bildungseinrichtung legt das Fundament für Chancengerechtigkeit
und nachhaltigen Erfolg. Deshalb braucht es mehr Effizienz, kluge
Synergien und gemeinsame Strukturreformen, um echten Aufschwung
möglich zu machen. Der Reformwille ist da, die Zusammenarbeit aller
Partner ist gut und konstruktiv, wir konnten in der
Elementarpädagogik bereits erste Konsenspunkte finden. Ich bin
zuversichtlich, dass wir auch im Schulbereich gute Ergebnisse
erzielen können. Das oberste Ziel besteht darin, dass Kinder am Ende
ihrer Schullaufbahn sicher lesen, schreiben und rechnen können und
zugleich unsere österreichische Lebensart vermittelt bekommen. Auch
wenn noch ein Stück Weg vor uns liegt, gehen wir ihn gemeinsam und
entschlossen.“
SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer ergänzt: „Kinderbildung ist
die wichtigste Investition für die Zukunft. Egal ob bei der
Sprachförderung oder beim sozialen Lernen: Umso früher wir unseren
Kindern die beste Bildung bieten, desto größer sind ihre Chancen auf
ein gutes und sicheres Leben. Dafür tragen nicht nur die Eltern große
Verantwortung, sondern auch die Politik. Wir wollen unseren Teil
leisten und in der Reformpartnerschaft die elementare Bildung weiter
stärken. Dazu gehört, dass wir über bessere Ausbildungsbedingungen
für pädagogisches Personal diskutieren, die Sprachförderung stärken
und die Details zum zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr klären.“
Niederösterreichs Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-
Hofmeister: „Ich begrüße ausdrücklich den gemeinsamen Reformwillen,
den Bund, Länder, Städte und Gemeinden im Rahmen der
Reformpartnerschaft Bildung endlich an den Tag legen. Gerade im
Bildungsbereich ist es entscheidend, dass Reformen nicht Selbstzweck
sind, sondern konsequent die Kinder sowie die Beschäftigten in
Kindergärten und Schulen in den Mittelpunkt gestellt werden. Ebenso
wichtig sind spürbare Verwaltungsvereinfachungen, damit mehr Zeit für
pädagogische Arbeit bleibt. Niederösterreich zeigt im Bereich der
Elementarpädagogik seit Jahren, wie qualitätsvolle Weiterentwicklung,
klare Standards und gute Rahmenbedingungen für Pädagoginnen und
Pädagogen gelingen können. Im Schulbereich müssen wir den nächsten
Schritt setzen und die Verwaltung noch näher an die Schulen bringen.
Schulautonomie stärken, klare Zuständigkeiten und weniger Bürokratie
sind zentrale Voraussetzungen, um Direktionen und Lehrkräfte
nachhaltig zu entlasten und die Bildungsqualität weiter zu stärken.“
Der Kärntner Bildungslandesrat Peter Reichmann dazu: „Gerade die
Elementarpädagogik ist der Schlüssel für mehr Chancengerechtigkeit,
und deshalb ist es wichtig, bundesweit klare Qualitätsstandards,
bessere Übergänge zwischen Kindergarten und Volksschule sowie
effizientere Strukturen zu schaffen. Kärnten hat in vielen Bereichen
bereits früh wichtige Schritte gesetzt – etwa bei der Stärkung der
Sprachförderung, beim Ausbau qualitätsvoller Kinderbildungsangebote
und bei der engeren Zusammenarbeit zwischen elementaren
Bildungseinrichtungen und Schulen. Diese Erfahrungen bringen wir
aktiv in die Reformpartnerschaft ein. Unser Ziel ist klar: Ein
modernes, durchgängiges Bildungssystem, das jedes Kind bestmöglich
unterstützt und allen bestmögliche Startchancen bietet.“
Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl: „Kindergarten und Schule
sind Ankerpunkte für die Menschen in ihren Heimatgemeinden. Wir
arbeiten an bundesweiten Mindeststandards damit sich alle – von
Vorarlberg bis ins Burgenland – auch auf einheitlich gute
Bildungsergebnisse verlassen können. Bei der lokalen Ausgestaltung
und Organisation braucht es aber auch in Zukunft viel Flexibilität.
Schließlich geht´s in den Gemeinden und vor allem bei der
Elementarpädagogik darum, auf Eltern- und Kinderbedürfnisse aber auch
die finanziellen Möglichkeiten optimal zu reagieren. Mehr Qualität
entsteht ja nicht durch mehr Formulare, um es am Beispiel
Kindergarten festzumachen, sondern durch mehr Zeit am Kind vor Ort.
Und das ist mit klaren Mindeststandards aber einheitlicher
Umsetzungsverantwortung aus einer Hand vor Ort in den Gemeinden
möglich.“
Bernhard Auinger, Vertreter für den Österreichischen Städtebund:
„Gute Bildung ist die Grundlage für Chancengerechtigkeit und ein
starkes gesellschaftliches Miteinander. Die Reformpartnerschaft gibt
uns die Möglichkeit, unser Bildungssystem gemeinsam zukunftsfit zu
gestalten, bestmögliche Förderung für unsere Kinder zu gewährleisten
und Städte sowie Gemeinden als starke Bildungsorte
weiterzuentwickeln.“