Wien (OTS) – Seit einigen Monaten gelten bei den Krankenkassen
strengere
Regelungen für die Bewilligung von Krankentransporten. Seither werden
Krankentaxis vielfach nicht mehr oder nur noch unter deutlich engeren
Voraussetzungen übernommen. Für viele ältere Menschen bedeutet das,
dass sie notwendige Fahrten zu Ärztinnen und Ärzten, Facharztterminen
oder Therapien selbst bezahlen müssen – oft mit erheblichen
finanziellen Folgen. Zwei aktuelle Fälle von PVÖ-Mitgliedern aus
ländlichen Regionen stehen stellvertretend für viele Betroffene in
ganz Österreich. Besonders dort, wo öffentliche Verkehrsmittel nur
eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind, bedeutet der Weg zur
medizinischen Versorgung für viele Pensionistinnen und Pensionisten
eine enorme finanzielle und körperliche Belastung. „Pensionisten sind
nicht die Bankomaten der Krankenkassen. Es kann nicht sein, dass
ausgerechnet kranke ältere Menschen die Zeche für Sparmaßnahmen
bezahlen müssen. Wer medizinische Versorgung braucht, darf nicht
daran scheitern, dass der Weg zur Ärztin oder ins Krankenhaus
unbezahlbar wird“, kritisiert PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. ****
Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) fordert daher die
Krankenkassen und die Bundesregierung auf, die Einschränkungen bei
der Kostenübernahme von Krankentaxis zurückzunehmen. Notwendige
Fahrten zu medizinischen Behandlungen müssten wieder flächendeckend
von den Krankenkassen übernommen werden, wenn Betroffene aufgrund
ihres Gesundheitszustandes oder fehlender Mobilitätsalternativen den
Weg nicht selbst bewältigen können.
Zwei Beispiele stehen für viele Betroffene
Eine Pensionistin, die auf einen Rollator angewiesen ist, schafft
nur kurze Wegstrecken. Hausarzt, Krankenhaus und mehrere Fachärzte
sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln entweder gar nicht oder nur
unter größten Schwierigkeiten erreichbar. Für sie bedeutet der
Wegfall der Kostenübernahme zusätzliche Ausgaben von bis zu 150 Euro
für einen einzigen Arzttermin. Mit ihrer geringen Pension sind diese
Kosten auf Dauer schlicht nicht finanzierbar. Eine weitere
Pensionistin ist nach mehreren Stürzen kaum noch mobil und benötigt
derzeit regelmäßig Infusionsbehandlungen. Bereits der Weg zum
Hausarzt ist nur mit dem Taxi möglich und verursacht bei jedem
Arztbesuch zusätzliche Kosten. Facharzttermine sind für sie seit der
Änderung der Krankentransport-Regelung praktisch nicht mehr
wahrnehmbar.
„Das sind leider keine Einzelfälle. Diese beiden Beispiele stehen
für viele ältere Menschen, die uns berichten, dass sie notwendige
Arzttermine verschieben oder ganz absagen müssen, weil sie sich die
Anreise schlicht nicht mehr leisten können“, so Gerstorfer.
Ländlicher Raum besonders benachteiligt
Besonders hart treffen die neuen Regelungen ältere Menschen im
ländlichen Raum. Wo Busse nur selten fahren, Haltestellen weit
entfernt sind oder medizinische Einrichtungen ohne Auto kaum
erreichbar sind, ist ein Krankentaxi häufig die einzige realistische
Möglichkeit, ärztliche Versorgung in Anspruch zu nehmen. „Nicht jede
Pensionistin und nicht jeder Pensionist hat Angehörige, Nachbarn oder
Freunde, die als Fahrdienst einspringen können. Viele ältere Menschen
leben allein oder ihre Familien wohnen weit entfernt. Es darf nicht
vom familiären Umfeld abhängen, ob jemand eine notwendige Behandlung
wahrnehmen kann“, betont Gerstorfer.
Gesundheitsversorgung ist Aufgabe des Sozialstaates
Für den PVÖ sind die Einschränkungen bei den Krankentransporten
kein Einzelfall, sondern Teil einer besorgniserregenden Entwicklung.
Immer mehr Kosten werden auf Patientinnen und Patienten abgewälzt –
ausgerechnet auf jene Menschen, die besonders häufig medizinische
Leistungen benötigen. „Die ältere Generation wurde in den vergangenen
Monaten bereits mehrfach zur Kasse gebeten: durch höhere
Krankenversicherungsbeiträge, steigende Selbstbehalte und den Wegfall
beziehungsweise die Einschränkung wichtiger Leistungen. Die
Verschärfung bei den Krankentaxis ist ein weiterer Schritt in die
falsche Richtung. Das ist sozial ungerecht und widerspricht dem
Grundgedanken unseres solidarischen Gesundheitssystems.“ Der PVÖ
fordert daher eine Rückkehr zu einer patientenorientierten Regelung
bei den Krankentransporten. Es sei eine Kernaufgabe des Staates,
allen Menschen einen flächendeckenden und gleichberechtigten Zugang
zur medizinischen Versorgung zu gewährleisten – unabhängig vom
Wohnort und unabhängig von der finanziellen Situation.
Pensionist*innen sind nicht die Bankomaten der Krankenkassen
„Gesundheit darf keine Frage der Geldbörse sein. Wer sein Leben
lang Beiträge geleistet hat, muss sich darauf verlassen können,
medizinische Versorgung auch tatsächlich in Anspruch nehmen zu
können. Der Staat hat die Verantwortung, diesen Zugang überall in
Österreich sicherzustellen – gerade auch in Regionen mit schlechter
öffentlicher Verkehrsanbindung. Pensionisten sind nicht die
Bankomaten der Krankenkassen. Sie dürfen nicht länger durch höhere
Krankenversicherungsbeiträge, steigende Selbstbehalte,
Leistungskürzungen und die Einschränkung notwendiger
Krankentransporte zusätzlich belastet werden“, so Gerstorfer
abschließend.