Wien (OTS) – Mit 1. Oktober 2026 beginnt ein neues Kapitel in der
österreichischen
Psychotherapieausbildung: Erstmals startet das ordentliche
Masterstudium Psychotherapie an öffentlichen Universitäten. Damit
wird ein zentraler Teil der mit dem Psychotherapiegesetz 2024 neu
geregelten Ausbildung Realität – und die Psychotherapie als
eigenständige wissenschaftliche Disziplin universitär verankert.
Die neue Ausbildung umfasst drei aufeinander aufbauende
Abschnitte: Nach einem einschlägigen ersten Ausbildungsabschnitt
folgt das Masterstudium Psychotherapie mit mindestens 120 ECTS. Daran
schließt die mehrjährige postgraduale psychotherapeutische
Fachausbildung an. Mit dem Wintersemester 2026/27 stehen
österreichweit 500 Studienplätze an öffentlichen Universitäten zur
Verfügung.
Zwtl.: Meilenstein für Ausbildung und Wissenschaft
Die Umsetzung der neuen Ausbildung ist das Ergebnis einer
langjährigen Zusammenarbeit von Politik, Ministerien, Universitäten,
Berufsvertretungen, Wissenschaft und psychotherapeutischen
Fachgesellschaften.
Eva-Maria Holzleitner, BSc, Bundesministerin für Frauen,
Wissenschaft und Forschung, betont die Bedeutung des neuen Studiums
für den Hochschulstandort und die Weiterentwicklung der
Psychotherapieausbildung: „Mit dem neuen Masterstudium Psychotherapie
holen wir einen Teil der Ausbildung dorthin, wo sie hingehört: an die
öffentlichen Universitäten. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr
Qualität, für mehr Chancengerechtigkeit und für die psychische
Gesundheitsversorgung in Österreich. Denn eine hochwertige Ausbildung
darf nicht vom Geldbörserl abhängen. Mit 500 öffentlich finanzierten
Studienplätzen kommen wir dem einen Schritt näher und investieren
damit auch in die Psychotherapeut:innen, die wir in Zukunft dringend
brauchen.“
Für die Universitäten war der Aufbau des neuen Studiums mit
umfangreichen Vorbereitungen verbunden. Curricula, Aufnahmeverfahren,
Lehrangebote und neue organisatorische Strukturen mussten innerhalb
kurzer Zeit entwickelt und umgesetzt werden.
Univ.-Prof. in Dr. in Christa Schnabl, Vizerektorin für Studium
und Lehre an der Universität Wien führt an: „ Nach einer intensiven
gemeinsamen Vorbereitungsphase freue ich mich besonders, dass nun die
ersten Studierenden ihr Masterstudium Psychotherapie beginnen. Damit
schaffen wir einen neuen universitären Ausbildungsweg, der
Wissenschaft und Praxis eng miteinander verbindet. Dass dies
gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien und in enger
österreichweiter Abstimmung gelungen ist, zeigt die Stärke
universitärer Kooperation. Gerade angesichts der wachsenden Bedeutung
psychischer Gesundheit wollen und müssen Universitäten einen Beitrag
leisten – mit Forschung, wissenschaftlich fundierter Lehre und einer
qualitätsvollen Ausbildung der Psychotherapeut:innen von morgen.“
Zwtl.: Psychotherapie wird akademisch
Mit dem neuen Studium erhält Psychotherapie einen eigenen Platz
in universitärer Lehre und Forschung. Das Studium verbindet
Grundlagen aus Psychotherapie, Psychologie und Medizin mit spezifisch
psychotherapeutischen Konzepten und praxisnaher Ausbildung – von
therapeutischen Gesprächstechniken bis zu Praktika in psychiatrischen
und psychosomatischen Einrichtungen.
„ In Zukunft werden alle Psychotherapeut:innen ein eigenes
akademisches Studium durchlaufen, wo sie ein breites Wissen und
Kompetenzen in der wissenschaftlichen Erforschung ihres Faches
erwerben “, erklärt Univ.-Prof. Dr. Stephan Doering,
Curriculumsdirektor des Masterstudiums Psychotherapie der
Medizinischen Universität Wien.
Besonders wichtig sei dabei auch der Übergang vom Studium in den
dritten Ausbildungsabschnitt bei den psychotherapeutischen
Fachgesellschaften. Damit werden universitäre Wissenschaft und
Forschung mit der praktischen und methodenspezifischen Fachausbildung
verbunden.
Zwtl.: Auf 35 Jahren Qualität aufbauen
Für den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP)
bedeutet die Akademisierung keinen Neubeginn, sondern eine
Weiterentwicklung: Psychotherapie hat sich in Österreich in den
vergangenen 35 Jahren in privaten und öffentlichen Hochschulen sowie
außeruniversitärer Einrichtungen zu einem eigenständigen und
hochqualifizierten Gesundheitsberuf entwickelt. Mit den 500
Studienplätzen, die aus öffentlicher Hand finanziert werden, bekommt
die Psychotherapie als gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf eine
zentrale Basis an den öffentlichen Universitäten.
„ Was hier gelingt, ist weit mehr als die Reform eines
Ausbildungsweges. Wir schaffen gemeinsam die Grundlage dafür, dass
Psychotherapie auch für kommende Generationen ein wissenschaftlich
fundierter, qualitativ hochwertiger und gleichzeitig praxisnaher
Gesundheitsberuf bleibt “, betont Mag. a Barbara Haid, MSc,
Präsidentin des ÖBVP.
Eine zentrale Rolle übernehmen auch künftig die
Psychotherapeutischen Fachgesellschaften, die den dritten,
postgradualen Ausbildungsabschnitt tragen. „ Wir brauchen beides: die
Stärke universitärer Wissenschaft und Forschung und die
jahrzehntelang gewachsene psychotherapeutische Expertise der
Fachgesellschaften. Entscheidend wird sein, diese Bereiche zu einem
durchgängigen und qualitativ hochwertigen Ausbildungsweg zu verbinden
“, so Haid.
Zwtl.: Gute Ausbildung ist Versorgungspolitik
Mit dem Start des Masterstudiums ist ein entscheidender Schritt
geschafft. Nun müssen die Voraussetzungen für den dritten
Ausbildungsabschnitt geschaffen werden. Dazu gehören insbesondere
ausreichend Fachausbildungsplätze und Beschäftigungsverhältnisse für
Psychotherapeut:innen in Fachausbildung unter Lehrsupervision sowie
die notwendigen sozialversicherungs- und krankenanstaltenrechtlichen
Rahmenbedingungen.
„ Wer morgen ausreichend Psychotherapie anbieten will, muss heute
in Ausbildung investieren. Ausbildungspolitik ist deshalb immer auch
Versorgungspolitik. Der Start des Masterstudiums ist ein Meilenstein
– aber kein Schlusspunkt “, betont Haid.