Wien (OTS) – Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet: Laut
Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in Europa etwa jeder sechste
Mensch betroffen. Umso wichtiger sind Prävention und frühzeitiges
Erkennen. Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10.
Oktober fordert die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP), diese Bereiche stärker in
Forschung und Versorgung zu verankern.
„Prävention in der Psychiatrie ist mehr als die allgemeine
Förderung psychischen Wohlbefindens. Wir müssen mit
wissenschaftlichen Methoden untersuchen, welche Maßnahmen tatsächlich
wirksam sind, für wen sie wirken und zu welchem Zeitpunkt sie
eingesetzt werden sollten“, betont Prim. Dr. Christian Korbel,
Präsident der ÖGPP.
Zwtl.: Präventionsforschung aus Österreich
Aktuelle Studien aus Österreich zeigen, wie unterschiedlich
psychiatrische Prävention ansetzen kann. Eine Arbeit von Stephan
Listabarth und Kolleg:innen untersuchte die Bedeutung von Vitamin B1
(Thiamin) für die kognitive Leistungsfähigkeit von Menschen mit
Alkoholabhängigkeit. Die Ergebnisse fanden Eingang in Empfehlungen
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Reduktion des Risikos für
kognitiven Abbau und Demenz.
Einen psychosozialen Ansatz untersuchten Tonja Ofner und
Kolleg:innen im Rahmen der österreichischen „Frühen Hilfen“.
Evaluiert wurden niedrigschwellige Angebote für psychisch belastete
Mütter in Tirol und Wien. Dabei zeigten sich Verbesserungen bei
Depressions- und Angstsymptomen; zugleich wurden Barrieren wie
Sprachhürden und begrenzte Kapazitäten sichtbar. Die Studie
unterstreicht damit auch die Bedeutung der wissenschaftlichen
Evaluation bestehender Präventionsangebote.
Zwtl.: Forschung stärken – wirksame Angebote in die Versorgung
bringen
Österreich verfügt über innovative Forschungsprojekte und
Präventionsangebote. Was fehlt, ist eine langfristige politische
Strategie, die Prävention und Früherkennung als eigenständige
Forschungsfelder stärkt und ihre systematische Weiterentwicklung
ermöglicht. Dazu braucht es auch eine gezielte Stärkung der
Forschungsförderung.
„Präventionsforschung darf nicht bei einzelnen Pilotprojekten und
zeitlich begrenzten Initiativen stehen bleiben. Wir brauchen in
Österreich gezielte Forschungsprogramme, die untersuchen, welche
Maßnahmen tatsächlich wirken, welche Risikogruppen erreicht werden
und wie erfolgreiche Ansätze dauerhaft in die nationale Versorgung
integriert werden können“, betont Korbel.
Zwtl.: Weiterführende Informationen:
Zitierte Studien:
Listabarth et al.:
https://academic.oup.com/alcalc/article/58/3/315/7080424
Ofner et al.: https://link.springer.com/article/10.1186/s13690-
026-02062-3
WHO-Empfehlung:
https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/ea44b7f6-b09f-4e6f-
b8c7-2e5b0fcc9a99/content
Fachliche Rückfragen zu Früherkennung und Prävention:
Assoc.Prof. in Priv.Doz. in Dr. in Nilufar Mossaheb, M.Sc
[email protected]
Leiterin Arbeitsgemeinschaft Früherkennung psychiatrischer
Erkrankungen der ÖGPP