Wien (OTS) – Wien (ots)
– 4.722 Privatkonkurse im ersten Halbjahr 2026 – Plus 4,8 Prozent
gegenüber dem Vorjahr
– Hohe Lebenshaltungskosten und steigende Arbeitslosigkeit belasten
private Haushalte
– CRIF erwartet zweithöchsten Stand an Privatkonkursen der
vergangenen zehn Jahre
Die Zahl der Privatkonkurse in Österreich ist im ersten Halbjahr
2026 weiter gestiegen. Das zeigt die aktuelle Halbjahresanalyse des
Informationsdienstleisters CRIF, der die Entwicklung des
Insolvenzgeschehens laufend analysiert und wirtschaftliche Trends
einordnet.
Insgesamt wurden 4.722 Privatkonkurse registriert. Das entspricht
einem Anstieg von 217 Fällen beziehungsweise 4,8 Prozent gegenüber
dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auf Basis der aktuellen
Entwicklung erhöht CRIF seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 von
bisher 9.000 auf bis zu 9.500 Privatkonkurse. Sollte diese Prognose
eintreffen, wäre dies der zweithöchste Wert der vergangenen zehn
Jahre. Lediglich 2018 wurden mit 10.062 Privatkonkursen noch mehr
Verfahren eröffnet. Dieser Höchststand ist allerdings nur
eingeschränkt mit der aktuellen Entwicklung vergleichbar. Er war
maßgeblich auf die Insolvenzrechtsreform 2017 zurückzuführen, die
2018 einen deutlichen Nachholeffekt auslöste.
Finanzielle Belastung bleibt hoch
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass sich die finanzielle
Situation vieler privater Haushalte trotz einer zuletzt rückläufigen
Inflation nicht nachhaltig entspannt hat. Hohe Lebenshaltungskosten,
steigende Arbeitslosigkeit und anhaltende wirtschaftliche
Unsicherheiten setzen viele Menschen weiterhin unter Druck. „Die
Entwicklung der Privatkonkurse ist ein wichtiger Indikator für die
finanzielle Situation privater Haushalte. Unsere aktuellen Analysen
zeigen, dass viele Menschen trotz einer leicht rückläufigen Inflation
weiterhin unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Steigende
Fixkosten und die höhere Arbeitslosigkeit führen dazu, dass
finanzielle Reserven zunehmend aufgebraucht sind und unerwartete
Belastungen immer häufiger zu einer Überschuldung führen“, erklärt
Anca Eisner-Schwarz , Geschäftsführerin von CRIF Österreich.
Die Ursachen für Privatinsolvenzen sind nach wie vor vielfältig.
Neben Arbeitslosigkeit oder dauerhaft geringen Einkommen zählen
gescheiterte Selbstständigkeit, familiäre Veränderungen wie Trennung
oder Scheidung, gesundheitliche Probleme sowie ein langfristig nicht
tragbares Konsumverhalten zu den häufigsten Auslösern. „Eine
Privatinsolvenz ist meist nicht die Folge eines einzelnen
Ereignisses. Häufig treffen mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig
aufeinander. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten fehlt
vielen Haushalten der finanzielle Spielraum, um solche Entwicklungen
rechtzeitig abzufedern“, so Eisner-Schwarz .
Oberösterreich verzeichnet stärksten Anstieg
Regional entwickelte sich die Zahl der Privatkonkurse
unterschiedlich. Den stärksten Anstieg verzeichnete Oberösterreich:
Dort stieg die Zahl der eröffneten Privatkonkurse von 664 auf 773
Fälle (+16,4 Prozent). Auch in Niederösterreich nahm die Zahl
deutlich zu – von 622 auf 708 Verfahren (+13,8 Prozent) -, ebenso in
der Steiermark, wo 487 Privatkonkurse registriert wurden, nach 436 im
Vergleichszeitraum (+11,7 Prozent). Weitere Zuwächse gab es in
Vorarlberg (+10,5 Prozent), dem Burgenland (+7,8 Prozent) und
Salzburg (+7,1 Prozent). Rückläufig entwickelte sich die Zahl der
Privatkonkurse hingegen in Kärnten (-6,6 Prozent), Wien (-2,0 Prozent
) und Tirol (-0,9 Prozent). Mit insgesamt 1.591 eröffneten
Privatkonkursen bleibt Wien trotz des leichten Rückgangs das
Bundesland mit den meisten Verfahren, gefolgt von Oberösterreich und
Niederösterreich.
Wien weist höchste Insolvenzdichte auf
Auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt Wien weiterhin
deutlich an der Spitze. Mit 79,3 Privatkonkursen je 100.000 Einwohner
weist die Bundeshauptstadt die höchste Insolvenzdichte Österreichs
auf. Dahinter folgen Vorarlberg mit 61,8 sowie Kärnten mit 54,5
Privatkonkursen je 100.000 Einwohner. Österreichweit liegt der
Durchschnitt bei 51,5 Fällen je 100.000 Einwohner.
Die meisten Privatkonkurse wurden im ersten Halbjahr 2026 erneut
bei den 40- bis 49-Jährigen registriert. In dieser Altersgruppe stieg
die Zahl auf 1.335 Fälle (+ 7,2 Prozent). Auch bei den 50- bis 59-
Jährigen (+ 6,8 Prozent), den über 60-Jährigen (+ 6,1 Prozent) sowie
den 30- bis 39-Jährigen (+ 2,0 Prozent) nahmen die Fallzahlen zu.
Lediglich bei den 18- bis 29-Jährigen war ein leichter Rückgang um
2,4 Prozent zu verzeichnen.
CRIF erhöht Prognose für das Gesamtjahr
Auf Basis der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und der
laufenden Analyse des Insolvenzgeschehens rechnet CRIF nun mit bis zu
9.500 Privatkonkursen im Gesamtjahr 2026.
„Privatinsolvenzen bilden wirtschaftliche Entwicklungen häufig
erst mit zeitlicher Verzögerung ab. Aus heutiger Sicht sehen wir
daher noch keine nachhaltige Entspannung. Vielmehr gehen wir davon
aus, dass sich die anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen auch in
den kommenden Monaten in den Insolvenzzahlen widerspiegeln werden“,
sagt Eisner-Schwarz .
Neue gesetzliche Rahmenbedingungen
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird auch die
geänderte Rechtslage die weitere Entwicklung beeinflussen. Seit Mitte
Juli gilt für Privatinsolvenzen wieder eine fünfjährige
Entschuldungsdauer. Die zuvor befristete Möglichkeit, sich bereits
nach drei Jahren zu entschulden, ist damit ausgelaufen. Welche
Auswirkungen diese Änderung auf die Zahl der Privatkonkurse haben
wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
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Über CRIF
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Niederlassungen in über 35 Ländern auf vier Kontinenten. Im Fokus der
Unternehmensgruppe steht der Schutz und die Stärkung der lokalen
Wirtschaft. CRIF setzt auf datenbasierte Lösungen für Identitäts- und
Risikomanagement, Betrugsvermeidung und Nachhaltigkeit. Handel,
Banken, Versicherungen, Zahlungsanbieter und damit auch
Konsument:innen werden durch die Lösungen von CRIF geschützt und
gestärkt. CRIF vereint das Beste aus zwei Welten: innovative
Technologie mit vertrauenswürdigen Informationen sowie Analytics und
Consulting. CRIF, lizenzierter Tool-Partner der GRI (Global Reporting
Initiative), gestaltet die Zukunft von Unternehmen durch innovative
Lösungen, die weit über eine umfassende wirtschaftliche Stärkung
hinausgehen. Als Teil der CRIF-Gruppe ist CRIF Ratings eine von der
ESMA zugelassene Ratingagentur. www.crif.at