Wien (OTS) – Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl hat in der
ORF-Pressestunde
seinen Vorschlag bekräftigt, bis zu 80 Prozent der 13. und 14.
Pension von Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern für die
Finanzierung der stationären Pflege heranzuziehen, und präzisiert
seine Haltung: „Niemand will Teilen der älteren Generation etwas
wegnehmen. Aber wenn unser Pflegesystem langfristig funktionieren
soll, müssen wir ehrlich über Eigenbeiträge reden – und über
Gerechtigkeit zwischen den unterschiedlichen Pflege- und
Betreuungsformen.“
Fairness zwischen Pflege zu Hause und im Heim
Der Gemeindebund-Chef verweist auf eine deutliche
Ungleichbehandlung zwischen Menschen, die zuhause gepflegt werden,
und jenen, die in einem Pflegeheim leben: „In Österreich beziehen
rund 500.000 Menschen Pflegegeld, rund 70.000 davon leben in einem
Heim und 30.000 werden von 24h-Kräften zu Hause betreut. Wer eine 24-
Stunden-Betreuung hat, bezahlt dafür monatlich etwa 3.500 Euro –
zusätzlich zur Miete, den eigenen Lebenserhaltungskosten usw. Meist
müssen Angehörige zusätzlich mitzahlen. Im Heim ist hingegen alles
abgedeckt und dem zu Pflegenden bleibt noch Geld übrig – bei einer
1600 Euro Brutto-Pension verbleiben nach Abzug aller Eigenbeiträge
nach Gemeindebund-Berechnungen jährlich rund 6.600 Euro beim
Klienten.“
Pressl betont, dass sein Vorschlag keine Belastung, sondern ein
solidarischer Beitrag sei: „Es geht nicht darum, jemandem etwas
wegzunehmen, sondern darum, die Pflege fair, ehrlich und solidarisch
zu finanzieren. Pflege darf kein Tabuthema sein – und auch kein
Gratisversprechen, das am Ende nur die Gemeinden und die Steuerzahler
bezahlen müssen.“ Für Pressl ist es daher auch legitim, über
ergänzende Finanzierungsbeiträge von Pflegeheimbewohnern für
stationäre Pflege offen und in einem freundlichen Diskurs miteinander
zu reden. Er verweist in diesem Zusammenhang auch auf die in
Klagenfurt beschlossene Resolution des Gemeindebundes.
Pflege sichern anstatt System an die Wand fahren
„Pflege ist mehr als Versorgung – sie ist ein Ausdruck von Würde
und Zusammenhalt zwischen allen Teilen der Gesellschaft“, so Pressl.
Und damit das auch weiterhin finanzierbar ist, müssen wir jetzt an
den Stellschrauben drehen und „Ungerechtigkeiten“ nachjustieren. Die
Gemeinden finanzieren heute rund 1 Milliarde Euro jährlich in die
stationäre Pflege mit – Tendenz stark steigend. „Wir übernehmen
finanzielle und organisatorische Verantwortung, wo andere wegschauen.
Aber Pflege darf nicht zur finanziellen Überforderung der Gemeinden
führen“, betont Pressl und ergänzt: „Wir brauchen eine Pflege, die
auf klaren Verantwortlichkeiten beruht – und auf einem solidarischen
System, bei dem alle mittragen: Bund, Länder, Gemeinden und
Pflegebedürftige selbst.“
Verantwortung für kommende Generationen
Pressl betont: „Es geht mir nicht darum, auf die 24h-Betreuung
noch etwas draufzuzahlen, sondern Pflege und Altern in Würde für alle
gleichwertig leistbar und für die Gesamtgesellschaft langfristig
finanzierbar zu machen. Und dafür ist es notwendig, Ungerechtigkeiten
im System auch aufzuzeigen und schlussendlich nach eingehender
Diskussion und unter Einbeziehung aller Argumente zur
„Gerechtigkeitsfindung“ auch aufzulösen.“
Die Berechnungsbeispiele finden Sie auf www.gemeindebund.at