PRAYMOBIL. Mittelalterliche Kunst in Bewegung. Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen vom 29. November 2025 bis 15. März 2026. (FOT

Aachen (OTS) – Kurzfassung

Mit der Ausstellung „PRAYMOBIL. Mittelalterliche Kunst in
Bewegung“ zeigt das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen erstmals weltweit
eine umfassende Schau zu einem faszinierenden, bisher kaum
erforschten Phänomen mittelalterlicher Kunst: bewegliche Skulpturen ,
die in Liturgie, religiösen Spielen und Volksglauben als scheinbar
„lebendige“ Figuren eingesetzt wurden.

Rund 80 außergewöhnliche Objekte aus acht Ländern machen
sichtbar, wie mittelalterliche Künstler Bewegung, Mechanik und
Glaubenserfahrung miteinander verbanden – und wie lebendig diese
Werke noch heute wirken.

Langfassung

Ein neues Kapitel mittelalterlicher Kunst

Was rollt, was schwenkt – und warum fließt Blut aus der Seite
Christi? Gab es im Mittelalter tatsächlich schon Roboter-Löwen?

Die Ausstellung PRAYMOBIL widmet sich erstmals den beweglichen
Skulpturen des Mittelalters , die Gläubige in Prozessionen, Andachten
und religiösen Spielen in Staunen versetzten. Ob Christus auf einem
fahrbaren Palmesel , ein Kruzifix mit beweglichen Armen oder ein
Christkind, das „geboren“ werden konnte – diese Werke erzeugten mit
einfachen Mitteln verblüffende Illusionen von Lebendigkeit.

Kuratiert wurde die Schau von Dipl.-Restaurator Michael Rief (
stellv. Direktor und Sammlungsleiter), unterstützt von Dr. Dagmar
Preising und Maria Geuchen .

„Uns war wichtig zu zeigen, dass diese beweglichen Figuren weit
mehr waren als bloße Kuriositäten“, betont Rief. „Sie besaßen eine
unmittelbare spirituelle, emotionale und performative Kraft, die
Gläubige tief bewegte – und wir sind gespannt, wie sie heute auf ein
modernes Publikum wirken.“

Auch die technischen Aspekte sind bemerkenswert:

„Die Lösungen, die mittelalterliche Werkstätten für Bewegung
fanden, sind oft erstaunlich raffiniert – Seilzüge und Scharniere
funktionieren bis heute“, so Rief.

Gleichzeitig enthüllt die Ausstellung, dass nicht alle „Wunder“
echt waren: Tränen oder Blut konnten auch inszeniert sein – mitunter
ein einträgliches Geschäft.

Perspektivwechsel: Jenseits von Pracht und Prunk

PRAYMOBIL rückt gezielt Objekte in den Mittelpunkt, die außerhalb
höfischer oder kirchlicher Kunst entstanden und im religiösen Alltag
der Bevölkerung beliebt waren.

Museumsdirektor Till-Holger Borchert erklärt:

„Der Titel PRAYMOBIL spielt bewusst mit der Doppeldeutigkeit von
Gebet (pray) und Bewegung (mobil). Er soll neugierig machen und
zeigt: Diese Figuren waren keine starren Bilder, sondern handelnde
Akteure in einer religiösen Inszenierung.“

Rief ergänzt:

„Wir wollten einen Titel finden, der Interesse weckt, ohne die
Objekte zu banalisieren. PRAYMOBIL verbindet auf augenzwinkernde
Weise Spiritualität und Bewegung – genau darum geht es hier.“

Die Ausstellung schlägt den Bogen vom Spätmittelalter über
Fortsetzungen im 19. Jahrhundert bis hin zu lebendigen Traditionen
der Gegenwart , etwa dem „Streuengelchen“-Brauch in Aachen, bei dem
eine bewegliche Engelsfigur Süßigkeiten auf die Straße regnen lässt.

„Auch heute suchen Menschen nach Momenten, in denen Dinge
lebendig werden – ob in digitalen Welten, in immersiven
Kunstinstallationen oder in religiösen Ritualen“, so Borchert. „Das
Bedürfnis nach Präsenz, Berührung und Staunen ist zeitlos.“

Für wen ist die Ausstellung gedacht?

PRAYMOBIL richtet sich an ein breites Publikum – nicht nur an
Fachleute. Der alltagsnahe, sinnliche Zugang eröffnet neue Wege zur
kulturellen Teilhabe – unabhängig von Alter, Herkunft, Religion oder
Vorwissen.

Familien, Jugendliche, Schulklassen und andere Besucher innen
finden hier einen spannenden Zugang zur Welt des Mittelalters.
Zugleich bietet die Schau mit neuen Forschungserkenntnissen und
selten gezeigten Exponaten einen Mehrwert für Expert innen.

Rahmenprogramm und Förderung

Begleitend zur Ausstellung findet ein vielfältiges Programm mit
Führungen, Workshops, Vorträgen und Performances statt.

Gefördert wird PRAYMOBIL durch:

Peter und Irene Ludwig Stiftung , Ernst von Siemens Kunststiftung
, Kunststiftung NRW , Kulturstiftung der Länder , Ministerium für
Kultur und Wissenschaft des Landes NRW , Landschaftsverband Rheinland
, Renate König-Stiftung , Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland ,
Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Aachen , Sparkasse Aachen
und den Museumsverein Aachen e. V.

Wichtige Termine

– Pressekonferenz & Vorabbesichtigung im Suermondt-Ludwig-Museum:

Donnerstag, 27. November 2025, 12:30 Uhr

– Eröffnung in der Aachener St. Adalbert Kirche

Freitag, 28. November 2025, 18:00 Uhr, anschließend
Ausstellungsbesichtigung

Bilder zur Ausstellung sowie das Booklet „Praymobil – 20
Highlights“ unter https://www.heinekomm.de/pressedownload/