Wien (OTS) – Unter dem Titel „Klima – Verspielte Zukunft? Apokalypse,
Hoffnung und
Handeln“ diskutierten am Donnerstagabend Vertreterinnen und Vertreter
aus Wissenschaft, Wirtschaft, Theologie und Klimapolitik in der
Wiener Karlskirche über Perspektiven in der Klimakrise. Die
Veranstaltung fand im Rahmen der Klima Biennale Wien 2026 statt.
Den Auftakt bildete eine sich dramatisch ins Dissonante
steigernde Improvisation des Organisten Felix Krieg über das Thema
aus Bedřich Smetanas „Moldau“, die vom Rektor der Karlskirche, P.
Marek Pucalik, O.Cr., als Sinnbild der gegenwärtigen Klimakrise
interpretiert wurde. Zugleich betonte Pucalik in seinen
Eröffnungsworten die christliche Hoffnungsperspektive: Gerade
angesichts dramatischer klimatischer Veränderungen brauche es
Zukunftsbilder, die zu konkretem Handeln motivierten.
Am Podium diskutierten unter der Moderation von Bernard Mallmann
die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel, der Praktische Theologe Johann
Pock, Judith Obermayr-Schreiber von der Industriellenvereinigung, die
Geschäftsführerin von Alstom Österreich Lilian Meyer sowie die
Klimaexperten Klaus Radunsky und Reinhard Haas.
Meyer verwies insbesondere auf die Bedeutung nachhaltiger
Mobilität für die Dekarbonisierung Europas. Der Verkehrssektor sei
weiterhin ein wesentlicher Treiber von Treibhausgasen. Es brauche
wirksame Anreizsysteme und attraktive öffentliche Verkehrslösungen –
Apelle allein würden keine Veränderung herbeiführen. Auch künstliche
Intelligenz könne helfen, Verkehrssysteme effizienter zu gestalten
und Ressourcen besser zu nutzen.
Obermayr-Schreiber machte deutlich, dass die Transformation hin
zur Klimaneutralität enorme Investitionen erfordere und Klimapolitik
daher immer auch Standortpolitik sei: Industriebetriebe in Österreich
produzieren klimafreundlicher als in anderen Ländern. Produktion ins
Ausland zu verlagern, erhöhe also die Emissionen. Radunsky, der für
Österreich viele Jahre lang Klimaabkommen verhandelt hat, hob die
Fortschritte internationaler Klimapolitik hervor, beschrieb jedoch
auch die schwierigen politischen Rahmenbedingungen, die sich gerade
in letzter Zeit verschärft hätten.
Haas kritisierte, dass die Gesellschaft die Dimension der
Klimakrise noch immer unterschätze. Als Professor für
Energiewirtschaft verwies er darauf, dass es mehr Kostenwahrheit und
Transparenz über die tatsächlichen ökologischen und wirtschaftlichen
Kosten des Energieverbrauchs brauche.
Auch Fragen persönlicher Verantwortung und gesellschaftlicher
Lebensstile spielten eine zentrale Rolle. Gabriel betonte mit Verweis
auf die Umweltenzyklika “Laudato si’” die Bedeutung von Maßhalten und
globaler Solidarität. Zwischen Industrie- und Entwicklungsländern
bestehe ein massives Gefälle hinsichtlich historischer Verantwortung
und gegenwärtiger Belastungen. Im interreligiösen Dialoag könnten
auch alle Religionen wichtige Beiträge zur gesellschaftlichen
Verständigung leisten, ergänzte Pock und schloss in einem ethischen
Leitgedanken: Solidarität und Nächstenliebe müssten stärker werden
als Egoismus.
Trotz aller Herausforderungen überwog am Ende des Abends ein
vorsichtiger Optimismus. Innovation, internationale Zusammenarbeit
und gesellschaftliches Umdenken zu mehr Solidarität sind wichtige
Voraussetzungen, um die Klimakrise erfolgreich zu bewältigen.